Montag, 30. November 2009

Minarette und der Verhältnisblödsinn

Volksabstimmungen in der Schweiz erleben bei deren Durchführung die immer gleichen Phänomene: zuerst geht kaum einer hin und danach poltern die Leute, sie schämten sich für das Resultat. Vergleicht man den "Fall Minarette" mit dem "Fall Finn" stellt man bedrohliche Gemeinsamkeiten fest: Emotionale Spitzen des Protests verrücken den Blick auf die Realität.

Natürlich hat sich auch nach der Volksabstimmung über das Verbot zum Bau von Minaretten in der Schweiz eine ansehnliche Gruppe gebildet, die sich (einmal mehr) schämt in diesem Land zu leben. Über 48'000 Mitglieder zählt zum Beispiel die entsprechende Facebook-Gruppe, die sich aufgrund des Abstimmungsresultates zusammengerauft hat und entweder in der nächsten paar Monaten die Schweiz verlässt oder sich in den Schweizer Alpen verschanzt und einen eigenen Kanton gründet.

Wie schon beim verletzten Bären "Finn" im Bärengraben zu Bern, scheinen die Menschen aber den Bezug zur Realität völlig verloren zu haben. Morddrohungen gegen die Familie des Behinderten soll es gegeben haben und die Mehrheit der Statements verlangen vom eingreifenden Polizisten, er hätte doch lieber auf den Menschen geschossen, als auf den Bären. Als normal denkender Mensch fühlt man sich genötigt solche Bittsteller daran zu erinnern, dass Finn kein Kuschelbär ist, sondern ein wildes Tier und jeder von uns schon einmal eine Dummheit begangen hat, für die er nicht erschossen werden möchte. Schon mal einen Igel überfahren? Autofahrer sofort erschiessen?

Der Bezug zu den sich schämenden Schweizer gründet im Umstand, dass es am vergangenen Wochenende nur gerade um ein relativ simples Verbot gegangen ist. Nicht um die Verleumdung des Glaubens, nicht um die sofortige Ausweisung und auch nicht um Diskriminierung eines Volkes - auch wenn diese Schlagwörter in den vergangenen Wochen ermüdend oft strapaziert wurden. Gerade die Schweiz zeichnet sich gegenüber sämtlichen Ländern dieser Welt darin aus, die Integration überdurchschnittlich zu fördern. Kein Gesetz wird erlassen, ohne die Bedürfnisse sämtlicher Randgruppen nicht mindestens erörtert zu haben, kein Bau wird bewilligt, ohne dass den Gegnern eine Vielzahl an Instrumenten geboten wird um sich dagegen zu wehren.

Aber auch im gewöhnlichen Alltag wird selten aufgrund eines Namens oder der möglichen Herkunft diskriminiert. Kirchen, Schulen, Ämter, Staatstellen. Alle bemühen sich und werden in den meisten Fällen sogar gesetzliche verpflichtet ihren Teil beizutragen, um die Akzeptanz untereinander zu fördern. Das Merkblatt für den Antrag zur Krankenkassenverbilligung beispielsweise gibt es in meiner Gemeinde in 20 Sprachen, darunter albanisch, portugiesisch und indisch. Und selbst wenn man den Aufwand aus unserem Betrachtungswinkel noch als gering betrachtet, so bietet kein anderer Staat eine vergleichbare Hilfe, welche die Akzeptanz fremder Völker und deren Gewohnheiten fördert. Umgekehrt - auch das sollte man beachten - darf man als Christ in keinem einzigen muslimischen Land dieser Welt ein Kreuz aufs Dach stellen, nirgendwo bietet man deutschsprachige Formulare an, geschweige denn, würde die Nichtanpassung an irgend eine örtliche Gewohnheit tolleriert.

Ist es unter dieser Betrachtungsweise so vermessen, die Angst die ein solches Ungleichgewicht einher bringt, in einem Ja zum Verbot von Minaretten auszudrücken? Ich sehe keinen Grund, mich für das Urteil des Volkes schämen zu müssen, ich finde das völligen Verhältnisblödsinn. Es mag auf ethischer, menschlicher oder völkerrechtlicher Basis in diesem Fall ungerecht erscheinen, aber es ist erstens ein Entscheid der Mehrheit, zweitens in Anbetracht der sonstigen "Verhältnisse" unangebracht jetzt den Beleidigten zu spielen. Und drittens ist das Anstimmungsresultat Ausdruck von Ängsten, die es in ihren Grundzügen nicht zu kritisieren gilt, sondern durch tägliche Arbeit zu relativieren - bis die Volksmeinung sich allenfalls "korrigiert".

