Montag, 21. Juli 2008

Nef / Schmid. Ein paar Gedanken

Warum nur wirft die "Affäre Nef" dermassen hohe Wellen? Haben der Armee-Chef Roland Nef und sein Minister Samuel Schmid einfach nur Pech, dass gerade Sommerloch ist?

Die Fakten sind schnell erklärt: Roland Nef streitet sich mit seiner Partnerin und bewirbt sich gleichzeitig als Armee-Chef, legt aber nicht sein ganzes Privatleben auf den Tisch. Schmid kennt Nef, unterstützt ihn, teilt aber nicht sein ganzes Wissen mit seinen Arbeitskollegen. Allmählich finden grübelnde Medienmenschen Details über beider Vergangenheit und Handlungsweise heraus und publizieren alles mit grosser Kelle.

Nun ist der Fall an sich nicht so tragisch. Es wurden keine Menschen eingesperrt, beraubt, oder getötet, es sind keine Häuser eingestürzt und niemand muss verhungern. Dass dieses "Ereignis" aber geradezu einlädt für politische Zwecke missbraucht zu werden, liegt auf der Hand. Eine kleine Übericht, wer von der "Affäre Nef" am meisten profitiert:

Die SVP

Ueli Maurer, am Sonntagabend auf "Tele Züri" zu sehen, schiesst in jedem zweiten Satz gegen Schmid. Ihm und der SVP kommt die Situation gerade recht, den ungeliebten Bundesrat endlich abzuschiessen und an seiner Stelle einen "genehmeren" Kandidaten zu provozieren, wie das zuvor die linken Parteien bei Eveline Widmer-Schlumpf getan haben. Die Affäre hilft der Partei darüber hinaus, sich nicht mit wirklichen Problemen auseinandersetzen zu müssen. Man kann sich im Gegenteil mit Emotionen gegen eine scheinbar unüberbietbare Ungerechtigkeit in Szene setzen, was bei Wählenden natürlich viel besser ankommt, als sich für soziale Ungerechtigkeit gegenüber ausländischen Putzfrauen einzusetzen.


Die SP


Nach der SVP schreien die Sozialdemokraten am lautesten gegen Nef und Schmid. Auch ihnen geht es in erster Linie um den Rücktritt Schmids - Nef ist nur Bauernopfer. Doch was bringt der SP ein Rücktritt des Bundesrats? Schmid ist bis ins Jahr 2011 als Bundesrat gewählt und ohne sein eigenes Zutun auch nicht aus diesem Amt zu entfernen. Nachdem die SVP keinen Anspruch mehr auf Bundesratsitze erhebt, sondern lieber in der Opposition bleibt, sähe man an Schmids Stelle lieber heute schon einen grünen - oder grünliberalen Kandidierenden. Schmid war schon bei seiner Wahl in den Bundesrat nicht der offizielle Kandidat der SVP, sondern ein "moderater Bürgerlicher", welcher der Linken genehm war.

CVP und FDP


Auch die beiden anderen Bundesratsparteien CVP und FDP sehen in Nef's Absetzung die einzige zumutbare Lösung. Christophe Darbellay und auch andere Exponenten der Schweizer Politszene, lassen sich die Gelegenheit in der Tagesschau aber nicht nehmen, auch noch die Rolle Schmids als absolut unhaltbar zu bezeichnen und legen ihm unmissverständlich den Rücktritt nahe. Auch den beiden Mitteparteien kämme eine baldige Neuwahl gelegen, denn auch sie - gebeutelt von sinkenden Wählerzahlen - wünschen sich einen .

Die Medien


Ein gefundenes Fressen: Der böse "Stalker" und der lügende Bundesrat. Ungeachtet der persönlichen Verletzbarkeit werden knallharte Fakten auf den Tisch gelegt, die niemanden etwas angehen. Für die nächsten Tage dürfen wir detaillierte Internet-Protokolle erwarten. Wir erfahren, auf welchen Seiten sich wer einen runtergeholt hat und dass sich die Ex-Partnerin Nefs einen Mixer bei Jelmoli bestellt hat. Alles wird bis zum Gehtnichtmehr aufgebauscht und der naive Konsument zieht sich das Ganze rein, im Glauben, über die wahren Untaten dieser Welt informiert zu werden.


