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Mittwoch, 12. Oktober 2011

Das Leben ist schön

Manchmal soll man einfach nur im Kafi sitzen, das Servicepersonal sich fragen lassen, warum der Typ so strahlt und das Leben schön finden, auch wenn es nur ein kleines Inselchen ist im doofen Alltag - ich könnte heulen vor Glück. Auf diesem Bild v.l.n.r.: Meine heutige Reportage, mein Lappi, meine Titelgeschichte, mein Kafi und mein angeknabbertes Gipfeli

Freitag, 14. Mai 2010

Eine Träne für den FC Aarau

Der FC Aarau ist gestern Abend, um 22.10 Uhr, aus der Super League abgestiegen. 1:4-Niederlage gegen GC bei gleichzeitigem Sieg Bellinzonas in Sankt Gallen. Nach 56 Jahren wurden die Unabsteigbaren zu den Untröstlichsten Fussballer der Nation. Unter den digitalen Artikeln bei Fixundfoxi-Online wechseln sich seither in Sekundenschnelle hämische Sprüche und pure Schadenfreude gegenseitig ab. "Nie wieder Brügglifeld" freute sich beispielsweise Benutzer "Baselforever", mit einem "Ciao Drecksclub" verabschiedete sich ein Luzerner in einer Art wie man es von Luzernern nicht anders erwarten konnte. Wie auch immer: der Abstieg ist verdient.

Wenn es wenigstens zu wilden Szenen gekommen wäre. Tobende Fans. Fluchende Spieler. Sich anbrüllende Funktionäre. Nichts dergleichen. Bis auf ein paar Rempler unter solchen die sich später wieder vertragen würden, applaudierte das Publikum artig beim Rundlauf des Ivan Benito. Einige Zuschauer versuchten den Spielern sogar eine Welle abzuverlangen. Würde man es nicht besser wissen, wähnte man sich eher an einer Zirkusveranstaltung, bei der sich die Artisten nach getaner Arbeit nochmals heroisch dem Publikum stellten. Tatsächlich aber hatten die Protagonisten eine indiskutable 1:4-Klatsche verpasst bekommen und ein Haufen identifikationsloser Möchtegernstars haben der erfolgreichen Tradition des FC Aarau emotionslos den Todesstoss verpasst. Kaum ein Spieler der resigniert am Boden kauerte, mit seinen Tränen blieb der Torhüter unter seinen Weggefährten alleine - im Gegenteil: Kaum zwei Stunden nach dem Abstieg waren Facebook-Meldungen zu lesen, die eher auf einen ereignislosen Tag hinweisen. So wird es wohl gewesen sein.

Geh' ich halt Basel schauen

Die Aarauer Mentalität ist eine ganz Besondere. Man braucht die Brechstange um einen Funken zum Überspringen zu bringen und 90 Minuten auf der Haupttribüne sind wie ein Vortrag von 1'000 Frustrierten, die jeden Grashalm schlecht zu reden im Stande sind. Es ist fast wie in einer Ehe. Die Fähigkeit das "Kleine" zu schätzen ging vielen Fans in den letzten 30 Jahren verloren. Der Mythos der Unabsteigbarkeit war gleichzeitig ein Fluch, denn die Zugehörigkeit zur höchsten Fussballliga ist längst emotionstötende Selbstverständlichkeit geworden. Der Schock des Abstiegs hatte gestern Abend offenbar ein Leichtes, die langjährige, aber eingerostete Liebe der Fans zum FC Aarau ohne Anlauf zu zerschmettern. Mehr als nur einmal war zu hören, dann gehe man nächstes Jahr halt Basel schauen. Für mich klingt das wie: Geh' ich halt ins Puff, wenn die Alte nicht mehr will. Den Wortfetzen "Schlampen-Fans" habe ich gehört - vermutlich das Antonym zu "Modefans". Aarau per sempre und bis in den Tod... jaja wir werden sehen...

Helden sind gefragt!

