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Freitag, 13. März 2009

Things to do

Aus der Rubrik: Dinge die man vor 30 Jahren gar nicht machen konnte, weil das Internet in diesem Jahr erst 20 wird.

Wer kennt das nicht: Man hat immer irgend eine Pendenz die noch zu erledigen wäre. Nein, nicht die Steuererklärung. Schöne Dinge meine ich. So eine Art Zeugs-to-do-before-I-die Liste. Wünsche und Träume die das Herz erwärmen und die man immer vor sich herschiebt. Nicht einmal weil man es nicht gerne machen würde, sondern weil einfach die Zeit fehlt. Oder auch, weil wenn man es noch nicht macht, dann noch so eine Art Ziel bleibt, für das es sich lohnt die Steuererklärung doch auch auszufüllen. Zu meiner persönlichen Hitliste gehört zum Beispiel die Wanderung zum Lai da Rims, ausgehend von Tschierv oder Fuldera. Letztmals war ich da vor ungefähr 250 Jahren, während eines Schullagers in der 7. Klasse. Und wenn wir schon beim Reisen sind: Mit meinem Sohnemann werde ich über die Golden Gate Bridge in San Francisco gehen. Irgendwann einmal.

Um so schöner ist es auch mal eines dieser Ziele zu erreichen, die nicht direkt mit der Erfüllung des Lebens zu tun haben. Nein, nicht Heiraten, Hauskaufen, Karriere und all der Mist. Hatte ich alles - bringt nichts. Nein, es ist ein Vorhaben, das ich seit 30 Jahren herumtrage: Ich wollte im Besitze aller Star Blazers Episoden sein. 3 Staffeln, insgesamt 78 Episoden zu jeweils 20 Minuten (in der ungeschnittenen Version) und das bitte hochaufgelöst und in italienischer Sprache.

Wow. Nicht war? Über Star Blazers habe ich hier hinten schon mal berichtet. Es handelt sich um eine Anime Serie aus den Siebzigerjahren, die 1980 auch in der Schweiz, genauer auf der Senderkette des Tessiner Fernsehens lief. Auf einem von nur vier Sendern notabene, die wir damals zu Empfangen in der Lage waren. Wobei ich bei genauerer Betrachtung zum Schluss komme, dass das gar kein so grosser Nachteil war. Egal. Weil dieser technische Fortschritt auch keine visuellen Aufnahmegeräte bereit hielt die wir uns leisten konnten, blieb nur der Griff zum Kassettenrekorder. Diesen hielt ich neben den Lautsprecher des Fernsehers um so wenigstens eine Art Hörspiel für die Nachwelt zu retten. Daraufhin lauschte der 10jährige Bub die Aufnahmen rauf und runter, was zu einem enormen Kassettenverschleiss führte. Dabei waren die Magnetbänder einigen Verwicklungen im Innern des Rekorders ausgeliefert, mitsamt anschliessender Reparatur mit Klebeband.

Nachdem ich vor ein paar Jahren schon die Filmmusik aus Japan importieren liess und in den USA auf VHS-Kassetten stiess, die das Reisebudget erst so richtig überschreiten liessen, bedinget es letztlich doch einer multimedialen Revolution, um an wirklich alle Episoden zu kommen und das erst noch gratis. "Vuze" heisst das Wunderding und ist ein Downloadmanager, der mit Torrents umgehen kann. Torrents sind kleine Textdateien, die dem Downloadprogramm Anweisungen geben, wo etwas zu finden ist. Neben so ziemlich jedem Film der seit zwei Stunden im Kino zu sehen ist, findet man eben auch die Perlen aus vergangenen Zeiten.

Und so sehe ich Star Blazers Part 2 "The Comet Empire" - oder italienisch "L'impero della cometa"nach 30 Jahren endlich Mal wieder und die dritte Staffel "The Bolar Wars" überhaupt zum ersten Mal. Das heisst: Wenn alles klappt. Vuze zeigt 53,6 % der 12,4 Gigabyte und eine verbleibende Downloadzeit von 1 Tag und 06 Stunden an. Soviel Wartezeit darf noch sein für eines dieser Luxus-Ziele :-)



Link: Star Blazers Italia

Donnerstag, 8. Januar 2009

Die Macht des Fortschritts

Lange Zeit dachte ich: wenn ich öffentlich zugebe, keine Ahnung zu haben wie "Social Bookmarking" genau funktioniert, gebe ich mich der Lächerlichkeit Preis. Seit heute weiss ich: Alle anderen wissen es auch nicht.

Laut einer 2008 veröffentlichten Studie, hat ein Drittel der Befragten keine Ahnung was "Web 2.0" besdeutet, geschweige denn, diesen erklären können. Noch schlimmer: Fast alle haben zwar schon etwas im Internet bestellt, aber nur 4 von 10 Usern wissen, was es mit dem Begriff "Direktbestellung" auf sich hat. Mit exotischen Begriffen wie "Trackback" oder "Tagwolke", so die Studie weiter, wüssten rund die Hälfte der Internetsurfer nichts anzufangen.

Das Marktforschungsinstitut eResult wollte eigentlich nur wissen, was die Leute unter Web 2.0 verstehen und musste feststellen, dass die Meinungen weit auseinander gehen. Grundsätzlich kam man zum Schluss, dass sich die Begriffsumschreibung in den letzten Monaten dermassen verändert habe, dass selbst Experten keine genaue Beschreibung mehr fänden. Dies gelte neben dem Web-2.0- genauso für den E-Commerce-Bereich. Oder anders gesagt: Die Webseiten werden dermassen schnell mit neuen Funktionen gefüllt, dass der Durchschnittsbürger einfach nicht mehr nachkommt. Man bedenke: In den Industrieländern ist über die Hälfte der Menschen älter als 50 Jahre und die machen den täglichen Fortschritt nur zaghaft mit. Die schöne schnelle Internetwelt droht fast zum Spielzeug für Randgruppen zu verkomen, obwohl in jeder Internetecke täglich Revolutionäres erfunden wird - ich frage mich gerade: Wofür eigentlich?