Im Falle der Anti-Minarett-Initiative setzt man bei den Verlierern offenbar nicht auf Aufklärung, sondern auf Diskriminierung der Gewinner. Wie die Morddrohungen gegen die Familie des Bärenopfers, sind Drohungen wie sie teilweise in der Facebook-Schämgruppe der Minarett-Befürworter zu lesen sind, der falsche Weg. Vielmehr sollte man sich schämen, wie man mit einer Niederlage umgeht.

Interessant zu lesen:
Min Arett und din Arett
Toleranz oder echte Akzeptanz?
Von Türmen und Brücken
Bildquelle: Hochparterre Schweiz

Donnerstag, 26. November 2009

Es ist Frühling!

Klimaerwärmung pur! Die Skipisten sind grün, die langen Unterhosen bleiben im Schrank. Und in unserer Küche blüht auch in diesem Jahr eine schöne Forsizie. Oder wie heisst das Ding nochmal? Forsitie? Phorsizie? Vorsizie?

Die richtige Schreibweise ist Forsythie, und die Blüten sind ein Bote des Frühlings, besser bekannt als Goldregen der blüht, sobald es tagsüber deutlich über Null Grad bleibt. Und zwar im März.

Die Mythik sagt aber, dass man zu Barbara (3.12.) so viele Äste wie man Familienmitglieder hat, abschneidet und sie in der warmen Stube im Wasser einstellt. Dann erblühen die Forsythien bis Weihnachten in ihrem prächtigen Gelb und bescheren der Familie Glück und Gesundheit. Bisher galt das Wissen, dass früher geschnittene Äste nicht blühen würden - doch das war vor der Klimaerwärmung, wie eine Probe auf's Exempel beweist. Der Ast auf dem Bild wurde am 19. November geschnitten und verbrachte sogar noch eine Frostnacht in der Grünabfuhr. Heute, sechs Tage später, blinzelt schon die erste Blüte durch die Küche und auch die anderen Triebe scheinen den Frühling bereits zu spüren.

Forsythien schneidet man übrigens nur zu diesem Zweck im Winter. Der Strauch wird erst im Frühling nach dem Abblühen zurückgeschnitten. Es empfiehlt sich nur die Äste mit mehr als einem Seitentrieb zu schneiden. Zu dichte Sträucher können auch bis 15 Zentimeter über dem Boden abgeholzt werden. In zwei Jahren blüht der Strauch dann in alter Frische, mit neuen, kräftigen Trieben.

Mittwoch, 25. November 2009

Bild des Tages: Finn, der Bär

In diesen Minuten dürfte der 3000. Fan von Bär "Finn" der entsprechenden Facebook-Gruppe beitreten. Auf der einen Seite finde ich diese Anteilnahme süss, auf der anderen Seite auch etwas makaber. Makaber gegenüber dem offenbar geistesabwesenden Mann, der seinem für ihn wichtigen Plastiksack nachgeeilt war und deshalb im wahrsten Sinne des Wortes in die Klauen des Gesetzes geraten ist. Im Bärengehege gelten eben andere Gesetze. Ich wünsche beiden beteiligten Protagonisten der kleinen Bärengraben-Oper gute Besserung, das Bild des Tages gehört aber Knut... pardon, Finn, der schon wieder die leckeren Seiten des Lebens zu entdecken scheint.

Was läuft?

