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Mittwoch, 1. Juli 2009

Sommerlochige Sach- und Lachgeschichten (1)

Liebe Versicherung

Wir waren mit den Einkäufen gerade aus dem Aldi gekommen, als ich mit der Fernbedienung die Türen unseres Wagens schon von weit her öffnete und die schweren Säcke ohne Mühe in den Kofferraum legen konnte. Noch beim Schliessen der Hecktüre, sah ich den Schlüssel im Wagen liegen, den ich dort versehentlich liegen gelassen habe, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätte sich nicht im gleichen Moment eine Milchtüte aus der Einkaufstasche gelöst, direkt auf den "Lock"-Knopf des Schlüssels, wodurch sich sofort sämtliche Türen verriegelten.

Meine Frau sagte noch, ich solle die Milch nicht zu oberst in die Tüten stellen, was auch die Dame unserer Garage am Telefon sagte, wobei jetzt keine Mechaniker mehr da seien, schliesslich sei Samstag und ich solle es beim TCS versuchen. Nun bin ich aber nicht Mitglied des TCS und was den Ersatzschlüssel angeht muss ich Ihnen noch berichten, das dieser unglücklicherweise im Zündschloss stecken geblieben ist, weil wir während den Einkäufen den Motor haben laufen lassen, damit die Klima-Anlage weiter ihren Dienst tun könne.
Das Telefonat mit der Sekretärin unserer Garage war ohnehin das Letzte, das ich führen konnte, denn der Akku verabschiedete sich in der Folge, worauf meine Frau um einen weiteren guten Rat nicht verlegen war, nachdem sie mit der Milch zu oberst im Sack schon Recht hatte. Sie meinte, es wäre vernünftig gewesen, den Akku vorher zu laden und ich musste ihr natürlich zustimmen.

Also entschloss ich mich kurzerhand, einen Ziegelstein von der nahegelegenen Baustelle zu nehmen und die Scheibe der Beifahrertüre zu zertrümmern, was meiner Frau zwar gar nicht gefiel und sie sich wie üblich in solchen Situationen mit verschränkten Armen daneben stellte. Vielleicht aber auch, weil sie den Mann mit dem Helm hat sehen kommen, der im Gegensatz zu meinem Garagisten auch am Samstag zu arbeiten pflegte und überhaupt nicht erfreut darüber war, dass ich einen Bauziegel von seiner Baustelle genommen hatte um der verzwickten Situation zu entrinnen, deren er gar nicht im Bilde war. Im Gegenteil. Die Befürchtung, sein Handy am Ohr diene einem Anruf an einen Ordnungshüter stellte sich als bittere Wahrheit heraus und flugs stand der Delta-Mann auch schon da und hatte mich im Würgegriff. Selbst meiner Frau fiel zu diesem Zeitpunkt leider keine Weisheit ein, ausserdem war sie immer noch eingeschnappt, die sie der besonderen Situation wegen, ruhig auf später hätte verschieben können, während der Mann mit Helm und Handy sich kundig machte, wem das Auto mit der zertrümmerten Scheibe gehört. Was ihm offensichtlich auch gelang und danach war er auch redlich versucht, dem Besitzer, also mir, anzurufen, wobei mir sogleich der gute Rat meiner vor sich her schweigenden Frau einfiel, ich hätte doch den Akku laden sollen.
Zwei Stunden später hat sich die Sache Gott sei Dank aufgeklärt und ich durfte mit meinem zerstörten Auto nach Hause fahren, wobei ich in der Aufregung nicht darauf geachtet habe, dass ich mich in eine Glasscherbe gesetzt habe und dadurch die gute Hose kaputt gegangen ist. Zu Hause angekommen sagte meine inzwischen wieder gesprächsbereite Frau, ich hätte eben die andere Hose anziehen sollen, die für in den Garten.

