Jetzt mal ehrlich. Die "radikalen Preissenkungen" mit denen hierzulande bei Grossverteilern um die Käufergunst gebettelt wird ist ja wohl ein blanker Witz. Man gebe den tiefen Euro an die Kunden weiter, heisst es, und sogar vom Boykott von Zwischenhändlern einzelner Produkte war die Rede. "Uncle Ben's" gab es zwischenzeitlich nicht mehr überall zu haben - inzwischen gehören leer geräumte Verkaufsreale jedoch schon wieder der Vergangenheit an und der Kunde "profitiert" von Vergünstigungen bis zu 20%. Sagen die Grossverteiler.
Ach ja? Es gibt bestimmte Gründe, warum ein Restaurant für eine Tasse Kaffee Fr. 3,10 (Manor, Baden) oder Fr. 4,50 (Himmel, Baden) verlangt - obwohl der reine Warenwert ein paar Rappen ausmachen dürfte. Die Regulierung über den Preis für Kafi oder Bier ermöglichen es der Beiz verhältnismässig günstige Menü-Preise anzubieten, bei denen dann nur eine minimale, oder fast gar keine Marge herausschaut. Warum aber Markenprodukte in Schweizer Verkaufsregalen durchs Band massiv überteuert sind ist für mich unverständlich.

Beispiel Kosmetika. Eine 100ml-Flasche NIVEA Styling Mousse Volume Sensation kostet bei Coop dauerhaft reduziert statt Fr. 7,20 nur noch
Fr. 6,40 - in der hauseigenen Coop-Zeitung von letzter Woche nachzulesen (im Bild rechts). Der Sprung über die Grenze offenbart uns aber einen mittleren Preisschock. Das identische Produkt kostet im Kaufland Waldshut Euro 1,75 (im Bild links). Wer die Mehrwertsteuer an der Grenze zurückverlangt bezahlt also gerade mal Euro 1,41. Umgerechnet auf Schweizer Franken ergibt das einen Preis von
Fr. 1,69. Damit ist das identische Produkt in der Schweiz 278 % teurer! Oder umgekehrt:
In Deutschland kostet eine 100ml-Flasche NIVEA Styling Mousse Volume Sensation 73% weniger. Selbst unter Berücksichtigung der Transportwege ist der Preis in der Schweiz damit massiv zu hoch.
Diese Berechnungen lassen sich auf den gesamten Wocheneinkauf anwenden. Waschmittel, Deos, Zahnpasta und Kleider kosten durchschnittlich (auch dank dem MwSt-Abzug) rund 60% weniger. Frischprodukte wie Fleisch und Milch schlagen trotz tieferer Mehrwertsteuer ähnlich zu Buche. Wegen den Einfuhrbestimmungen schielen wir Schweizer in diesem Fall leider oft nur allzu neidisch auf die unglaublich tiefen Kilopreise: Euro 3,50 für ein Schweinefilets, Euro 4,90 für die gleiche Menge Rindsragout.
In diesem Sinne: Liebe Schweizer Grossverteiler, macht doch mal einen
wirklichen Preisabschlag und nicht nur einen, der aussieht als ob.
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Bei wirklich identischen Produkten ist das schon ziemlich verstörend.
Beim Fleisch wäre ich etwas zurückhaltender. Schwein ist nicht gleich Schwein. Dass die armen Viecher durch ganz Europa gekarrt werden, nur weil Giovanni oder Ahmed den Stromstoss etwas billiger verpassen als Holger und Hermann, finde ich eine ziemliche Sauerei. Auch die Schweizer Tierschutzgesetze sind nicht über alle Zweifel erhaben, doch sind das immer noch Welten im Vergleich zu dem, was in der EU erlaubt ist!
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