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Montag, 8. Juni 2009

Sinkende Arbeitslosigkeit - Der Schein trügt

Gemäss einer Mitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, ist die Arbeitslosigkeit im Monat Mai gegenüber April 2009 von 3,5% auf 3,4% gesunken. Auf den ersten Blick eine erfreuliche Meldung. Doch der Schein trügt, vergleicht man die trockenen Zahlen, die das SECO liefert miteinander.

Zuerst die gute Nachricht: Insgesamt wurden per Ende Mai 2009 192'516 Stellensuchende registriert, 2'210 weniger als im Vormonat. Die Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige) verringerte sich um 942 Personen. Schön! Und die Medien pickten genau diese Zuversicht verbreitenden Angaben aus dem Zahlenstapel, den uns das SECO mitteilt. Stehen ja auch ganz oben, diese erfreulichen Zahlen. Doch die Meldung ist bei genauerer Betrachtung leider eine schlechte. Im März 2009 waren nämlich 11'814 Personen mehr als im Vormonat von Kurzarbeit Betroffen. Das entspricht einer Zunahme von über 40 Prozent in nur einem einzigen Monat. Kurzarbeit wird mancherorts als Vorstufe zur Kündigung angesehen. Dramatisch auch die Zahl der Ausgesteuerten: Im März bekamen 1'518 Personen neu keine Arbeitslosenunterstützung mehr - auf dem Arbeitsmarkt sind das jene Menschen, die seit zwei Jahren erfolglos Arbeit suchen, was sich während der Krise auch nicht ändern wird. Statistisch verschwinden diese so genannten "Ausgesteuerten" aus der Arbeitslosenquote.

Zählt man die Ausgesteuerten richtigerweise mit und nimmt man für jeden Kurzarbeitenden 50 eingesparte Stellenprozente an, verschlechtert sich das Bild natürlich dramatisch: Tatsächlich müsste man schreiben: In der Schweiz wurden im Verlauf der Monate März bis Mai mindestens 6'722 Vollzeitstellen abgebaut. Von teilweiser oder vollständiger Erwerbslosigkeit betroffen sind über 12'000 Menschen mehr als noch vor einem Monat. Ausgesteuerte April und Mai noch nicht mit eingerechnet.

Immerhin kommt der Vergleich zur gleichen Periode im Vorjahr der Realität wohl etwas näher: Die Arbeitslosigkeit stieg demnach insgesamt um rund 30%, bei Jugendlichen gar um 50%. Aber auch hier: Ausgesteuerte und Kurzarbeiter nicht mit eingerechnet. Warum das SECO überhaupt eine sinkende Arbeitslosenquote veröffentlicht, ist mir ein Rätsel. Vielleicht um Zuversicht zu verbreiten? Vielleicht um das Vertrauen zu fördern, der Staat habe alles im Griff? Klar ist nur, dass die Unsicherheit um mehrere Prozentpunkte wächst. Und zwar täglich.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Bald ist es soweit, oder: Das Aus für das Januarloch

"Ich lebe noch" - Das sind die Worte, die ein Blogger braucht, wenn er mal eine Woche lang nichts in sein Blog eingetragen hat und die Gefahr bestehen könnte, der nächste Artikel lasse noch einmal so lange auf sich warten. Nun, die Blogabstinenz hat natürlich einen zeitraubenden Hintergrund. Nachdem nun Mama nach überstandener Blinddarmgeschichte erfolgreich dem Spital davon gekommen ist, steht ein unglaublich grosses Projekt an, bei dem man den Zeitaufwand gerne mal unterschätzt. In einem Monat ist es nämlich soweit: Das Schweizerland ist um eine Geschäftsgründung reicher. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Verhandlungen mit potentiellen Kunden haben konkrete Formen angenommen, was noch fehlt ist eine Menge Papierkram. Ich merke gerade, dass das Produzieren von Texten viel einfacher und weniger zeitraubend ist, als all das Unwerben vor - und das Verrechnen nach der Schreibarbeit.

In meinem Unterfangen beflügelt hat mich die Sendung Kassensturz von gestern Abend in zweierlei Hinsicht: Nämlich hat dort nicht das billigste Fensterputzmittel den Test gewonnen und zweitens berichtete man von drei Jungunternehmern, die sich quasi von heute auf morgen selbstständig gemacht haben. Oder im übertragenen Sinne: Will man vom Schreiben leben, so muss man die Zeit für Ausbildung, Bewerbung, Recherche, Schreibarbeit, Korrektur und Abrechnung durch die Anzahl geschriebener Worte teilen und dieses mit einem Pro-Wort-Preis kombinieren, der zu einem akzeptablen Einkommen führt. Hinter einem Billigprodukt steckt dann meistens eine simple Kopie des Originals, hinter dem einiges an Arbeit steckt. So geschah es unlängst, dass ich einen von mir geschriebenen Text in einer Printzeitung wiederfand. Dem Text wurden zwei Zeilen und zwei Schreibfehler beigefügt. Ich will gar nicht wissen, wieviel der "Autor" für diese Kopierarbeit verdient hat...

