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Dienstag, 22. November 2011

Sehr geehrter Herr Darbellay

Die CVP hat es nun wirklich nicht nötig, sich heute schon einer Schlammschlacht zu bedienen um in vier Jahren nicht schon wieder gefühlte 50 Sitze im Parlament zu verlieren. Es wird immer genügend Menschen geben, die um ihren Glauben zu stützen, erstens Kirchensteuern zahlen und zweitens die CVP wählen, jetzt machen Sie sich doch keine Sorgen!

Dass Sie Homosexuelle die Kinder adoptieren wollen auf die gleiche Stufe wie Kokainsüchtige stellen werte ich als Beweis, dass es erstens richtig war aus der Kirche auszutreten und ich zweitens noch nie in meinem Leben in Erwägung gezogen habe die CVP zu wählen. Offenbar nimmt man sich bei diesen - nennen wir sie mal einheitlich "Glaubensrichtungen" - schon seit Jahrhunderten das Recht heraus geschmacklos zu sein. Dabei denke ich noch nicht einmal an Pfarrer und Buben, an Inquisitionen und Machtmissbräuche, oder an den verhältnislosen Prunk den etwa der Vatikan an den Tag legt, wenn er den Afrikanern die Pariser wegnimmt oder Spendengelder in Ace für den Kirchenbau missbraucht, anstatt den Menschen zu helfen. Nein, Herr Darbellay, es geht in diesem Fall um die Evolution der Spezies "Politiker", welche diesem Land ein bitteres Armutszeugnis ausstellen.

Ich finde übrigens, dass ein Politiker durchaus sofort und ohne Angaben von Gründen zurücktreten darf. Das machen Kokainsüchtige schliesslich auch, Herr Darbellay.

Freundliche Grüsse
Goggi

Samstag, 10. April 2010

Die satirische Beleuchtung der Gürtellinie

Morgen findet die Erstkommunion statt. Auch ich werde in die Kirche gehen.

Zwar hat die Kirche die Kampagne "Mehr Good News" vorläufig auf Eis gelegt, die Plakate würden aber nicht umgestaltet, nur die Botschaft soll anders verpackt werden. Gerüchten zufolge soll der Untertitel "Für erlebnisreiche Jugend" wegen möglicher Missverständnisse ersetzt werden - eventuell durch den Slogan: "Yeah, we can", wobei eine gewisse Zweideutigkeit auch hier nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Die Kirche hat indes auf die zahlreichen Negativschlagzeilen reagiert, zeigt sich bestrebt, an der Situation endlich etwas zu ändern und zeigt sich in einem ersten Schritt schockiert und hat deshalb die Satire-Zeitschrift Titanic verklagt. Und zwar wegen dem Bild rechts. Der Titanic-Chef Leo Fischer kontert dazu: "Wir sind ebenfalls schockiert über die zum Teil anstössigen und jugendgefährdenden Phantasien, die dieser Titel in manchen Hirnen auslöst." Denn: tatsächlich sieht man auf dem Bild nur einen Priester, der sich in demütiger Anbetung einem Kruzifix zuwendet.
Bild oben: Titelseite der Titanic-Ausgabe

Die satirische Beleuchtung der Gürtellinie ist das eine - die Reaktionen die Satire auslöst, das andere. Mir gefällt das belustigende Spiel mit der Halbwahrheit, Satire setzt aber eben auch Intelligenz beim Empfänger voraus - das ist manchmal schwierig. Bevor ich jetzt aber als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt und von tiefgläubigen Menschen verachtet werde: Ich habe echt nichts gegen die Kirche. Ich halte den Glauben für eine sehr nützliche Sache, für Menschen denen diese Art von Halt wichtig ist. Ich bin sogar überzeugt, dass die lokal tätigen Gottesdiener gute Menschen sind, die nichts mit den leidigen Geschichten zu tun haben. Ich selber setze mich fast täglich mit dem Glauben auseinander, ich versuche an Gerechtigkeit zu glauben - finde aber mehr Ungerechtigkeiten als mir lieb ist, besonders wenn es um die Art und Weise geht, wie die Kirche den Glauben teleportiert.

Bild unten: Papst im einfachen Stuhl, im bescheidenem Gewand und mit vertrauensvollem Blick

Warum setzen unsere Kirchen zum Beispiel Spendengelder für die Tsunami Opfer von 2004 dafür ein, im buddhistischen Land für den Katholizismus zu missionieren? Warum zeigen sich die Kardinäle, Bischöfe und der Papst in unvergleichbarem Prunk, wo Jesus doch ein einfacher Zimmermann war? Warum fragte mich der Kirchgemeindeangestellte bei meinem Austritt vor vielen Jahren, ob ich denn nicht an Gott glaube? Was hat das damit zu tun? Wie kann es sein, dass ein katholischer Pfarrer mir in Fragen der Ehe und der körperlichen Liebe beistehen soll, wo er doch nachweislich keine Ahnung davon haben darf? Warum unternimmt niemand etwas gegen die offensichtliche Schlechterstellung der Frau? Warum vermittelt der Vatikan noch immer stur die Schöpfungstheorie, wo es sich bei den Menschen doch um studierte Theologen handelt?

