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Freitag, 10. Oktober 2008

Burma - ein Jahr danach

Noch etwas Ferienlektüre gefällig? Vor genau einem Jahr erschien im Goggiblog unten stehender Artikel. Meine Befürchtung war schon damals, dass in einem Jahr niemend mehr über Burma schreiben wird, geschweige denn, sich über die heute noch andauernden Missstände öffentlich aufregt. Das Schlimmste aber ist, dass ich in einem Punkt nach wie vor recht habe, wofür ich vielerorts als Verräter einer guten Sache galt: Burma war ein Hype und musste für die Umsatzsteigerung hisiger Medien herhalten.

Artikel vom 11. Oktober 2007:

Wenn man nichts hört, ist alles in Ordnung. Nach diesem Grundsatz richtet sich nicht nur die Kommunikation im erweiterten Verwandtschaftskreis, dieses Motto gilt für alles in der Welt. Zum Beispiel Burma. Und wenn mal einer sagt, man dürfe nicht vergessen, so dient das vor allem der eigenen Gewissensberuhigung, aber bestimmt nicht dem Weltfrieden.

Ich habe die "free-burma"-Aktion in den Blogs dieser Welt als Hype bezeichnet. Und behauptete, nur zwei Tage nach der Aktion würde kaum noch einer, weder über die Aktion, noch über Burma berichten. Ich musste mir Schelte anhören und in Steini's Garten werde ich immer noch zu Unrecht als "Schulterklopfer" eines Rechtsradikalen bezeichnet.

Das düstere Fazit: Leider hatte ich recht.

Gestern Mittwoch schaffte es gerade noch ein einziger Bericht in die Schweizer Blogs. Darin ging eine junge Dame der Frage nach, warum Burma nicht Myanmar genannt werde. In den letzten vier Tagen erschienen darüber hinaus zwei Lobeshymnen auf die gelungene Aktion und zwei Hinweise, dass fast alle Reiseveranstalter nicht mehr davon abraten nach Burma zu reisen. Rambo 4 war auch noch ein Thema: Der neuste Streifen mit Sylvester Stallone handelt doch tatsächlich in Burma. Einzig bei Beat's Blogbox, Blogging Tom, Kreidebleich, Lupe, monsieur fischer und im müllerzimmermann blog erschienen Updates über die Geschehnisse in Burma und liessen in den Zusammenfassungen auch Kritik zu. Vielen Dank an dieser Stelle auch an jene, die sich an der Diskussion in diesem Blog beteiligt haben.

Auch die Tagespresse ignoriert den Fall Burma so gut es geht. Zum einen lassen sich Informationen über die Krise viel schlechter besorgen (und verkaufen), als etwa Rufschädigende Geheimnisse über alle möglichen Nationalratskandidaten. Zum anderen interessiert es die Öffentlichkeit schlicht nicht mehr. Man reagiert zwar betroffen wenn jemand danach fragt, aber man hat hier so seine eigene Probleme und Burma ist 2 Millionen Lichtjahre weit weg. Das grössere Problem scheint zu sein, dass ja keine Reisen nach Myanmar anulliert werden. Der Reiseveranstalter Tourasia hat sogar erklärt, dass das Bereisen des Landes uneingeschränkt möglich sei - Eine Meldung die inzwischen wieder entfernt wurde.

Da nützte auch die aufgeregte Erzählung von Christine Zapka im ZDF nichts ("heute nacht", DO 00:10 Uhr). Zapka berichtete von den nach wie vor sehr schlimmen Zuständen; der Manipulation der Presse durch das Regime; und dass Bürger, die nicht an einer Pro-Militärischen Demo teilnehmen würden, eine Busse von umgerechnet 7 Euro bezahlen müssen - in Burma ein Vermögen.

Es gibt noch ein zweites Fazit: Wir können absolut nichts tun. - Ja natürlich: auf die Zustände aufmerksam machen. Glaubt mir, davon wissen nun wirklich alle. Aber die Olympischen Spiele in China werden trotzdem stattfinden. Und Rubine aus Burma legen an Wert eher noch zu.

Das mulmige Gefühl, die Blog-Aktion diente also nur dem eigenen Promoting, bleibt. Wobei keiner ein schlechtes Gewissen haben muss, soviel habe ich dazu gelernt. Spätestens nicht bei der nächsten Meldung über Rekordgewinne bei Migros oder Coop. Dann denken wir einfach daran, wo die Spielsachen produziert werden, wie viel ein Südamerikanischer Kaffeebohnenpflücker verdient und ob das gebratene Tier auf dem Weihnachtstisch wohl tiergerecht gehalten wurde.

Der Profit der einen, ist immer der mehrfache Verlust für andere. Nach diesem Gesetz funktioniert die Wirtschaft schon seit der Steinzeit. Leider.

