Noch vor ein paar Jahren beschwerte man sich hierzulande über viel zu teure Einzelpreise und Abonnemente von Tageszeitungen. Tatsächlich verlangt beispielsweise die Aargauerzeitung heute noch 400 Franken für ein Jahres-Abo, einschliesslich Sonntagsausgabe - ob man die jetzt will oder nicht. Doch es raschelt wieder mächtig im Blätterwald. Dann bescherten uns die Verlage Gratiszeitungen wie Sand am Meer und unsereiner fragte sich verwundert, wie sowas möglich ist, wo ein "Blick" fast gleich aussieht aber 2 Stutz kostet. Es sei eine Frage der Zeit, bis der Blick auch nichts mehr kostet, frohlockte ich im Goggiblog und erhielt postwendend eine Mail, dass dem nie und nimmer so sein würde.
Ab dem 2. Juni ist es nun doch soweit. Der morgendliche Blick kostet zwar immer noch etwas, aber die Abendzeitung "heute" die auch aus dem Hause Ringier stammt, wandelt sich zum "Blick am Abend" und kostet den Käufer: Nichts. Dies sei der erste Schritt zum Gratis-Blick, steht nun überall geschrieben, was aus der Chefetage von Ringier nur noch halbherzig dementiert wird. Der richtige Blick stelle immer noch einen Mehrwert dar, bla bla bla, ich sage da nur: Ätsch, ich hab's doch gewusst. Und genüsslich blättere ich in der Online-Ausgabe der AZ, die mich auch nichts kostet und frage nicht unschelmisch in die Runde: Ja wo liegt eigentlich der journalistische Mehrwert, wenn das Zeug nichts mehr kostet?
Ob der neue Blick am Abend (und damit statt heute-online.ch auch blickamabend.ch) eine Bereicherung darstellen wird und ob immer noch so tolle Beiträge wie der vom 26.Mai (links auf dem Bild) zu finden sein werden, sehen wir ja dann. Ringier fragen wir lieber nicht an - es könnte sein, dass die Auskunft nicht lange standhält und vielleicht wird ja plötzlich ein Kässeli an die Verteilkästen geschraubt, für freiwillige Spenden.

