Dienstag, 9. Februar 2010

FC Aarau und Hächler trennen sich "einvernehmlich"

Etwas überraschend verkündet der FC Aarau in einer knappen Pressemitteilung den sofortigen Rücktritt von Fritz Hächler, sowohl als Sportchef, wie auch als Verwaltungsrat der AG. Bei genauerer Betrachtung ist der Entscheid des in die Kritik geratenen, ehrenamtlich Angestellten Hächler nachvollziehbar. Ob es für den Club Fluch oder Segen ist, wird sich erst noch zeigen. Sicher ist, dass erneut Misstöne zu einer Trennung geführt haben, auch wenn die Trennung betont "einvernehmlich" gewesen sein soll.

Einige Aarau-Fans werden sich zwei Tage nach dem gelungenen Rücksrundenstart (6:3 gegen Bellinzona) erneut freuen. Der ungeliebte Sportchef, dem von vielen Seiten Inkompetenz nachgesagt wird, tritt per sofort vom Amt des sportlichen Leiters zurück. Man verspricht sich davon wahrscheinlich, dass damit der Weg für eine geeignetere Person frei gemacht wird.

Auf der anderen Seite verliert die FC Aarau AG aber auch ein Verwaltungsratsmitglied, das sein Engagement für den Verein nicht nur unentgeltlich zur Verfügung stellte, sondern selber hin und wieder den Geldbeutel zückte, wenn kurzfristige "Anschaffungen" nötig waren. Eine letzte solche hatte Hächler mit Stürmer Sanel Kuljic pfannenfertig und zu günstigen Konditionen seinen VR-Kollegen präsentiert - diese opponierten aber aus finanziellen Gründen. Wieder war Hächler der Prügelknabe. Wie zuvor schon bei Fehltransfers (Alexeev, Kioyo) und nicht zustande gekommenen Vereinswechseln, schoben Medien (allen voran Felix Bingesser von der Aargauer Zeitung), Fans und eigentlich alle im Umfeld des FCA die Schuld dem Sportchef in die Schuhe.

Hächler ist aber nicht der Böse, wie er immer wieder dargestellt wird. Zum einen hat der Sportchef keine einzige Entscheidung gefällt, ohne mindestens Rücksprache mit dem Sportausschuss oder seinen VR-Kollegen zu halten. Die kommunikativen Defizite sind mitunter auf die Sparmassnahmen beim FC Aarau zurückzuführen. Ein Profi in diesen Belangen kostet Geld und bringt nicht auch noch welches mit. Ich habe Hächler persönlich als feinfühliger, zurückhaltender Mann kennen gelernt, der mit Engagement und Leidenschaft Ziele und Aufträge erfüllte. Gut, er hat meinen Namen jedes Mal vergessen - aber das macht ihn doch nicht zum Charakterlosen. Seine Arbeit auf Inkompetenz und Aussagen wie "endlich geht er" zu reduzieren, ist riskant - es könnte gut sein, dass nichts besseres nachrückt.

Hächlers Rücktritt ist konsequent, weil er es aus seiner Sichtweise nicht verdient hat, als Prügelknabe herhalten zu müssen. "Einvernehmlich getrennt" kann genau so gut als "mir reicht's" interpretiert werden. Egal ob es eine Schlacht oder blanke Resignation war, die letztlich den entscheid zum Rücktritt gebracht hat, sein Weggang nimmt nun die verbleibenden Verwaltungsräte und Mitglieder des Sportausschusses in die Pflicht, es besser zu machen. In diesem Sinne freue ich mich auf ein weiteres Lebenszeichen aus Aarau. Was man daraus macht liegt in den Geschicken derer, die dem FC Aarau ein "unser"voran stellen.