Auch wenn die Aktivität im Goggiblog etwas reduziert erscheint, der Winterdienst läuft auf Hochtouren. Bereits 46 Teilnehmer haben sich für den grossen Goggiblog Wettbewerb angemeldet, bei dem es in Zusammenarbeit mit Wettbererb.ch 6 iPods zu gewinnen gibt. Dazu kommen 113 Goggiblog-Fans im Gesichtsbuch! Das bedeutet: Noch vier Teilnehmer und die Überraschungspakete werden unter den Weihnachtsbaum gestellt. Ausserdem habe ich die Meldung aus Zermatt bekommen, es habe dort geschneit.Auch der Täscher Skilift ist aufgestellt, sodass dem Schlitteln mit den Kids nichts mehr im Wege steht. In rund einem Monat findet dort unser traditionelles Schlittel-Nacht-Rennen und ebenfalls jener Tage findet die ungefähr dritte Bescherung statt. In der heutigen Zeit darf man das einfach nicht mehr zu genau nehmen mit den datumbezogenen Traditionen. Wer übrigens seinen Liebsten ein Fotogeschenk machen will, sollte das unbedingt mittels nachfolgendem Banner tun. Nur so bekommt man 20% Ermässigung auf das Bestellte und kommt erst noch in eine spezielle Verlosung von 3x 50 Franken. Wie das geht, steht hier beschrieben.



Mitmachen lohnt sich im Goggiblog also ganz besonders. Weiter stehen neue Projekte an, etwa das Weihnachtsbloggen bei monsieurfischer, oder endlich endlich gibt es auch mal wieder eine Blogparade bei der es sich mitzumachen lohnt - eine schöne Tradition, die viele Blogger "vergessen" haben. Übrigens, habe ich schon erwähnt, dass der Goggiblog in der Presse Erwähnung fand? Mit meinem Artikel über versteckte Preiserhöhungen wurde das Schweizer Fernsehen auf den Goggiblog aufmerksam und das zur Fernsehsendung gehörende Printmagazin K-Tip veröffentlichte immerhin ein Bild von mir :-) Für das neue Jahr habe ich schon ein paar Vorsätze gefasst: mindestens CNN soll es sein.

Montag, 23. November 2009

Neues Logo für Schweizer Frensehen

In einer Medienmitteilung hat das Schweizer Fernsehen bekannt gegeben, dass die verschiedenen Logo von SF1, SFzwei und SFinfo vereinheitlicht werden. Hier zum ersten Mal und exklusiv das neue Erscheinungsbild:


Zudem hat sich das Plattencover der Sendung geändert. Besitzer der bisherigen Scheibe dürfen diese wegwerfen und die neue Scheibe kaufen. Der Erlös kommt vollumfänglich Francone Jordi zu Gute, Hauptsponsorin von "Die grössten Schweizer Hits" - Sendung, für die jetzt ein Jahr lang keine Gebürengelder mehr verschwendet werden.

Sonntag, 22. November 2009

Komische Berner

Spielmanipulationen, Sexorgien, Wein, Weib, Gesang und eine wilde Schiesserei. Nein, wir sprechen hier nicht über die mafiösen Zustände in der italienischen Regierung sondern vom heimeligen Kanton Bern. Hier profiliert sich das Umfeld um einen international bekannten Fussballclub immer mehr zur Spassoase, derweil Berner Stadtpolizisten auf Unschuldige schiessen.

Bei den letzten in der Schweiz bekannt gewordenen Sex- und Wettskandalen taucht ein international bekannter Fussballclub immer wieder auf. Na gut, international bekannt ist massiv übertrieben. Vor gefühlten zwanzig Jahren steckte der FC Thun ein paar Niederlagen in der Champions League ein, das war's. auf der Homepage ist dazu zu lesen: "Noch in dreissig, vierzig Jahren wird man sich in Thun und im ganzen Berner Oberland erzählen, wie sich die städtischen Fussballer aus dem Nichts in die eruopäische Königsklasse gekickt haben".

Nun das stimmt nicht ganz. Man erinnert sich heute im Zusammenhang mit dem FC Thun an Sex un Korruption. 2007 wurden insgesammt 21 Personen aus dem Umfeld der Berner Oberländer wegen Sex mit jungen Mädchen befragt. Es kam zu Verurteilungen, Sperren und Rauswürfen. Nun nuss sich der Club, der nur ein Jahr nach der CL-Teilnahme abgestiegen ist, wieder um seine befleckte Weste kümmern. Passt irgendwie, dass ausgerechnet dieser Verein in den interationalen Wettskandal verwickelt sein soll. Natürlich beteuern alle nichts zu wissen und nichts bemerkt zu haben, was einmal mehr beweist, wie unachtsam man in Thun offenbar ist. Hier werden fast unbemerkt Minderjährige gebumst und Spiele manipuliert. Aber eben nur fast.

