Montag, 26. April 2010

Heute ist Titten-Tag

Es war eine belustigende Bemerkung in ihrem Blog, eine unbedachte Aussage, die ein Bloggerin in Anlehnung an eine Pressemeldung machte. In dieser stand, dass der muslimische Kleriker Kasem Sedighieine eine Erklärung für Erdbeben gefunden habe: das zur Schau stellen weiblicher Brüste führt nach seiner Theorie dazu, dass junge Männer unkeusch würden und zu Unzucht getrieben werden, was letztlich zu Erdbeben führe.

And the boobquake experiment has begun...

Die Amerikanische Studentin Jen McCreight schrieb daraufhin in ihrem Blog, sie wolle den wissenschsftlichen Beweis antreten, dass weibliche Titten gar nicht zu Erdbeben führen können. Sie rief die (weibliche) Bloggerinnen- und Fan-Gemeinde auf, heute, am 26. April 2010 das schärfste Teil anzuziehen, das sie in ihren Kleiderschränken finden würden. Und gefunden hat sie einige. In der entsprechenden Facebook-Gruppe haben sich schon über 60'000 Frauen dazu bekannt, heute den ganzen Tag ihre Möpse tanzen zu lassen. Falls das Experiment gelingt und es zu keinem relevanten Erdbeben kommt, dürfen die Teilnehmerinnen sich fortan mit einem der vier Surviver-T-Shirts kleiden - was in meinen Augen und angesichts der dadurch züchtig verborgenen Brüste sehr, sehr schade wäre. Jen, selber nicht unauffällig mit Naturgewalten bestückt, hat mit der Aktion ansich gar nicht viel am Hut, wie sie in ihrem Blog erklärt. Vielmehr waren es die unzüchtigen Fliehkräfte der Bloggemeinschaft, unkontrollierbare Vorgänge sozialer Netzwerke, die Jen und ihre Blödelidee ins Rampenlicht gerückt haben. Im prüden Amerika stösst die Idee denn auch nicht bei allen Damen auf grenzenlose Gegenliebe. Der Einladung zum boobquake experiment haben inzwischen über 260'000 Damen höflich durch einen Klick abgesagt, weitere 500'000 Frauen wollten sich bezüglich Teilnahme an der Augenweide einer Veranstaltung nicht äussern.

Die Welt wird frecher

Manche der absagenden Frauen sehen in der Aktion eine Respektlosigkeit gegenüber der Religion. Dass aber jede Art von Religion gegenüber der harten Realität stetig an Boden verliert, muss aber auch den Hardcore-Gläubigen zu Denken geben. Das Boobquake experiment sollte man denn auch nicht als Angrif auf die Religion nasehen, sondern vielmehr als Hinweis, dass die Denkweise von Glaubensvertretern irgendwo im vorletzten Jahrhundert stehen geblieben ist. So soll das Bild links auch verstanden werden. Es stammt übrigens nicht aus meinem Photoshop und Gerüchte darob, es handle sich überhaupt nicht um eine Bildmontage, kann ich weder bestätigen noch dementieren.

PS. Falls jemand Bilder vom boobquake experiment hat: bitte zeigen :-)

Kommentare:

klaeui hat gesagt…

jen quasalt da noch was von twitter und bilder ... hier

Kyri via hat gesagt…

Nein, es ist eben nicht Tittentag! Und die Aussage der bloggenden Skeptikerin Jen McCreight (http://www.blaghag.com/) war auch nicht unbedacht. Nur mit zweierlei rechnete sie nicht: Mit einer weltweiten Resonanz auf ihren satirisch gemeinten Vorschlag, die "Hypothese" des durchgeknallten Klerikers zu überprüfen. Und mit Reaktionen von Lesern, welche offenbar derlei Kampagnen in erster Linie mit anderen Organen als dem Hirn verarbeiten.

Leo via Zitig.ch hat gesagt…

@Kyri. Sag mal, bist du eine Kampflespe, oder beinhaltet dein Leben kein bisschen Freude? Bei der Sache könnte es sich auch um eine Werbekampagne handeln, wer weiss das schon ist doch egal. Aber wenigstens sollte man sich nicht darüber ärgern sonder darüber lachen, nicht langweilige Spassbremse sein.

Kyri via Zitig.ch hat gesagt…

@Leo: Für eine Kampflesbe habe ich das falsche Geschlecht... Die Boobquest-Kampagne ist intelligent und witzig, sie verdient es schlicht nicht, auf das Etikett "Tittentag" reduziert zu werden. Wer Jen McCreights Botschaft derart reduziert, tickt letztlich genau gleich wie Kazem Sedighi.

Leo via Zitig.ch hat gesagt…

@Kyri! Im Artikel schreibt Goggi sehr pointiert über die Aktion, Witzig und mit einem Augenzwinkern, wie man sich das von ihm gewohnt ist. du nimmst das viel zu ernst ich glaube nicht das Jen eine tiefe Botschaft vermitteln will.

Kiry cia Zitig.ch hat gesagt…

Ja, der Artikel ist ausführlicher als der Teaser, doch auch der wird weder der Initiantin noch der Sache gerecht. Die Ablehnung der Kampagne durch einige Frauen hat nichts mit dem «prüden Amerika» zu tun (nur schon, weil sich gerade iranische Regime-Kritikerinnen für andere Protestformen ausgesprochen hatten), einige Boobquake-Kritikerinnen waren einfach besorgt, dass die Aktion sie auf das reduziert, was Goggi schlagzeilenwürdig und search-engine-optimierend scheint - nicht zu unrecht offenbar... Sie riefen deshalb zu einem «brainquake» als Alternative auf. Damit lässt sich der Kleriker-Kampagne natürlich nicht der Wind aus den Segeln nehmen. Doch sie haben Recht behalten, dass Jens Botschaft von einigen liebend gerne missverstanden wird.

Goggi hat gesagt…

Darf ich dazu auch noch was sagen? :-) Also erstens ist es nicht mein Problem, wenn eine Botschaft nicht richtig rüber kommt. Wenn jemand das Bedürfnis hat dass seine Botschaft verstanden wird, soll er sich halt mehr Mühe geben. Und zweitens: Man kann ja wirklich aus jedem Spass ein Politikum machen.

Der 1. Mai ist ein vergleichbares Beispiel. Ursprünglich gedacht als Tag, an dem der soziale Gedanke im Vordergrund steht und ein Tag der den Arbeitenden gewidmet ist. Und was ist er heute? Der Tag an dem Zürich zerstört wird und Pflastersteine und brennende Container im Zentrum stehen. Es gibt einfach zu viel bitterernste Menschen auf dieser Welt.

Übrigens, falls "Zweitens" einer Fehlinterpretation meinerseits entspricht, bitte "Erstens" nocheinmal lesen.