Liebe Versicherung. Die ausgelaufene Vanille-Erdbeer-Glace konnte ich mit viel Aufwand zwar, aber zum Glück aus dem Kofferraum kratzen. Weil der Motor und damit die Klimaanlage während mehr als zwei Stunden aber nicht mehr im Betrieb waren, ist der üble Geruch verdorbenen Fleisches fast nicht mehr aus dem Wagen zu kriegen. Eines gewissen Selbstverschulden bewusst bitte ich Sie nur um eine kleine Schadensbehandlung: Bitte schicken sie mir eine neue Frau.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Spam vom Weltbild Verlag

Wie der Weltbild Verlag mit Kundendaten umgeht und wie man gemeinsam mit der AIG Europe versucht, diesen 25 Franken für eine unnötige Versicherung abzuluchsen

Tempi passati Nach Rekordverlust ist AIG bei ManU als Sponsor ausgestiegen. Versucht man es jetzt mit unlauteren Methoden?
Aufdringliche Werbung von Postfach-Firmen sind wir uns ja gewohnt. Nun scheint die verzweifelte Suche nach Kunden aber auch rennomierte Firmen erreicht zu haben. Den Weltbild Verlag gibt es immerhin seit 25 Jahren, bei AIG handelt es sich um die weltgrösste Versicherung, die während der Finanzkrise aber arg ins straucheln geraten ist.

Angefangen hat alles mit einer Bestellung im Internet. Petra Suter (Name geändert) bestellte sich im November des vergangenen Jahres einen Familienplaner für das neue Jahr aus dem Weltbild-Katalog. Die Ware wurde geliefert und bezahlt. Mitte Dezember meldete sich ein Anrufer, der von einem "interessanten Versicherungsangebot für Weltbild-Kunden" berichtete und mit gewandten Worten Frau Suter solange bearbeitet hatte, bis diese einwilligte, ihr weitere Informationen per Post zukommen zu lassen. Sie solle sich "das Angebot in Ruhe und unverbindlich anschauen" hiess es, ehe sich der Mann am anderen Ende freundlich oder endlich verabschidete.

Das Telefonat war schon fast wieder vergessen, als kurz nach dem Jahreswechsel ein Brief ins Haus flatterte. Absender war die AIG Europe in Zürich, die sich im knappen Schreiben auf eine Weltbild AccidentCash plus / Police beruft:
Mit Weltbild AccidentCash plus gehen Sie sicher durchs Leben. Damit Sie weiterhin von diesem umfassenden Versicherungschutz profitieren können, erhalten Sie Ihre nächste Prämien-Rechnung (MONATLICH) ab 01.01.09

Bei Fragen rufen Sie uns ganz einfach an. Im Schadenfall und für alle anderen Fragen unter 043... . [...] Wir danken Ihnen für die Überweisung innert 10 Tagen [...]
Dem Brief war eine Rechnung über 25 Franken beigelegt. Ob es sich debei um eine Monatsprämie handelt kann aufgrund des schreibens nur angenommen werden. Gezeichnet war der Brief von Andy Dietschwiler und Tiziana Dante, die im Handelsregister als zeichnungsberechtigte Partner der AIG Europe aufgeführt sind. Frau Suter rief wie aufgefordert der Versicherung an, hatte aber weniger eine Frage, als vielmehr eine Bitte: "Ich wollte das nicht und bat die Dame die ich am Telefon erreicht habe, mir nichts mehr zu schicken", sagt Suter heute.

Irritierend: Im Brief ist von "weiterhin" und "nächste Rechnung" die Rede und das obwohl noch nie eine Versicherung bei der AIG abgeschlossen wurde. "Diese Dame am Telefon bestätigte, es reiche den Brief zu retournieren und die Sache sei erledigt", so Suter weiter. Doch Frau Suter fand nicht, sie müsse eine Sendung retournieren, die sie sich "unverbindlich anschauen" solle, wie es noch vor zwei Wochen am Telefon hiess.