Bildlegende: 1 Hungersnot in Nordkorea (amnesty international) - 2 Vergewaltigungen in Sudan ( amnesty sudan) - 3 Behausung für zehn Menschen im Sudan ( - 4 Krieg in Afghanistan (

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Burma: 4'000 Verhaftungen

Mal ein kleines Update gefällig, was in Burma so abgeht? Trotz Beteuerungen der Reisebranche, die Lage sei ruhig - und trotz so gut wie Null Berichterstattung weder in Medien, noch in einst so solidarischen Blogs: Es brodelt weiterhin.
Für die nächsten Tage sind neue Demonstrationen angekündigt, während Zeugen berichten, dass seit den "Unruhen" gegen 4'000 Demonstranten verhaftet wurden und in Schulzimmer gepfercht waren. Derzeit sind immernoch 500 Menschen in Haft. Als Toilette diente ein Nebenraum, der nach zwei bis drei Tagen in einem fürchterlichen Zustand war...
”Total arrested people during these days reached up to four thousand according news sources. The people arrested right from demonstrations and through the siege to the monasteries were kept at a technical school at Innsein, Yangon these days. They put about 150 people per classroom and there was no proper toilet there. The people who were released later said they had to go at the room beside and that room was in terrible condition in 2-3 days. And there was no bathroom too." - hier weiter lesen.
Es brodelt weiterhin und es wird immer schlimmer. Aber Hauptsache, die Blog-Aktion war ein Erfolg und das Gewissen seit dem 4. Oktober ist beruhigt...

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Burma: Wenn man nichts mehr hört, ist wohl alles in Ordnung

Wenn man nichts hört, ist alles in Ordnung. Nach diesem Grundsatz richtet sich nicht nur die Kommunikation im erweiterten Verwandtschaftskreis, dieses Motto gilt für alles in der Welt. Zum Beispiel Burma. Und wenn mal einer sagt, man dürfe nicht vergessen, so dient das vor allem der eigenen Gewissensberuhigung, aber bestimmt nicht dem Weltfrieden.

Ich habe die "free-burma"-Aktion in den Blogs dieser Welt als Hype bezeichnet. Und behauptete, nur zwei Tage nach der Aktion würde kaum noch einer, weder über die Aktion, noch über Burma berichten. Ich musste mir Schelte anhören und in Steini's Garten werde ich immer noch zu Unrecht als "Schulterklopfer" eines Rechtsradikalen bezeichnet.

Das düstere Fazit: Leider hatte ich recht.

Gestern Mittwoch schaffte es gerade noch ein einziger Bericht in die Schweizer Blogs. Darin ging eine junge Dame der Frage nach, warum Burma nicht Myanmar genannt werde. In den letzten vier Tagen erschienen darüber hinaus zwei Lobeshymnen auf die gelungene Aktion und zwei Hinweise, dass fast alle Reiseveranstalter nicht mehr davon abraten nach Burma zu reisen. Rambo 4 war auch noch ein Thema: Der neuste Streifen mit Sylvester Stallone handelt doch tatsächlich in Burma. Einzig bei Beat's Blogbox, Blogging Tom, Kreidebleich, Lupe, monsieur fischer und im müllerzimmermann blog erschienen Updates über die Geschehnisse in Burma und liessen in den Zusammenfassungen auch Kritik zu. Vielen Dank an dieser Stelle auch an jene, die sich an der Diskussion in diesem Blog beteiligt haben.

Auch die Tagespresse ignoriert den Fall Burma so gut es geht. Zum einen lassen sich Informationen über die Krise viel schlechter besorgen (und verkaufen), als etwa Rufschädigende Geheimnisse über alle möglichen Nationalratskandidaten. Zum anderen interessiert es die Öffentlichkeit schlicht nicht mehr. Man reagiert zwar betroffen wenn jemand danach fragt, aber man hat hier so seine eigene Probleme und Burma ist 2 Millionen Lichtjahre weit weg. Das grössere Problem scheint zu sein, dass ja keine Reisen nach Myanmar anulliert werden. Der Reiseveranstalter Tourasia hat sogar erklärt, dass das Bereisen des Landes uneingeschränkt möglich sei - Eine Meldung die inzwischen wieder entfernt wurde.

Da nützte auch die aufgeregte Erzählung von Christine Zapka im ZDF nichts ("heute nacht", DO 00:10 Uhr). Zapka berichtete von den nach wie vor sehr schlimmen Zuständen; der Manipulation der Presse durch das Regime; und dass Bürger, die nicht an einer Pro-Militärischen Demo teilnehmen würden, eine Busse von umgerechnet 7 Euro bezahlen müssen - in Burma ein Vermögen.

