Man wisse, dass der Abschuss emotionale Kommentare nach sich ziehen werde. Und: Das langsame Aushungern wäre gegen den Tierschutz gewesen. Heisst es. Weil ein Chile-Flamingo sich an einem Ort abgesetzt hat wo er nicht hingehört, tut der Mensch das einzige was ihn von fletschenden Raubtieren unterscheidet: er knallt das Tier ab."Experten" vom Basler Zoo und der Vogelwarte Sempach werteten die Überlebenschancen des Flamingos, gemäss einem Artikel auf "20minuten", gleich Null. Aufgrund dieser Feststellung befehligte Urs René Altermatt von der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Aargau die Erlegung des verirrten Tieres. Ob der Jagdaufseher die Tötung selber vorgenommen hat, oder einen blutrünstigen Kollegen damit beauftragt hat, geht aus der Meldung nicht hervor. Der Flachsee bei Bremgarten, wo der Flamingo unbekannter Herkunft während Tagen verweilte, böte zu wenig Nahrung und ausserdem handle es sich um kein einheimisches Tier, heisst es weiter in der Stellungnahme Altermatts. Einfangen sei zudem fast unmöglich.
Es ist schon aussergewöhnlich welche fantasiereichen Erklärungen der Mensch findet um zwischendurch seine Macht über die Natur zu beweisen. Ob Wölfe, Bären oder halt Flamingos - das ehrbare Interesse, den gesunden Tierbestand zu pflegen, ist immer wieder ein willkommenes Deckmäntelchen um störende Viecher einfach abknallen.
In einem Punkt ist den Jagd-Freaks deshalb voll und ganz Recht zu geben: Der Abschuss weckt tatsächlich emotionale Kommentare. Und Fragen: Das Tier war nach Angaben Altermatts offenbar schon geschwächt. Hätte dies die Chancen nicht erhöht, das Tier lebend einzufangen? Warum wurde das Tier nicht betäubt sondern gleich erschossen? Betsand Fluchtgefahr? Waren Mensch und Tier akut bedroht? Es ist zu hinterfragen, ob es richtig ist, wenn der Mensch sich immer wieder das Recht heraus nimmt, regulierend in die Natur einzugreifen. Das fängt beim Einsperren von Flamingos an und hört beim Abschuss ausgebrochener Tiere noch lange nicht auf. Stichwort Walfang, Robbenjagd, Import exotischer Tiere. Man muss sich sogar fragen, ob all die Naturkatastrophen, einschliesslich unheilbarer Krankheiten, nicht Regulierungen seitens der Natur sind, damit der Mensch nicht zu Übermächtig wird.
Wie dem auch sei. Besonders bedenklich ist, dass der Flamingo von seinem Besitzer, dem Zürcher Zoo, nicht einmal vermisst wurde. Auch nicht, als man dort vor dem Abschuss nachfragte. Irgendwie schlampig, oder?