Wie auch immer. Als erste Massnahme werden die Spieler des FC Thun in den Bärengraben der Stadt Bern geworfen, wo sie den Stadtpolizisten als Zielscheibe dienen. Diese schiessen dort sonst nämlich immer auf die Bären, wenn Menschen in den Bärengraben klettern wo diese dann ganz überraschend zerfleischt werden. Komische Berner. Die Praxis soll sich übrigens ab sofort durchsetzen und wenn man zum Beispiel der Polizei telefoniert, man habe ein Einbrecher im Haus, werden im Kanton Bern künftig zuerst alle Bewohner der Liegenschaft erschossen, vielleicht sind sie ja in den Wettskandal verwickelt. Man weiss ja nie. Erst dann wird der Einbrecher verhaftet und gleich wieder frei gelassen, weil der Einbrecher ja nichts dafür kann, dass die Schüsse der Polizisten eine Lawine auf dem Jungfraujoch ausgelöst haben - aber das ist eine andere Geschichte, auch wenn die freigesprochenen Militär-Bergführer... genau - in Thun stationiert waren.

Samstag, 21. November 2009

5 Tage, 22 Teilnehmer, 92 Fans

Das ist doch schon mal ein schöner Anfang! Seit dem Start des grossen Wettbewerbs in Zusammenarbeit mit Wettbewerb.ch (nomen est omen) sind bereits 22 Blogs mit am Start! Sie haben einen Hinweis auf diesen Blogartikel und meinem Partner www.wettberweb.ch gesetzt und sichern sich die Chance einen von 3 iPods zu gewinnen. Weitere 2 iPods (nämlich einen iPod shuffle und einen iPod nano) werden verteilt, wenn die Teilnehmerzahl bis auf 50 Blogs erhöht. Aber auch dann ist noch nicht Schluss. Mein Partner hat mir eben bekannt gegeben, was in den Überraschungspaketen drin steckt, die es ab 50 Teilnehmer zusätzlich zu gewinnen gibt! Es geht beim ganzen Wettbewerb um

Preise im Wert von weit über
1000 Franken!

Also. 22 Teilnehmer sind ja schon mal nicht schlecht. Aber das können wir besser! Ob wir die 50er-Marke bald erreichen? Welche zusätzlichen Überraschungen warten wohl auf die Gewinner? Ich weiss es, aber für alle anderen Blogger gibt es nur eine Art es rauszufinden: Mitmachen und dafür sorgen, dass mindestens 50 Blogeinträge auf diese cooooole Weihnachtsaktion zeigen! Weitersagen lohnt sich also, alle Details zum Wettbewerb stehen in diesem Artikel, wo Ihr in den Kommentaren Eure Teilnahme bitte bestätigt.

Zusätzliche Gewinnchance

Und es gibt noch mehr! Damit ich unter all meinen bloglosen Leserinnen und Leser ein schickes iPod touch verschenken kann, habe ich eine Facebook-Gruppe gegründet, die auf den Namen "I love Goggiblog" hört. Einfach auf das Herz klicken und Mitglied werden. Bis heute sind schon 92 Fans beigetreten, was die Chancen auf den Gewinn nicht gerade wachsen lässt - aber immer noch besser als Lotto spielen. Und vielleicht gibts auch dort bald noch zusätzliche Überraschungen :-)

Donnerstag, 19. November 2009

Goggi kocht - Live

Sowas muss man schon mal auch bildlich festhalten. Heute gibts etwas mit Gemüse und wenig Fleisch. Live gebloggt, in Bildern:


Wirz, Peperoni, Zucchetti und grob geschnittene Zwiebeln geschnitten, kommen schon mal in die Pfanne, mit Wasser und Gemüse-Bouillon. Kein, oder nur ganz wenig Öl. Den grob geschnittenen Broccoli (und/oder Blumenkohl) und die Pilze gebe ich erst später bei, damit diese ein bisschen knackiger bleiben. Die Zwiebeln brauchen wir zur Hälfte noch für das Hackfleisch-Projekt.

Jetzt werden die übrig gebliebenen, fein gehackten Zwiebeln zusammen mit eben so feingehackten Peperonis angebraten. Dieses Gebrät mit Hackfleisch und Paniermehl zu einem Teig zermantschen und nach Belieben würzen.


