Donnerstag, 11. Juni 2009

STURM - Ein Laientheater macht Furore

Sturm der Gefühle? Oder nur ein Sturm im Wasserglas? Vor eineinhalb Jahren stellte Marianne Kamm den Mitgliedern des Ensembles im Remise Theater 5406 die anspruchsvolle Aufgabe, jeder solle anhand mehr oder weniger bekannter Zitate eine eigene Figur charakterisieren. Aus diesen Zitaten entstand keine eigentliche Geschichte, vielmehr eine Momentaufnahme einer Gruppe Individuen, die auf der Brücke eines Schiffs in den Sturm ihrer Gefühle gerät. Mit ihren Sorgen, Wünschen, Träumen und Lügen. Dem Zuhörer wird dabei eine grosse Freiheit geboten, seinen eigenen Reim auf die Bedeutung der Aussagen zu machen. Die Höhepunkte des Abends sind somit über 90 Minuten verteilt und werden immer dann erreicht, wenn man sich die vorzüglich vorgetragenen Zitate am liebsten aufgeschrieben hätte. So kichert mal einer, wenn der tölpelhafte Professor Wendelhuber (Claude Cimma) Insekten mit seiner Frau in Zusammenhang bringt, ein anderer erfreut sich am entstandenen Zitatenspiel, wenn Sebastian (Rinaldo Pajarola) mit der angebeteten Olga (Joy Wernli) sich wortakrobatisch auseinandersetzt - ohne dass die beiden wirklich miteinander reden.

Einen eigentlichen Star gibt es nicht in diesem Stück. Regisseurin Marianne Kamm und ihre Darsteller haben es verstanden die Zitate perfekt auf ihre Rollen zu übertragen. Als Zuschauer verliert man sich mal im tieferen Sinn des Gesagten, mal erkennt man sich mit angezogenen Mundwinkel darin wieder. Etwa in Herrn Zitzewitz (Jan Hellart) der mit Witz, Verstand und angenehm warmer Stimme zur Unterhaltung der Gesellschaft beiträgt. Oder im Dienstmädchen Jenny, die immer höflich da ist, der aber nichts entgeht, was die Passagiere der HMS Aurora so schwatzen. Wie auch nicht dem namenlosen Matrosen (Benjamin Isler) der seine Rolle so gut spielte, dass es bereits nach der Premiere Anfragen gab, ob der Mann auch im wirklichen Leben sich die Buchstaben im Mund verdrehe. Auch die weiteren Rollen überzeugen: Der adrette Kapitän (Vaslav Varoslav) hat die Sturmfahrt wortgewandt im Griff, Selma Winter (Ruth Rohr) gleitet wunderbar leicht über das Hauptdeck, Pöstlerin Lotte Spatz (Monika Peter) nimmt's wie die Post nicht allzu schnell und die Gräfin (Ruth Busslinger) sagt unverdrossen: Ihr könnt mich alle mal! Auch ein schönes Zitat.

Die heitere Weise wie das Theater STURM mit lauter zusammengewürfelten Zitaten vorgetragen wird und die sympathische Stimmung auf der kleinen Bühne, trösten über die engen Platzverhältnisse hinweg und als Besucher verlässt man die Remise mit der zufriedenen Gewissheit, bestens unterhalten geworden zu sein. Gespielt wird noch im ganzen Monat Juni, Reservation wird dringend empfohlen, denn die ersten Vorstellungen waren bislang sehr gut besucht.

Weitere Aufführungen:

Mittwoch, 17. und 24. Juni,
Freitag, 12./19. und 26. Juni,
Samstag, 13./20. und 27. Juni,
Beginn jeweils 20.15 Uhr
Remise-Theater, Kirchgasse 16,5406 Rütihof (Anfahrt beschildert)
Reservationen und Infos unter Tel. 079 247 81 31

Kommentare:

Dani hat gesagt…

Leider kann ich keine Vorstellung besuchen, da es viel wichtigere momentan in meinem Leben gibt. Werde demnächst Vater, vielleicht morgen schon.
Aber wenn ich daran denke wie das Musical Space Dream genoren ist, dann gebe bin ich überzeugt, dass dieses "Laientheater" ebenfalls für Fourore sorgen wird.
Space Dream wurde ja anfänglich auch von Laien irgendwo auf dem Mutschellen oben vorgeführt.
Sin wir Aaraguer gut, was :-)

Benjamin hat gesagt…

Hallo Goggiblogger



Ouw! Das ist ja eine sensationelle Kritik. Das spornt uns für die verbleibende Spielzeit noch mehr an.

Es grüsst vom kurzen Landurlaub

Der namelose Matrose vom „Sturm“ Schiff