Mittwoch, 13. Juli 2011

kino.to ist wieder da

Der Kampf ritterlicher Film-Piraten gegen die aufgedunsene Kino-Industrie geht in eine neue Runde. Das vor einigen Wochen in Aufsehen erregende Weise geschlossene Portal kino.to ist eben wieder auferstanden.

Die Botschaft der neuen Betreiber, denen offenbar Mitglieder von Anonymous angehören, ist klar: "Denkt ihr wirklich ihr könnt uns stoppen nur weil ihr haufenweise Geld habt?". Die politische Treibfeder wird ebenfalls nicht ausgelassen: "Wie kann es sein, dass harmlose Webseitenbetreiber auf eine Stufe mit Mördern und Vergewaltigern gestellt werden? " Die Angriffe richten sich hauptsächlich gegen die Deutsche Gesellschaft für Urheberrechtsverletzungen (GVU) und an die Deutsche Politik, die nach der Meinung der Webseitebetreiber die viel zu teure Industrie beschützt - wir in der Schweiz leben ja seit Jahren im Downloadparadies.

Und dennoch. Man kann geteilter Meinung sein, ob die auf allen möglichen und unmöglichen Datenträger erhobenen Urheberrechtsgebühren schlicht zu hoch sind, oder ob sie wirklich nötig sind, um die Produktion von Filmperlen erst zu ermöglichen. Tatsache ist, dass ein normaler User heute in seinen Rechten arg beschnitten wird. Kauft sich ein Schweizer beispielsweise eine CD und speichert die Songs daraufhin auf PC und iPod, hat er bereits viermal Urheberrechtsabgaben bezahlt: über den Kaufpreis der CD, der Festplatte, des iPods und über die Abgabe an die Billag - die heute praktisch jeder bezahlen muss.

Wundert es da noch jemanden, dass Portale wie Feature Films, Mega-Stream.us, Streamload.IN, Mov-World.net, movie2k.to, nox.to, Hochkonjunktur feiern? Sie läuft zwar noch sehr schleppend, aber wieder ins Leben gerufen wurde nun also das Portal kinoX.to (man beachte das zusätzliche X). Trotz dem Relaunch sieht sich die GUV laut Medienberichten als Sieger, denn es habe verhältnismässig lange gedauert, bis die Plattform wieder aufgebaut worden sei. In der Stellungnahme des GUV zeigt man sich zufrieden, denn "dass es vergleichsweise lange gedauert hat, bis diese Resteverwertung von kino.to online gestellt wurde, offenbart wie empfindlich die Aktion der Generalstaatsanwaltschaft Dresden die Szene getroffen hat"

Das klingt mehr nach einem Versuch die bei der Räumungsaktion ausgegebenen Steuermillionen zu rechtfertigen, als nach einem wirklichen Erfolg. Man darf gespannt sein, welche Plattform sich letztlich im Volke etablieren wird. Sicher ist eigentlich nur, dass es immer irgenwo etwas zum runterladen geben wird. So lange sich an der "Hochpreisinsel Filmindustrie" nichts ändert, wird das auch so bleiben.

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Kommentare:

Bernhard´s Mikrokosmos hat gesagt…

In Deutschland ist zu beachten, dass sogenannte Raubkopierer zwischen 1 und 5 Jahre als Strafmaß erwartet (Áuslegung §12StGB).
Ebenfalls 5 Jahre bekommt man für die "Herbeiführung einer nuklearen Explosion" (§328 StGB).

Mir fwehlt da die Verhältnismäßigkeit...!

Goggi hat gesagt…

ist doch das gleiche, wenn man bedenkt dass durch die ständige Downloaderei täglich 20'000'000 Arbeitsplätze verloren gehen... (plus weitere 20'000'000, weil alle Schweizer wegen dem tiefen Euro nach DE einkaufen gehen)

Roger hat gesagt…

Gut, die neue Seite hat eine Erreichbarkeit von unter 10% - das wird so nichts werden...
Und Informationsfreiheit und Filme zu teuer alles okay... aber mal ehrlich, wer 400k im Monat mit Raubkopien Umsetzt, ist nicht besser :D

Goggi hat gesagt…

@Roger. Das sage ich auch immer: wer 400'000 im Monat verdient kann auch bei Coop einkaufen gehen, statt Aldi in Deutschland.... nei Moment, das ist ja gar nicht das gleiche ;)

torsten hat gesagt…

ich schreibe hier einen bericht zum verlauf zu kinox.to: kinoX.to http://www.presseanfragen.com/kinox-to-nachfolger-kino-to-kinoxto-legal.html