Einmal abgesehen von der 1%-Chance, dass der AC Bellinzona auch in zweiter Instanz die Lizenz verweigert wird und Aarau den Barrageplatz "erben" könnte, bleibt eigentlich nur noch, das Positive herauszufiltern. Fünf Stunden nach dem Abstieg, zugegebenermassen kein leichtes Untefangen. Und doch: Endlich können sich jene positiv hervortun, die seit Jahren finden, ein Abstieg täte Aarau gut. Endlich müssen sich Pioniere der Organisation nicht mehr verstecken, wenn es um die Neustrukturierung eines gesamten Vereins geht. Endlich kann man das Geld doch noch locker machen, das man ganz sicher nicht dieser Zusammenstellung der Mannschaft geben wollte. Ich freue mich auf die zahlreichen Nörgler, die jetzt alles besser machen - oder es schon immer wussten - was auch immer. Tretet vor und zeigt uns, wie man es richtig macht, denn: Helden braucht das Aarauland!

Übrigens, ein paar davon haben wir schon. Jene, die heimlich im Hintergrund ihre Arbeit mehr als Ordentlich gemacht haben. Die Damen vom Sekretariat zum Beispiel. Der Mann von der Beschallung. Und alle sechs Speaker. Die Poeten der Matchzeitung und der Mann, der die Totomat-Tafeln drehen lässt. Der Internet-Chef, der Rasnmäher-Mann, die Wäsche-Frau und der stets elegant gekleidete und sehr freundliche Türsteher. Die Billet-Kontrollösen, die Wurst- und Fanartikelverkäufer. Imfall: Das waren die, die bittere Tränen geweint haben. Und dem Typen, der gestern zu monsieurfischer gesagt haben soll, "Männer weinen nicht", sei an dieser Stelle nachträglich der Mittelfinger unter die Nase gestreckt. Denn wir sind Aarau, ganz tief im jetzt noch verletzten Herzen. Aber wir werden wieder aufstehen und es allen zeigen! Per sempre und bis in den Tod.

Na, da staunt ihr, liebe Bisler, Güller, Lutscher und Zirchür, die ihr "Nie wieder Brügglifeld" gesungen habt. Und viel Spass in der Zwischenzeit mit dem Hexenkessel in dem GC spielt und anderen Stadiönnern mit Laufbahn drumherum. Voll das Fussball-Feeling. Aber wir kommen zurück, mit einem viel grösseren Herzen.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Die wahren Helden


Ich merke gerade, dass ein bestimmtes Ereignis noch gar keine Erwähnung fand in meinem eigenen Blog, der ja nicht nur zur Unterhaltung anderer, sondern auch als eine Art Archiv dient. So ist es immer wieder belustigend, Einträge aus dem letzten Jahrzehnt nachzulesen und darüber zu staunen, was vor ein paar Jahren noch hochaktuell war, während heute kein Schwein mehr danach schreit. In ein paar Jahren werde ich gemütlich zurücklehnen in meinem Relax-Bürosessel, diesen Artikel hier nachlesen und vermutlich denken: "Nicht schlecht". Oder: "Da hatten wir noch Illusionen". Oder: "Läck war das ein... wasauchimmer"

Die Rede ist von einem Titel, den ich in Kürze offiziell auf einer Visitenkarte bewundern kann, eine Bezeichnung, die brutal schön anzuhören ist, ja gar eloquent und wichtig klingt. Die Funktion, die mit diesem neuen Titel einher geht, stösst meine Wenigkeit quasi an die Schwelle des Prominenten-Status', was sich besonders darin manifestiert, dass ich mich plötzlich Koryphäen (oder waren es Koniferen?) des Medienzeitalters gegenüber sehe. Gestern kreuzten Beni Turnheer, Matthias Hüppi und Marcel Koller meinen Weg. Persönlichkeiten, deren Bücher ich verschlungen habe, kommen zu mir die Hände schütteln und Fussballlegenden wie Marco Streller nehmen meine Wünsche zur schnellen Genesung entgegen... Ja, so ein Hauch Promisein ist schon ganz geil. Und das nur, weil ich einerseits Promis interviewen darf und andererseits diesen Titel unglaublichen Ruhms und Ehre verliehen bekam, der mich zum - achtung jetzt kommt's: Mitglied der G-e-s-c-h-ä-f-t-s-l-e-i-t-u-n-g machte. Ich bin - setzt Euch gefälligst mal hin und bitte auf der Zunge zergehen lassen - K-o-m-m-u-n-i-k-a-t-i-o-n-s-Chef des FC Aarau.