Doch die AIG Europe beharrt wohl auf diese eigensinnige Auslegung und schickt Frau Suter eine Woche später erneut Post: Diesmal ist es ein dicker Brief im B4-Couvert, darin enthalten eine erneute Prämienrechnung über 25 Franken, eine Police auf der unmissverständlich steht, der Versicherte habe "binnen vier Wochen nach Empfangen der Urkunde deren Berichtigung zu verlangen, widrigenfalls ihr Inhalt als von Ihm genehmigt gilt". Im Begleitbrief - dieses Mal mit dem Briefkopf vom Weltbild Verlag - die Aufforderung, die Police innerhalb von 10 Tagen zu retournieren, falls man vom Angebot nicht überzeugt sei. Etwas zurückhaltender nun die Worte aus dem ebenfalls beigelegten Brief der AIG Europe: Diese spricht immerhin nur noch davon, dass die Versicherung nur dann "definitiv aktiviert" werde, wenn sie innerhalb der nächsten 14 Tage bezahlt werde. Trotzdem behauptet AIG auch, die Versicherte habe sich "für eine unkomplizierte und kostengünstige Versicherungslösung entschieden"

Frau Suters einzige Entscheidung aber war, sich unverbindliche Informationen zukommen zu lassen. Sie fühlte sich erneut nicht genötigt, noch einmal dem kostenpflichtigen Kundendienst anzurufen und warf den Brief dorthin, wo er ihrer Meinung nach am besten aufgehoben ist: Ins Altpapier.

Doch AIG Europe scheut keine Mühen und Kosten, um die 25 Franken doch noch irgendwie einzutreiben. In einer Zahlungserinnerung vom 15. Januar, also nur eine Woche nach der letzetn Rechnungsstellung, flattert eine Zahlungserinnerung ins Haus. Wieder behauptet die Versicherung, nur bei unverzüglicher Zahlung bleibe die Police weiterhin gültig und man bedanke sich für das in sie gesetzte Vertrauen. Doch von Vertrauen kann bei so einer "Masche", wie sie Petra Suter nennt, nicht die Rede sein. "Nicht auszudenken, wieviele Leute glauben, der Versicherung wirklich etwas zu schulden und einfach zahlen".

Ob die Versicherung dann auch etwas taugt, ist eine andere Frage. Der Versicherungswert beläuft sich auf gerademal 30'000 Franken. Erst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden sich Hinweise, was die Police überhaupt versichert: Nämlich die Folgen eines Unfalls. Die AIG umschreibt sogar ziemlich genau, welcher Körperteil zu welchem Prozentsatz versichert ist: Ein Beckenbruch zu 100%, ein Unterkiefer zu 30%.

Dass diese Versicherung ein völliger Witz ist, dafür braucht man nicht einmal den Rat eines Experten. Einerseits decken die 30% von 30'000 Franken bei einem Kieferbruch so gut wie gar nichts. Ausserdem ist jeder in der Schweiz wohnhafte Bürger gegen die Folgen eines Unfalls bereits versichert. Die Prämie dafür wird über den Lohn bezahlt, Selbstständige und nicht Erwerbstätige müssen bei ihrer Krankenkasse versichert sein. Ich wage nun einfach mal die Behauptung, dass diese "Unfallzusatzversicherung" vollkommen unnötig ist und die Vorgehensweise und die Formulierungen der Korrespondenz, sowohl vom Weltbild Verlag als auch von der AIG Europe äusserst fragwürdig ist. Empfänger solcher Briefe, die keinen Vertrag unterschrieben haben, sollten auf keinen Fall eine Einzahlung leisten!

Mittwoch, 5. November 2008

Axa Winterthur: Gauner am Werk?

Die Sache schien sehr einfach: Herr W. von der Helvetia Versicherung schloss dem frisch zusammen gezogenen Pärchen eine neue Hausratversicherung ab, welche die bestehende Vericherung bei der Axa Winterthur aufheben sollte. Der alten Versicherung werde die Ablösung mitgeteilt, allfällige Rechnungen seien zu ignorieren. Doch hier fängt das Theater erst an.

Das war im Juni 2008. Während der Sommerferien verschickte die Axa Winterthur eine Mahnung, die man noch dem Unstand beimessen konnte, dass die Ablösung gerade erst stattgefunden hatte und der Papierkram noch nicht erledigt wurde. Mitte August folgte dann aber eine weitere Mahnung per eingeschriebenem Brief. Der Wortlaut machte klar, dass dies die letzte Warnung sei und man bei der Axa diesbezüglich keinen Spass verstehe.