Nur gerade die Sicherheitspolitische Kommission spricht sich für die von Schmid eingeräumte Frist für Nef ein, die eigentlich jeder erhält, der sich zu rechtfertigen hat (Auch wenn anzumerken ist, es unserer Demokratie widerspricht, dass man seine Unschuld beweisen muss - normalerweise muss die Schuld bewiesen werden). Dass die politische Schweiz sich um solche Grundrechte schert und nur ständig auf ihr eigenes Wohlbefinden achtet, ist für mich der eigentliche Skandal. Nach dem Theater um Eveline Widmer-Schlumpf kümmert man sich in der "Classe Politique" wiederum nur mit Klatsch und Tratsch, anstatt mal das eine oder andere wirkliche Problem zu lösen. AHV sichern, ALV retten, die neue Armut bekämpfen, soziale Ungerechtigkeit eindämmen, die Klimaerwärmung stoppen, Jugend- und Häusliche Gewalt verhindern - und so weiter.

Ihr hättet genug zu tun, im Fall.

Bild:
vbs

Kommentare:

Andreas Kyriacou hat gesagt…

Schmid war beileibe kein "moderater", seine Redressement National-Herkunft hat er nie wirklich abgelegt, als VBSler hat er eine knallharte Aufrüstungspolitik betrieben, die ein SVPler Zürcher Prägung wohl kaum überboten hätte. Es war auch Schmid, der der Armee immer mehr ziviles Terrain überliess.

Auch wenn natürlich alle ihre strategischen Spielchen betreiben, die Rücktrittsforderungen lassen sich alleine durch die miserable Führungsqualität Schmids rechtfertigen.

kikri hat gesagt…

Wann hört dieses Theater wieder ab?
Wann wir die nächste Sau durchs Dorf gejagt?
Wir haben doch auch wichtige Probleme wie Bildung, Erhaltung userer Freiheit, hohe Steuern.........

Anonym hat gesagt…

Breaking News: Der Abwart des Schulhauses von Pfupfwil fordert jetzt auch, dass Schmid zurücktreten muss.

Anonym hat gesagt…

@kikri
Die erwähnten Problem passen nicht ins Sommerloch, da ist andere "Kost" gefragt - wie ein Schmierentheater zum Beispiel.

Goggi hat gesagt…

Bitte hört auf, anonym zu schreiben.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht sollten sich alle mal wieder ein bisschen beruhigen. Aber ich denke Nef ist nicht mehr haltbar, zumindest wenn es stimmt, was die Sonntagzeitung geschrieben hat.

der nicht-anonyme hat gesagt…

Es wurden keine Menschen eingesperrt, beraubt, ...

denkst du, es ist lustig, über 18 Monate hinweg verfolgt und aufs primitivste eingeschüchtert zu werden?
einige von uns haben vielleicht auch ein mal am sonntag morgen um 5 uhr besoffen bei der ex angerufen... aber über einen zeitraum von 18 Monaten? nein, da liegt ein schwerer schaden vor. und so ein typ ist in einer kaderposition nicht tragbar - armee oder privatwirtschaft.

und die beweisumkehr wurde von schmid auferlegt. um zeit zu gewinnen und sich um eine entscheidung zu drücken.

Peter hat gesagt…

Bist du sicher, dass du beim Abschnitt von der SVP "provoziert" und nicht "portiert" schreiben wolltest?

Zum Thema:

Ich denke die Armee an sich steckt in einer Sinnkriese. Wo sind die Feinde, die noch verteidigt werden könnenm? Der einzige Feind in der Schweiz ist noch die Natur, aber für Katatropheneinsätze gibt sich ja die Armee nicht her.

Die Posten bei der Armee sind nicht mehr interessant. In der Privatindustrie haben Armeeofiziere kein vorteil mehr. Im Gegenteil, die halbe Zeit sind sie nicht am Arbeitsplatz anwesend. Unter diesen Umständen musste wahrscheinlich Schmid aus einer sehr kleinen Auswahl von Leuten den Armeechef bestimmen.

Nef dürfte endgültig verheizt sein. Er ist politisch nicht mehr haltbar. Die stets objektiv berichtenden Medien haben das ihre dazu beigetragen.

Anonym hat gesagt…

denkst du, es ist lustig, über 18 Monate hinweg verfolgt und aufs primitivste eingeschüchtert zu werden?

Bist du sicher, dass dies auch wirklich stimmt. Das ist ja aus dem Protokoll der Polizei (ein Skandal, dass sowas der Presse weitergereicht wird) aus der Vernehmung der einen Seite. Kennen wir aber die andere Seite, sind die Vorwürfe wirklich auch Wahrheit?

Aber das Schmierentheater der Medien ist aufgegangen.

Goggi hat gesagt…

Ich vermute, die geschädigte Frau hat das Protokoll an die Medien weiter gereicht - wenn das Teil denn auch echt ist.

Danke für die Reaktionen. Leider musste ich schon eine Unzahl Kommentare Löschen, weil sie hier am falschen Ort waren. Aus diesem Grund betrachte ich die Diskussion als beendet.