Morgen findet in vielen Kirchen der Schweiz die Erstkommunion statt. Auch mein Sohn wird dort das erste Mal am Altarsakrament teilnehmen. Dies ist nach der Taufe der zweite Initiationsritus den man im katholischen Kindesalter erfährt, ein dritter - die Firmung - soll dann die endgültige Bekennung zum katholischen Glauben unterstreichen und erfolgt erst im urteilsfähigen Alter. Mir wurde zugetragen, ich sei ja aus der Kirche ausgetreten, warum ich da dabei sein wolle. Ich sagte: Hey, das ist mein Sohn. Es ist ein wichtiger Tag für ihn und deshalb auch für mich. Schon aus diesem einfachen Gespräch war herauszuspühren, welche tiefe Wunden die heiklen Themen Kirche, Glauben und Traditionen hervorrufen können. Als geschiedenes Paar dürften wir ohnehin noch zu einigen Ave Marias verdonnert werden, wenn uns der Pfarrer erwischt. Aber bei solchen Reizsituationen im kleinen Rahmen verwundert es nicht weiter, dass weltliche Ereignisse dermassen hohe Wellen schlagen, wie die Missbrauchsfälle derzeit verursachen.

Ich glaube. Aber ich glaube nicht an die Institution Kirche. Schon nur deshalb werde ich morgen in die Kirche gehen: Einerseits, um meinen Sohn auch in diesem Lebensabschnitt zu begleiten, aber auch um genau zu beobachten, was dort passiert - Denn Wegschauen ist mehr die Art jener, die noch an Schöpfung glauben und blind dem Tun der Kirche vertrauen.

Mittwoch, 18. März 2009

Sex ohne Gummi

Endlich! Hochoffiziell abgesegnet von Papst Benedikt aus dem XVI. Jahrhundert, ist die offizielle Meinung der katholischen Kirche: Poppen mit Gummi ist nicht die Lösung gegen AIDS. Da fragt man sich zurecht: Wofür werden eigentlich noch Institutionen wie Unicef unterstützt, die in Afrika tonnenweise Kondome aus dem Flugzeug kippen, wo ein Ausflug des göttlichen Abgesandten doch viel mehr Wirkung zeigt. Geschlechtskrankheiten, so die Meinung der medizinisch rund um die Uhr betreuten Fehlbesetzung katholischen Glaubens, werden nämlich nur dann nicht übertragen, wenn man nie wieder Sex hat.

Gut, es wird zwar schwierig sein etwas zu verhindern, was statistisch selbst unter Pfarrern öfter gemacht wird als Nasenbohren. Aber schon andere Kulturen und Glaubensrichtungen haben in der Weltgeschichte bewiesen, dass der blinde Glaube an einen pontifaxiösen Führer absolute Reinheit bringt. Oder mache ich da jetzt ein Durcheinander? Egal. Jetzt wo die Afrikaner nie wieder Sex haben werden und das erst noch ohne Gummi, gilt das Problem endlich als ausgerottet und wir können Unicef, AIDS-Hilfe und am besten gleich noch den Papst abschaffen. Das gesparte Geld kann dann als Konjunkturprogramm für die serbelnde Pariserindsustrie gebraucht werden, denn auch hierzulande hat man statt Sex mit Gummi einfach gar keinen Sex mehr. Nasenbohren reicht völlig. Damit steht die Menschheit zwar kurz vor ihrem Aus, aber das ist ja auch eine Art Problemlösung. Vielen Dank Herr Papst.

Dienstag, 24. Juli 2007

Oder steht der Papst im Offside?

Zuerst mal muss die Frage gestellt werden: Darf man sich über den Papst lustig machen? Natürlich darf man. Er ist genau so menschlich und aus Fleisch und Blut, wie jeder von uns. Deshalb darf man auch ein Bild eines Schiedsrichters veröffentlichen, der aussieht wie der Papst.
Dann fragen wir uns umgekehrt aber: Darf sich der Papst über alle anderen lustig machen? Nun, da müsste man wohl differenzieren. Vernünftig wäre es, wenigstens keine anderen Glaubensrichtungen zu veräppeln. Oder in Zeichnungen Geistliche zeichnen, die nicht gezeichnet werden wollen. Das ist auch blöd.

Einer Glaubensrichtung das Existenzrecht abzusprechen, das hingegen geht.

"Nur in der katholischen Kirche besteht die von Jesus Christus begründete Kirche weiter" wird da in einem offensichtlich wichtigen Papier behauptet. Die reformierten Kirchen laufen seither Sturm, denn ihre Kirche wird als inexistent abgestempelt. Genau genommen ist sie sogar illegal, will man dem Zweiten Vatikanischen Konzil Glauben schenken.

Glauben schenken - witziges Wortspiel.

Denn zu glauben hat man - ist man Schiri Razinger hörig - auf dieser Welt gefälligst nur an die Kirche Jesu Christi und die geht einzig und allein aus der katholischen Kirche heraus. Alle anderen müsen Heuchler sein. Säcke! Was fällt denen eigentlich ein? Was kümmern sich diese 99,9% der Menschen ständig um diesen blöden Frieden, wo man sich als Exponenten von Diktaturen und Militärregimes doch so viel Mühe gibt, ein bisschen Krieg zu haben auf dieser Welt. Da kommt der Ruf aus Rom natürlich gerade richtig. Endlich spricht einer ein Machtwort und stellt diesen langweiligen Weltfrieden mal so richtig auf die Probe. Die Rüstungsindustrie wird es Herrn Razinger danken. Allen anderen bleibt nur das Kopfschütteln. Wer - fragen sie sich - wer genau steht hier im Offside?
Wer es trotzdem genauer haben will: Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz