Mittwoch, 24. Juni 2009

Der 2x-Klingeln-Lassen-Trick

Wenn der Postman zweimal klingelt, hat man genug Zeit sich noch zurecht zu machen, bevor man die Tür öffnet. Geduldig wartet der Mann und erst wenn wirklich niemand zu Hause ist, wird man gebeten, sich was-auch-immer am Postschalter abzuholen. Viele Leute kennen auch ein Zurechtmachen, wenn das Telefon klingelt. Man inspiziert die Nummer der Anrufers, der sich anschickt zur Mittagszeit anzurufen, wirft einen fragenden Blick in Runde - und dann ist es leider schon zu spät. Denn nach zweimal Klingeln ist der Anrufer schon wieder weg.

Vermutet man die Einsicht des Anrufers, dass die Mittagszeit nicht zu stören sei, liegt man jedoch falsch. Der Trick des 2x-Klingeln-Lassens ist nämlich ein mieser Verkaufstrick, der zur Zeit von Krankenkassen vermehrt angewendet wird. Und das geht so:

Ein Computer wählt eine zuvor definierte Liste von Telefonnummern und lässt es beim Empfänger zweimal klingeln. Manchmal wird auch aufgelegt, obwohl der Empfänger abnimmt. Die unauffällige Nummer mit der Vorwahl 043 auf dem Display lässt auf einen Privatanschluss schliessen, weshalb man einfach mal zurückruft - könnte ja wichtig sein. Am anderen Ende meldet sich jedoch nur ein Verkaufsberater einer Krankenkasse, der nun auf Telefonkosten des möglichen Kunden ein Verkaufsgespräch führen will. Dadurch hält sich auch der personelle Aufwand in Grenzen: Nimmt wider Erwarten ein Angerufener sein Telefon ab bevor es zweimal klingelte, meldet sich bei ihm eine Stimme ab Band, die den Anruf an den "nächsten freien Mitarbeiter" weiterleitet.


"Man spekuliert hier ganz gezielt auf die Neugier des Angerufenen" sagt Maria F.*, die sich jahrelang im Dienste einer Krankenkasse auf die Suche nach neuen Kunden gemacht hatte. Sie habe sich immer freundlich vorgestellt und den Leuten erklärt was sie mache. "Der Aufwand war enorm und es gab Tage, an denen ich drei Stunden auf eigene Kosten telefonierte und nichts verkaufen konnte". Maria F. kann es nachvollziehen, dass man als Vermittler auf Provisionsbasis versucht seine Kosten zu senken. "Diese neue Mode" sagt sie, gehe aber zu weit.

Am Anfang seien es nur ein paar Verkäufer gewesen, die den "2x-Klingeln-Lassen-Trick" brauchten. Heute hat das Vorgehen Programm: Nämlich ein Computerprogramm. Reto M.* hat es lange Zeit selber angewendet: "Man schliesst sein Telefon an den PC an und lässt diesen zehn Nummern nacheinander wählen. Nimmt jemand ab, zeigt es mir das Programm an und ich kann den Anruf entgegen nehmen oder in eine Warteschlaufe schicken, in welcher der Anrufer hingehalten wird.

Ein Drittel ruft zurück

Dass es aber jemand schafft, vor dem zweiten Klingeln den Anruf anzunehmen ist eher selten. "Nach zweimal Klingeln legt legt der Computer auf", bestätigt Reto M. und ergänzt, dass etwa ein Drittel der Angerufenen innerhalb der nächsten Stunden zurückrufen. Er habe damit aufgehört, weil viele Leute im Internet nachschauen, woher der Anruf kommt. Zwar seien viele der Nummern heutzutage gar nicht mehr im Telefonbuch, doch mit etwas Geschick findet man trotzdem heraus, welcher Werbebotschaft man nicht zurückrufen soll. Hier zwei Tipps, wie man sich den unnötigen Rückruf auf eigene Kosten sparen kann:

- Nummern von Verkaufsfirmen haben oft 0848-er Nummern, aber immer öfter werden auch unauffällige 043-er Nummern verwendet. Die Nummern bestehen meistens aus einer einprägsamen Zahlenkombination - aber auch das ist längst nicht mehr die Regel. Achtung: Ein solcher Rückruf ist immer kostenpflichtig! Man kann sich ruhig zum Grundsatz machen: Wer etwas von mir will, soll nochmal anrufen!

- Im elektronischen Telefonbuch (http://tel.local.ch/de) kann man herausfinden, wer angerufen hat. Voraussetztung dafür ist, dass die Nummer nicht aus dem Telefonbuch gelöscht wurde - was übrigens alle mit ihrer Nummer machen können. Erscheint kein Ergebnis, ersetze manbei der Suche die hintersten Ziffern der fraglichen Nummer durch einen Stern (*). So findet man wenigstens heraus, aus welcher Firmenzentrale oder aus welcher Region der Anruf stammt.

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