Genau. Das gibt Fleischtötschli, die mein Schatz wohlgeformt auf dem Teller anrichtet. Bitte das Gemüse nicht vergessen und gelegentlich umrühren. Vorsicht, dass das später zugefügte Grünzeug nicht zermantscht wird. Das Endresultat präsentieren wir dann, wenn wir es aufgegessen haben, sonnst will noch jemand eine Einladung :-)
hmmmmmmmm....

Mittwoch, 18. November 2009

Thierry Henry Handball God

So schnell kann man sich Sympathien verspielen. Thierry Henry schubst den Ball mit der Hand zu seinem Mogel-Kollegen, der das 1:1 in der Verlängerung erzielt und den Franzosen die Qualifikation für die WM 2010 in Südfrankreich sichert.

Frankreich gehört meines Erachtens von der Fussball-Weltmeisterschaft ausgeschlossen, das Land wird aufgeteilt und an Libyen, Algerien, Tunesien und Canada verteilt. Thierry Henry dagegen schenken wir ein Ticket nach Irland. Ein Protest bei der FIFA würde übrigens nichts nützen, weil es sich in solchen Fällen um einen so genannten Tatsachenentscheid handelt... Tatsache ist, dass sich die Franzosen und allen voran Thierry Henry viele Sympathien verspielt haben :-(




Video via Worldcupbuzz

Fan-Talk mit Martin Andermatt

Am vergangenen Montag trafen sich 36 Fans mit dem aktuellen Trainer des FC Aarau, Martin Andermatt. Die Gesprächsrunde war sehr lebhaft, interessant und Herr Andermatt freundlich und aufmerksam. Eine Zusammenfassung nicht nur für mein Archiv.

In ein paar Sätzen das, was mir von Andermatts Aussagen geblieben ist: Martin Andermatt ist ein sehr positiv denkender Mensch. Er bedankte sich bei jeder Frage und lobte die Aufmerksamkeit, die zu dieser oder jener Frage geführt hatte. Tatsächlich fiel einer Zuhörerin auf, dass bei Eckbällen die Zuordnung geändert habe, was Andermatt bestätigte und fachkundig zu begründen wusste. Auch Anregungen nimmt Andermatt entgegen, so zum Beispiel die Anregung, die Mannschaft des FC Aarau solle sich vor dem Spiel doch auf der linken Spielfeldseite aufwärmen statt an der rechten, wo die gegnerischen Fans sind. Wenigstens im mentalen Bereich könnte das doch ein Vorteil sein. Immer wieder portierte der Trainer die positive Denkweise. Es bringe doch nichts - auch als Zuschauer - mit der Einstellung an ein Spiel zu kommen, man habe sowieso keine Chance. Folgt anschliessend eine Niederlage, werde man nur negativ bestätigt, man hätte es ja immer gewusst. ""Macht Euch eine negative Bestätigung glücklich?". Tatsächlich sei der Jubel nach dem 3:3 in Xamax riesengross gewesen, er aber sei über das Resultat enttäuscht gewesen. Andermatt bringt seinen Spielern Wintermentalität bei, was einiges an Arbeit und Zeit erfordere. Dieser Prozess sei aber notwendig und fruchte möglicherweise erst im Frühling, doch die Wirkung werde dann um so nachhaltiger sein.

In der Presse konnte man lesen, dass Andermatt eine Liste erstelle, welche Spieler Suppenleague-Tauglich seien und dass nichtgenügende Spieler gehen müssten. Lauscht man den Worten Andermatts erkennt man, dass in dieser (wie in fast jeder) Pressemeldung immer auch viel Interpretation des Journalisten steckt (oder Interessen des Verlags oder Weisungen der Redaktion). Tatsächlich hat Andermatt dem Vorstand einen Bericht vorgelegt. Dieser sei aber nur eine Momentaufnahme. Andermatt gebe jedem seiner Spieler eine Chance sich im Training und im Spiel zu steigern. Letztlich entscheide das Potential, also die Fähigkeit und der Wille sich zu entwickeln. Natürlich hat der Trainer keinen einzigen Namen genannt. Im Moment verfüge er über die besten Spieler die da sind, andere habe er nicht und mit diesen Leuten die da sind, will er das Beste erreichen, auch gegen Zürich und Luzern. In diesen Spielen müssen laut Zielsetzung vor ein paar Wochen eigentlich sechs Punkte her. Solche Zielsetzungen dienen aber nicht in erster Linie dazu, über Sein oder Nichtsein zu entscheiden, sondern geben den Weg vor, welche Massnahmen man treffen muss. Fehlen Punkte muss man genau so handeln, wie wenn man mehr Punkte als gefordert hat - nur an anderer Stelle. Zurück zum Personellen: Dass in der Winterpause sich das Gesicht der Mannschaft ändern könnte, liess Andermatt offen und Namen wurde wie erwähnt kein einziger genannt. Der Aufwand den Andermatt für dieses Amt auf sich nimmt (den Lauftrainer Hans Tanner hat er z.B. aus dem eigenen Sack bezahlt) lässt aber darauf schliessen - soviel zu meiner bescheidenen Einschätzung - dass Andermatts Einfluss auf personelle Veränderungen weit grösser ist als man allgemein annimmt. Aber auch Andermatt ist sich natürlich ob der finanziellen Lage im Klaren.

