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Mittwoch, 12. September 2007

Fussball für die Oberschicht

Nein, hier geht es nicht um den Besuch einer VIP-Longue der Bayern-Arena, sondern um ein gewöhnliches Fussball-Spiel der Schweizer Super-League zwischen GC und dem FCZ. Satte 55 Franken kostet am übernächsten Sonntag der billigste Platz im Letzigrund, sowohl in der Süd- wie auch in der Nordkurve. Wer auf die Haupttribüne will, zahlt sogar 158 Franken.

Derart hohe Preise sind einmalig in der Schweiz, passen aber zur Tendenz, dass neue Stadien immer auch massiv teurere Ticketpreise mit sich bringen. So gesehen in Basel, wo die Gästefans in die schlechteste Ecke gepfercht werden und dafür 35 Franken hinblättern müssen. Das neue Wankdorf-Stadion hält an einer ähnlichen Philosophie fest, nur werden da bloss die Gästefans zur Kasse gebeten, die 10 Franken mehr Eintritt bezahlen müssen als die einheimischen Zuschauer.

Diese Entwicklung ist nicht nur ein Affront gegen die treuen Zuschauer, sondern verunmöglicht für viele den Besuch im Stadion. Zu kümmern braucht es die Fussballbosse natürlich nicht. Schon in England stiegen in den 1990er-jahren die günstigsten Ticketpreise nach dem Umbau der Stadien um bis zu 500%. Trotzdem sind die Fussballtempel auch heute gut gefüllt. Eine ähnliche Geldmaschine erhofft man sich nun anscheinend auch in der Schweiz. Man rechnet damit, dass die allgemeine Euphorie der EM im eigenen Land den Geldbeutel lockerer sitzen.

Der Kunde wird schamlos ausgebeutet.

Nicht ganz tatenlos zeigt sich die Interessengemeinschft Grasshoppers-Club Zürich (IG GC Züri). Aus Protest gegen die horrenden Eintrittspreise, die der FC Zürich für das Derby gegen GC angesetzt hat, mietete man sich kurzerhand im Maag-Areal ein. Dort kann das Spiel auf Grossleinwand für nur 10 Franken geschaut werden. Die Aktion wird übrigens auch vom Grasshoppers-Club und der Mannschaft unterstützt und eine *.pdf dazu kann hier runtergeladen werden.

Dennoch. Die Verlierer sind wir "gewöhnlichen" Fussballfans. Das Lezi wird trotz dieser Aktion beim Eröffnungsspiel ausverkauft sein, nur werden sich den Eintritt nur noch die "Mehrbesseren" leisen können. Der Fan von der Strasse wird verbannt und ich möchte nicht wissen, wie trostlos die Stimmung dereinst sein wird, wenn die Stimmungsmacher sich den Stadionbesuch nicht mehr leisten können. Mit der Geldgier des FC Zürich (es bestehen Pläne den Club in Red Bull Zürich umzutaufen) , sind wir dem Luxusgut Fussball ein Stück näher gerückt: Am TV gibts Fussball nämlich auch nicht wirklich live zu sehen... ausser man bezahlt dafür viel Geld.