Es gibt noch ein zweites Fazit: Wir können absolut nichts tun. - Ja natürlich: auf die Zustände aufmerksam machen. Glaubt mir, davon wissen nun wirklich alle. Aber die Olympischen Spiele in China werden trotzdem stattfinden. Und Rubine aus Burma legen an Wert eher noch zu.

Das mulmige Gefühl, die Blog-Aktion diente also nur dem eigenen Promoting, bleibt. Wobei keiner ein schlechtes Gewissen haben muss, soviel habe ich dazu gelernt. Spätestens nicht bei der nächsten Meldung über Rekordgewinne bei Migros oder Coop. Dann denken wir einfach daran, wo die Spielsachen produziert werden, wie viel ein Südamerikanischer Kaffeebohnenpflücker verdient und ob das gebratene Tier auf dem Weihnachtstisch wohl tiergerecht gehalten wurde.

Der Profit der einen, ist immer der mehrfache Verlust für andere. Nach diesem Gesetz funktioniert die Wirtschaft schon seit der Steinzeit. Leider.

Bildlegende: 1 Hungersnot in Nordkorea (amnesty international) - 2 Vergewaltigungen in Sudan ( amnesty sudan) - 3 Behausung für zehn Menschen im Sudan ( - 4 Krieg in Afghanistan (

Samstag, 6. Oktober 2007

Burma-Aktion: Kritik ist nicht erlaubt

Über Blogger-Aktionen lässt sich streiten. Nach der europäischen Initiative folgt heute die amerikanische. Doch darf eine gut gemeinte Solidaritätsaktion nicht auch kritisch hinterfragt werden? Anscheinend nicht, wie der Autor dieses Blogs erfahren musste. Dabei ist doch geade das blinde Folgen eines Anführers verantwortlich für Zustände wie in Burma.

Ich habe mal aus Gwunder an einer Du-verlinkst-mich-und-ich-verlink-dich Aktion mitgemacht und habe mir dann vereinzelt anhören müssen, das sei Beschiss. Genau so verhält es sich grundsätzlich auch bei einer Blogparade, in der Leser aufgefordert werden zu einem bestimmten Thema einen Bericht zu schreiben. Das offizielle Ziel ist es einander zu verlinken, be- und anerkannt zu werden, Leser zu gewinnen. Inoffiziell gewinnt man Rankingpunkte da, wo es manchen wichtig erscheint - ich gebe zu, auch mir gefallen die Punkte.

Dass dieses inoffizielle Ziel bei den Machern der Blog-Aktion "free Burma" im Vordergrund gestanden haben könnte, war Gegenstand meiner Behauptungen in diesem Beitrag. Die Reaktionen in gewissen Blogs, in denen ich diese Frage aufgeworfen habe, bestätigten mich in dieser Annahme eher noch. Einige reagieren sogar militant denen gegenüber, welche die Aktion kritisieren - aber dazu weiter unten mehr.

Im Zusammenhang mit der Aktion "free Burma"möchte ich ein paar nackte Zahlen stehen lassen, die interessant sein könnten: Am 4. Oktober wurden bei Slug 651 Beiträge in den Schweizer Blogs gezählt. In 70 Blogs (11%) erschien der simple Banner, mit dem gegen die Missstände in Burma protestiert werden sollte. Nur knapp die Hälfte der 70 Autoren hielt sich auch an die weitere Bedingung, ausser dem Bild nichts anderes zu bloggen. An den beiden Tagen vor und nach der Aktion wurde aber sogar deutlich weniger geblogt: 577 Artikel am Mittwoch, 517 Artikel am Freitag.

Thema erledigt, jetzt wird geschossen

Das Thema hat sich inzwischen Blogmässig schon wieder erledigt. Am Freitag brachte die Slug-Suche nach "Burma" gerade noch 18 Treffer, davon haben zwei den Banner einfach zu spät platziert und einer hat sich über Reaktionen bei Technorati gäussert. Mehr Bauchschmerzen bereitet mir der Blogger, der mich als Schulterklopfer von Rechtsextremen und als Ungönner und Spamer betitelt, weil ich mir erlaubt habe, die Aktion aus einem kritischen Blickwinkel zu betrachten. Ich habe dem betreffenden Blogger persönlich geschrieben und ich bin sicher, dass er diese falschen Behauptungen, einschliesslich dem Link auf meine persönliche Seite, bis Sonntagabend zurück ziehen wird. Es wäre ja ein Witz, wenn jemand an einer Aktion gegen Repression teilnimmt und gleichzeitig einen anderen wegen seiner Meinungsäusserung diffamiert.

Wie weiter?