Das ist, ich gebe es zu, so etwas wie ein Bubentraum, eine Herzensangelegenheit ganz sicher und auch ein kleines Märchen das wahr wird - jenes vom tapferen kleinen Fan, der 700 Spielen seiner Mannschaft zuschaute und der es jetzt in die Vereinsführung seines Lieblingsvereins geschafft hat. Und das ist im Grunde das, was mein Herz mit unbeschreiblicher Freude erfüllt.

Die Promis sind schneller weg als sie gekommen sind und vor allem froh wieder gehen zu können. Brüstet sich heute einer mit Erfolgen des FCA, ist er beim kleinsten Verdacht auf Abstieg in sekundenbruchteilen konvertierter, bekennender und jahrelanger FC Basel-Fan. Das was ich hier aber machen darf, ist Herz! Und ich habe das überaus grosse Glück, Begleiter bei mir zu haben, die den FCA ebenso ins Herz geschlossen haben und sich nicht wie Fähnchen im Wind dem Erfolgreicheren zuwenden. Zusammen - das wäre ganz geil - könnten wir einen Teil zum Erfolg beisteuern, den man nur leisten kann, wenn man seinen Arbeitgeber liebt. In diesem Sinne widme ich meinen Titel den wahren Helden des Brügglifeld, die unermüdlich Fan sind, im Hintergrund immer da sind und vor allem: bleiben werden.

Dienstag, 25. August 2009

Gute Menschen

Man will es nicht für möglich halten, doch es gibt offenbar noch Menschen, die Dinge verschenken. Nein, nicht die Krankenkassen, die mit Prämienvergünstigungen locken, obwohl sie eigentlich Prämienschock meinen. Auch nicht der FC Aarau, der seinen Gegnern Punkte und Tore gleich im Multipack verschenkt.
Nein, ich meine die herzensguten Menschen. Typen die einfach mal so ihr neues Auto verschenken. Aus welchem Grund auch immer, tut das derzeit einer auf Piazza.ch. Seit gestern findet sich dort ein VW Golf V Diesel gratis abzugeben.

Wer da wohl dahinter steckt? Vielleicht einer der Kandidatinnen und Kandidaten um den Prix Courage des Beobachters? Da findet sich zum Beispiel Calista Gabriela Fischer, die als selbstlose Gläubigerin nach dem Börsencrash eine Selbsthilfegruppe für geschädigte CS-Millionäre gegründet hat. Tatsächlich, das braucht Mut: Zuzugeben CS-Kunde zu sein und in aller Öffentlichkeit der CS Geld aus der Tasche zu ziehen, die sie dem Kleinanleger und Steuerzahler nie mehr zurückgeben wird.

Besser gemacht hat es da schon Marisa Pralong, die ihren Minimallohn-Job bei Manor auf's Spiel setzte, weil sie im Sommer weniger, dafür in der Weihnachtszeit mehr und vor allem am Sonntag hätte arbeiten sollen. Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 2008 (auch wenn der Beobachter stur behauptet, es geschah alles an Weihnachten 2009), weit vor (oder nach?) der Rezession, also in einer Zeit, in der man dem Arbeitgeber noch problemlos ans Bein pinkeln konnte. Verdient einen Preis. Definitiv.

Ich bin mir nicht sicher, ob solch halbherzige Ernennungen, die wahren Heldentaten anderer nicht sogar abwerten. Dabei hat man mit Bettina Ecklin und der Ursulinennonne Marie-Rose Genoud zwei mutige Damen in der Auswahl, die gegen die Willkür des Amtschimmels bis vor Bundesgericht angetreten sind. Oder Zoran Vasic, Nathalie Mack und Damiano Saitta, die allesamt Menschen davor gerettet haben getötet zu werden. Gerade Letzterer (und mein persönlicher Favorit) gehört zu einer Gruppe Menschen, die in den Medien oft als uninteressiert und gewaltbereit dargestellt wird. Der junge Mann aber hat ein kleines Mädchen aus der Aare gerettet, weil er wachsam und hilfsbereit war. Er stellt für mich eine Art Hoffnungsträger dar. Hoffnung darüber, dass es mit unserer Jugend doch nicht so schlecht bestellt ist, wie die Medien immer berichten. Und Hoffnung auch, dass sensationsgeile Journalisten auch mal das Gute in jungen Menschen erkennen.

Chapeau, junger Mann!