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Freitag, 12. Dezember 2008

Der Tag, an dem die Leinwand stillstand

Als "einer der schlechtesten Alien-Filme, die es je gab" bezeichnet Focus die Neuauflage des 50er-Jahre Klassikers "Der Tag an dem die Erde stillstand". Und tatsächlich: Mit Keanu Reeves und Kathie Bates fällt der Streifen vorallem durch komplette Fehlbesetzungen auf. Nicht einmal der von mir geschätzte John Cleese, in der Rolle des Professors Barnhardt schafft es, ein bisschen stimmung aufkommen zu lassen. Wehmütig erinnere ich mich an das Original, von dem ich eine Videokassette (die Dinger mit mit dem Magnetband drin) besitze. Der mysteriöse Klaatu, der alles zu wissen schien und doch nichts sagte, 1951 gespielt von Michael Rennie, bleibt von Blassgesicht Keanu Reeves jedenfalls unerreicht. Wer die aufwendigen Special Effects in der Werbung zum Kinofilm gesehen hat, hat schon so ziemlich alles Aufregende erlebt. Ein paar Verfolgungsjagden und hole Dialoge später und die Welt geht dann doch nicht unter.

Vielleicht liegt meine Abneigung auch in der Tatsache begründet, dass ich das Original schon vor 30 Jahren gesehen habe und ich mich als junger Bursche davon fesseln liess. Hier ein Abklatsch dessen zu präsentieren, was damals einen nachdenklichen Hintergrund hatte, ist schon fast eine Frechheit von Hollywood und manch einer wünscht sich, die Belegschaft tretedort endlich wieder in den Streik.

Für alle Nostalgiker unter uns: Die Bilder vom Original.

Von oben nach unten: Gort checkt die Lage, Klaatu spricht zu den Menschen, Die Tafel, an der Klaatu die Relaitvitätstheorie korrigierte. Oder den Klimawandel. Oder beides.

Samstag, 6. Oktober 2007

Burma-Aktion: Kritik ist nicht erlaubt

Über Blogger-Aktionen lässt sich streiten. Nach der europäischen Initiative folgt heute die amerikanische. Doch darf eine gut gemeinte Solidaritätsaktion nicht auch kritisch hinterfragt werden? Anscheinend nicht, wie der Autor dieses Blogs erfahren musste. Dabei ist doch geade das blinde Folgen eines Anführers verantwortlich für Zustände wie in Burma.

Ich habe mal aus Gwunder an einer Du-verlinkst-mich-und-ich-verlink-dich Aktion mitgemacht und habe mir dann vereinzelt anhören müssen, das sei Beschiss. Genau so verhält es sich grundsätzlich auch bei einer Blogparade, in der Leser aufgefordert werden zu einem bestimmten Thema einen Bericht zu schreiben. Das offizielle Ziel ist es einander zu verlinken, be- und anerkannt zu werden, Leser zu gewinnen. Inoffiziell gewinnt man Rankingpunkte da, wo es manchen wichtig erscheint - ich gebe zu, auch mir gefallen die Punkte.

Dass dieses inoffizielle Ziel bei den Machern der Blog-Aktion "free Burma" im Vordergrund gestanden haben könnte, war Gegenstand meiner Behauptungen in diesem Beitrag. Die Reaktionen in gewissen Blogs, in denen ich diese Frage aufgeworfen habe, bestätigten mich in dieser Annahme eher noch. Einige reagieren sogar militant denen gegenüber, welche die Aktion kritisieren - aber dazu weiter unten mehr.

Im Zusammenhang mit der Aktion "free Burma"möchte ich ein paar nackte Zahlen stehen lassen, die interessant sein könnten: Am 4. Oktober wurden bei Slug 651 Beiträge in den Schweizer Blogs gezählt. In 70 Blogs (11%) erschien der simple Banner, mit dem gegen die Missstände in Burma protestiert werden sollte. Nur knapp die Hälfte der 70 Autoren hielt sich auch an die weitere Bedingung, ausser dem Bild nichts anderes zu bloggen. An den beiden Tagen vor und nach der Aktion wurde aber sogar deutlich weniger geblogt: 577 Artikel am Mittwoch, 517 Artikel am Freitag.

Thema erledigt, jetzt wird geschossen

Das Thema hat sich inzwischen Blogmässig schon wieder erledigt. Am Freitag brachte die Slug-Suche nach "Burma" gerade noch 18 Treffer, davon haben zwei den Banner einfach zu spät platziert und einer hat sich über Reaktionen bei Technorati gäussert. Mehr Bauchschmerzen bereitet mir der Blogger, der mich als Schulterklopfer von Rechtsextremen und als Ungönner und Spamer betitelt, weil ich mir erlaubt habe, die Aktion aus einem kritischen Blickwinkel zu betrachten. Ich habe dem betreffenden Blogger persönlich geschrieben und ich bin sicher, dass er diese falschen Behauptungen, einschliesslich dem Link auf meine persönliche Seite, bis Sonntagabend zurück ziehen wird. Es wäre ja ein Witz, wenn jemand an einer Aktion gegen Repression teilnimmt und gleichzeitig einen anderen wegen seiner Meinungsäusserung diffamiert.

Wie weiter?