Die Aktion ist durch. Den Mönchen gehts noch nicht wirklich besser. Den weltweit 35 Millionen Flüchtlingen anderer Kriege ebenfalls nicht. Ich habe genau so wenig die obige Rufschädigung verlinkt, wie ich mir auch kein abschliessendes Urteil über den Erfolg der Aktion "free Burma" erlauben will. Soll jeder seine Meinung dazu haben dürfen. Für mich gilt: Sollte ein einziges Menschenleben durch diese Aktion gerettet worden sein, wars ne super Sache. Sollte sich das Militär-Regime aber durch die Aktion in die Enge getrieben fühlen und deswegen noch mehr töten, weiss ich nicht ob das kürzlich gelesene Argument noch trösten kann: "Ach was, so viel Einfluss haben Blogger nicht" - Da frage ich mich: Warum dann eine Blog-Aktion?

Aber auch Goggi lernt dazu: Obwohl ich ihn zuerst kritisiert habe: Robert Basic (der Initiator in Deutschland) befasst sich intensiv mit dem Thema Burma. Genau so wie Lupe oder monsieur fischer. Bei Marc's Webvox findet man heute auch Ansichten von anderer Seite und Links zu vergessenen Konflikten. Kritik zum Nachlesen gibts dagegen bei Phlow, trice, Winkelried oder taxipluto. Besonders lesenswert finde ich die Sicht von Upload.

In diesem Sinne: free Burma, free Ruanda, free Tschad, free Afghanistan, free Somalia... usw.

Freitag, 28. September 2007

In support of our incredibly brave friends in Burma: May all people around the world wear a red shirt on Friday, September 28

Unterstützt unsere unglaublich tapferen Freunde in Burma. Mögen sich alle Menschen in Rot kleiden, am Freitag, 28. September 2008

Venerdì 28 Settembre, indossa una maglietta rossa. Iniziativa simbolica a favore dei monaci buddisti birmani




Bloggen für Burma

Es gibt viele Ungerechtigkeiten auf diser Welt. Gegen die meisten können wir leider nichts machen. Selbst wenn wir Geld spenden, besänftigt das oft nur das Gewissen, aber nur selten das Leid. Was aber, wenn sich viele Leute - in diesem Fall Blogger - solidarisieren und mit ihren Beiträgen der Welt eine Botschaft schicken? Es kostet nichts, an dieser Aktion mitzumachen, aber wir können mit der Vielzahl an Stimmen ein Zeichen setzen, für ein bisschen mehr Frieden und Gerechtigkeit.

Was derzeit in Burma abgeht, versteht kein normal denkender Mensch. Friedliche Mönche demonstrieren dort seit Wochen in Märschen und Gebeten, gegen die Unterdrückung durch die Diktatur. Doch jetzt schlägt das Imperium zurück. Mit masiver Militärgewalt wurden die Mönche an den Märschen gehindert. Das Volk solidarisiert sich und strömt zu zig Tausenden auf die Strassen. Den Medien wurde verboten von den inzwischen massiven Ausschreitungen zu berichten, die Militärs erschiessen nicht nur Demonstranten, bereits wurde auch ein japanischer Bild-Journalist getötet.

Und hier kommen die Blogger auf den Plan. Die einzigen, die noch aus dem Kriesengebiet berichten können, sind mutige einheimische Blogger, die mit Handy-Kameras, Digitalfotoapparaten und gespitzem Bleistift über die Geschehnisse in ihrem Land berichten. Unten habe ich ein paar eindrückliche Bilder angehängt, die ich verdankenswerterweise bei Lupe und monsieur fischer ausgeliehen habe. In beiden Blogs sind noch mehr Berichte und Bilder zum Thema zu finden und täglich kommen mehr Artikel dazu.

An dieser Aktion beteiligen sich Blogger aus der ganzen Welt. Im deutschsprachigen Raum sind in diesen Blogs bereits Artikel erschienen: Bitte besucht die Seiten, schreibt selber einen Artikel, oder kleidet Euch am Freitag, 28. September 2007 in Rot, als Zeichen am weltweiten Tag Solidarität zu den Mönchen! (siehe hier).

Lupe: Blogger für Burma
Sumpfnoodle: Ehren wir diese Mönche!
Larissa Gruner: Burma erhebt sich
Journalist und Optimist: Good morning Burma
Die folgenden, teils englischsprachigen, Blogs aus Burma berichten so gut wie möglich vom Geschehen: besucht sie, verlinkt sie, kommentiert sie. (Dank an monsieur fischer)

http://www.mizzima.com/
http://www.irrawaddy.org/protests/BurmaProtests.php#25-13
http://dathana.blogspot.com/
http://www.ko-htike.blogspot.com/
http://seinkhalote.blogspot.com/
http://www.burmagateway.org/