Jemand fragte, warum Loris nach dem tollen Debüt in Xamax gegen St.Gallen nicht wieder eingesetzt wurde. Zum einen war der Ersteinsatz bewusst in einem Auswärtsspiel geplant, damit der junge Mann mit dem Druck besser zurecht kommt. Das schliesst mit ein, dass Loris nach dem gestiegenen Interesse der Öffentlichkeit einschliesslich überbordenden Erwartungen und einigen Presseterminen usw. nicht schon im zweiten Spiel am Druck zerbricht. Eine grosse Qualität Andermatts ist es als ehemaliger Lehrer, sich mit den Besonderheiten bei der Arbeit mit jungen Spielern auszukennen. Bei YB sei darüber hinaus jeder im Trainerstab Götti einer Juniorenmannschaft gewesen und sei einmal in der Woche beim Juniorentraining dabei gewesen. Das verbinde, man lernt die jungen Spieler kennen und schaffe eine vertraute und positive Atmosphäre. In den anstehenden Testspielen werden einige Junge zum Einsatz kommen - auch dass keine Massnahme um die Mannschaft im nächsten Spiel umzustellen, sondern um jungen hungrigen Spielern zu zeigen, welches das Ziel sein könnte.

Ob so viele Arbeiten, Familie mit drei Kindern überhaupt unter einen Hut zu bringen seien, wollte jemand wissen. Er sei 24 Stunden Trainer, sagt Andermatt und einige Nächte habe er sehr wenig geschlafen. Selbst ohne Anstellung bei einem Verein sei er täglich daran, sich weiter zu entwickeln und sich über jede Regung im Fussball zu informieren. Das sei für seine Arbeit wichtig und seine Familie ist dank Offenheit und Ehrlichkeit eine starke Einheit geworden. An dieser Stelle offenbart sich der kluge und aufmerksame Andermatt: Der sher gute und besonnene Moderator packte in seine Frage sieben Unterfragen, an die sich der Befragte allesamt erinnerte und diese beantwortete. Man wünschte sich öfter ähnlich interessierte Menschen.

Bei all seinen Ausführungen hört man heraus, dass Andermatt kein Feuerwehrmann ist. Seine Projekte sind langfristig ausgerichtet, sind bis ins kleinste Detail geplant, haben Hand und Fuss - und brauchen Zeit, bis sie greifen. Immer wieder appelliert er an eine positive Denkweise. In einem einfachen Beispiel zusammengefasst: Es soll nicht heissen: "wir waren schlecht", sondern: "das machen wir besser" - es seien kleine Schritte und jedem sei viel mehr gedient, wenn er an seine positiven Qualitäten erinnert werde und nicht an alle Fehler die er begangen hat. Das ist im beruflichen Leben jedes Zuhörers im Raum nicht anders, fügt er an. Was vorbei ist, liegt nämlich weit zurück und kann nicht mehr verändert werden, das was vor uns liegt schon. Auf die Frage aus dem Publikum, warum er in einem Spiel vor drei Wochen Stojkov nicht habe spielen lassen, antwortete Andermatt: "Genau. Dieses Spiel liegt drei Wochen zurück." nach einer kleinen Pause: "Das ist meine Antwort. Das Spiel liegt drei Wochen zurück."

So, das war im Wesentlichen, was hängen geblieben ist. Bei wirklichem Interesse kann man sich an den U18-Trainer wenden, der hat alles aufgeschrieben.