Doch da war ja die neue Versicherung, warum also die alte noch zahlen müssen? Dies bestätigte auch Herr W. von der neuen Versicherung dem Pärchen auf Anfrage: er habe es schwarz auf weiss, die alte Versicherung sei abgelöst und es bestehe keine Zahlungspflicht.

Nicht schlecht staunte man im anderweitig versicherten Hausstand, als Mitte Oktober eine Betreibung ins Haus flatterte. Ein ungewohntes und belastendes Gefühl für eine Familie mit drei Kindern, die immer bedacht darauf war, ihre Schulden rechtzeitig zu begleichen. Noch schlimmer war der Gang auf das Betreibungsamt, auf welchem ausgerechnet eine Nachbarin aus früheren Zeiten die Formalitäten zu übergeben hatte. Neben fälliger Prämie fielen neu Bearbeitungs- und Betreibungsgebühren an - klar, dass sogleich Rechtsvorschlag erhoben wurde.

Noch am gleichen Tag kümmerte sich Herr W. von der Helvetia Versicherung um die Sache und plötzlich ging es schnell. Die Axa Winterthur entschuldigte sich in einer knappen Mitteilung für ihr Versehen und versicherte, den Eintrag umgehend aus dem Betreibungsregister löschen zu lassen.

Endlich Ruhe, dachte sich das Pärchen, doch rechnete es nicht mit hartnäckigkeit der Axa Winterthur. In der Schlussabrechnung wurde der Prämienbetrag zwar ordnungsgemäss erlassen, doch bestand man auf Bearbeitungsgebühren in der Höhe von 15 Franken und "Kosten aus Betreibung" in der Höhe von 40 Franken. Gebühren für eine unrechtmässige Beanstandung notabene. Macht die Axa Winterthur da einen auf Abzoke? Vielleicht merkts ja keiner und der Dumme zahlt einfach! Die Dreistigkeit wurde noch überboten, indem der zuständige Sachbearbeiter der Axa Winterthur (nach langem Warten in der Warteschleife) meinte, das könne absolut nicht sein und der Fall sei für sie abgeschlossen. Er wolle die Abrechnung sehen und ob man ihm das gleich auf's Büro bringen könne, Baden beim Bahnhf, 5. Stock, er werde sich der Scahe sofort und persönlich annehmen!

Nun ist seit dem Telefonat mit dem Sachbearbeiter schon wieder eine Woche vergangen, ohne dass man sich bei der Axa Winterthur dazu genötigt fühlt hätte, sich der Sache anzunehmen. Oder "Sofort" bedeutet im Versicherungsjargon einfach "nicht vor Weihnachten" - dass kann ja auch sein.

Nun, liebe Axa Winterthur, wer nicht hören will, muss lesen. Hier die Aufstellung der Bearbeitungsgebühren seitens des geplagten Pärchens:

- Telefonat aufgrund unberechtigter Mahnung: Fr. 10.00
- Umtriebe für Gang zum Betreibungsamt: Fr. 50.00
- Schalflose Nacht davor: gratis
- Telefonat aufgrund unberechtigter Betreibung: Fr. 10.00
- Telefonat aufgrund merkwürdiger Schlussabrechnung: Fr. 10.00
- Telefonat wegen Nicht-Zurückrufens: Fr. 10.00
- Anfrage beim zuständigen Amt, ob die Betreibung tatsächlich
und wie versprochen gelöscht wurde: Fr. 10.00
- Kosten für den dafür nötigen Betreibungsauszug: Fr. 18.00

Kosten insgesammt: Fr. 118.00

Die Rechnung geht heute raus. Der Goggiblog wird mit Spannung darauf warten, ob die Leute bei der Axa Winterthur noch einmal über die Bücher gehen und für ihre Fehler die entstandenen Kosten übernehmen wird. Sehr gespannt bin ich, ob der Eintrag im Betreibungsregister wirklich raus ist. Die Vermutung liegt aber Nahe, dass man es da bei der Axa Winterthur auchnicht so genau nimmt.

Bis dahin sei jedenfalls davon abgeraten, dem bis vor kurzem zelebrierten Leitspruch der Versicherung zu glauben: "Für Vertrauen im Leben" - kein Wunder wurde er abgesetzt.