Die Aktion ist durch. Den Mönchen gehts noch nicht wirklich besser. Den weltweit 35 Millionen Flüchtlingen anderer Kriege ebenfalls nicht. Ich habe genau so wenig die obige Rufschädigung verlinkt, wie ich mir auch kein abschliessendes Urteil über den Erfolg der Aktion "free Burma" erlauben will. Soll jeder seine Meinung dazu haben dürfen. Für mich gilt: Sollte ein einziges Menschenleben durch diese Aktion gerettet worden sein, wars ne super Sache. Sollte sich das Militär-Regime aber durch die Aktion in die Enge getrieben fühlen und deswegen noch mehr töten, weiss ich nicht ob das kürzlich gelesene Argument noch trösten kann: "Ach was, so viel Einfluss haben Blogger nicht" - Da frage ich mich: Warum dann eine Blog-Aktion?

Aber auch Goggi lernt dazu: Obwohl ich ihn zuerst kritisiert habe: Robert Basic (der Initiator in Deutschland) befasst sich intensiv mit dem Thema Burma. Genau so wie Lupe oder monsieur fischer. Bei Marc's Webvox findet man heute auch Ansichten von anderer Seite und Links zu vergessenen Konflikten. Kritik zum Nachlesen gibts dagegen bei Phlow, trice, Winkelried oder taxipluto. Besonders lesenswert finde ich die Sicht von Upload.

In diesem Sinne: free Burma, free Ruanda, free Tschad, free Afghanistan, free Somalia... usw.

Freitag, 3. August 2007

Evas Passion

"Aus anderer Sicht" (Donnerstag, 2. August, 3sat)

An Multiple Sklerose leiden weltweit 1 Million Menschen. In der Schweiz sind es etwa 10'000 Betroffene, die an der degenerativen Erkrankung des zentralen Nervensystems leiden. Wie alle anderen Krankheiten dieser Welt, hat auch MS seine ganz hässlichen Seiten. Jeder der selber eine vergleichbare Krankheit erlebt (hat), weiss denn auch um deren Begleiterscheinungen: Ausgestossenheit, Vereisamung, das Äussere wirkt abstossend. Man fühlt sich nicht nur Krank, man sieht auch ao aus.
Nicht so bei 3sat. In der Doku "Aus anderer Sicht" wird uns Eva vorgestellt. In jungen Jahren schon hörbehindert, setzte sie sich mit starkem Willen im Leben durch und lehrt an einem Gymnasium Religion und Deutsch. Vor wenigen Jahren erkrankte sie zudem am Multiple Sklerose. Der Film zeigt uns Evas Leben und wie sie trotz allen Beschwerden den Alltag meistert.

Als differenzierter Betrachter von Schicksals-Sendungen, komme ich aber immer mehr ins Grübeln. Nicht wegen Eva. Ihr Wille ist trotz leidvollen Krankheitsschüben bemerkenswert und die junge Frau ist zu bewundern, wie aufrecht sie ihren Weg geht.
Es geht um den Autor der Sendung. Er zeigt uns eine junge attraktive Dame, sie hat eine Freundin und eine grosse Passion, das Geige-Spielen. Ihre Tage sind ausgefüllt, sie ist integriert, wird betreut und ist - wäre da nicht ihre Krankheit - man würde sagen: ein zufriedener Mensch. Dies jedenfalls hat mir der Film von Peter Pauli vermittelt. Ich hatte zuletzt den Eindruck, eine solche Krankheit zu haben, sei fast wünschenswert. Es sei immernoch möglich, jetzt erst recht, ein erfülltes Leben zu haben. Die Dame ist hübsch, hat äusserlich kaum Auffälligkeiten, ist talentiert und sprachgewandt. Als betroffener Zuschauer könnte man sich fast so vorkommen, als wäre man minderwertig, also noch kranker als die junge Frau, wenn man nicht mindestens eben so viel Energie an den Tag legte, um dem Schicksal zu entrinnen.

Krankheit als Schönheitsideal? Pauli wollte dem Zuschauer natürlich zeigen, dass man auch in ausweglosen Situationen Hoffnung schöpfen kann. Er zeichnete ein warmes Bild, voller Geborgenheit und Zuversicht.

Die Wahrheit sieht aber wie immer anders aus. Vielen kranken Menschen reicht die Kraft nicht aus, sich zu stemmen. Besonders ältere Menschen haben eher selten einen engen Verbündeten, der sich um sie kümmert. Patienten mit einer Krankheit, die ihr Leben auf den Kopf gestellt hat, sehen nicht selten verwahrlost aus. Sie verlieren viel Gewicht, wirken ungepflegt, es ist ihnen auch ziemlich egal, was andere von ihnen denken. Sie verlieren ihren Job, ihre Freunde, die Begeisterung für ihr Hobby. Sie werden alleingelassen, unverstanden, ungesehen. In der Realität sind kranke Menschen einsam. Sie tragen ihre schwere Last alleine und wünschen sich, wenigstens einen Gips um den Arm tragen zu können. Wer nimmt einem eine psychische Erkrankung schon ab? Man sieht ja nichts.

MS ist eine schlimme Krankheit. Genau so wie Diabetes, Burn-Out, Asthma, Bluthochdruck, Krebs, AIDS, Depressionen, Rheuma oder Parkinson. Natürlich trägt die schöne Eva die Botschaft aus, kämpfen würde sich lohnen. Aber vergesst bitte nicht die Alten, Hässlichen, Kleinen, Armen, Scheuen und die Kraftlosen. Auch sie haben Aufmerksamkeit verdient, die wir einer schönen Eva gewiss viel lieber zu Teil kommen liessen.