Die Beispiele der drei Jungunternehmer machte mir zuletzt grossen Mut. Sie gehen das Risiko sich selbstständig zu machen ein, obwohl sie dafür enorme Investitionen tätigen mussten. Ronja Sakata verkauft asiatische Salatsaucen und übernahm hierfür teure Maschinen von seinem Vorgänger. Daniel Lüthold wiedereröffnet das Restaurant St. Michaelskreuz in Gisikon-Root (Tipp: Webauftritt machen!) und Thomas Schreiber führt die Höroase in Zürich . Alle drei haben sich für ihr Vorhaben hoch verschulden müssen und Ronja Sakata hofft, in fünf Jahren in die Gewinnzone zu kommen.

Lohnt sich das? Auch die in der Sendung zu Wort gekommenen Experten warnen vor zu hohen Erwartungen. Die ersten Jahre seien hart, die Investitionen besonders an die Zeit werde fast immer unterschätzt. Rund die Hälfte der Firmengründer gäben denn auch in den ersten zwei Jahren ihrer Tätigkeit auf. Eine Zahl die abschreckt.

Im nächsten Monat werden die Weichen nun endgültig gestellt und weil der Goggiblog halt auch eine Art Tagebuch ist, werde ich immer mal wieder darüber berichten. SChliesslich ist das Januarloch mitsamt dem Krisenjahr 2009 vorbei. Mann, bin ich gespannt :-)

Dienstag, 13. Januar 2009

Mein Morgen.

Ich werde ja immer mal wieder gefragt: "Goggi?", werde ich gefragt, "Goggi, was machst Du eigentlich den ganzen Morgen?". Diesem Wissensdurst will ich nun Rechnung tragen und nach Durchsicht dieses Artikels würde ich sogar meinen, hier folgt eine Anleitung, wie sich ein gewöhnlicher Tag auch bei Euch abspielen könnte:

Nachdem ich alle interessant klingenden Überschriften im RSS Feed gelesen, geklickt und kommentiert habe, war die Reihe an den Mail-Accounts die ich wohlweisslich nicht an einem einzigen Ort gebündelt habe, sondern bei denen ich so schön altmodisch einzelnen einloggen muss. Die darin enthaltenen Links zu den vierzehn aktiven Foren, aus denen mir mitgeteilt wird, User Sowieso habe eine Antwort geschrieben, sind ebenso abgeklappert wie beantwortet, wo das nötig war.

Bleiben noch die ordentlichen Mails, die nacheinander ein Einloggen bei Google Docs, MSN, Skype, Xing und Yahoo erfordern, schliesslich hat man seine Kontakte schön verteilt. Man weiss ja nie, plötzlich stürzt genau jener Teil des Internets ab wo man alles drin hat und dann hat man den Salat.

Also weiter in die vier eigenen Blogs, wo ein kurzer Artikel über meine Lieblingsserie, ein Bild des Tages, eine Meldung über steigende Krankenkassenprämien und ein Video von Pixelmatsch-Youtube-Video von Mad Manoush für heute reichen muss. Weil beim vorherigen Posting fünf Kommentare stehen, wollen diese sowohl kommentiert , wie auch die Blogs deren Autoren besucht sein. Ausserdem hat man ja nicht umsonst eine Blogroll und je nach Beziehungsstatus wollen wir doch bitte auch mal wieder bei den Gratis-Accounts von singles.ch, singelsearch, partyguide und yepnep vorbei schauen, oder mindestens bei exsila, falls ein Video für den Abend reichen muss.

Ach ja und da ist ja noch facebook. Einladungen zu einer Gruppe, deren Mitglieder ihr Nachname fehlerfrei buchstabieren können, zwei Barbapapa-Bildchen die ich mir neben elf Fun-Wall-Videos unbedingt anschauen müsse, drei Hugs die ich zurück huggen muss und sieben Freundschaftsanfragen von mir gänzlich unbekannten Personen, bei denen ich pflichtbewusst Nachfrage, weil es könnte ja ein reicher Onkel dabei sein.

Nach diesem kurzen Ritual jeden Morgen nach Arbeitsbeginn, gibs endlich Mittagessen. Vielleicht sollte ich darüber twittern. Für meinen Psychologen, oder so. Aber der hat eben nur ein Telefon und sowas exotisches lege ich mir ganz bestimmt nicht zu. Da hat man ja für gar nichts nehr Zeit.

En Guete.