Freitag, 4. Juni 2010

Berner Amts-Gesindel

Gerne hätte ich das Übergerschriebene freundlicher formuliert, doch leider ist mir auf Anhieb kein Wort eingefallen, das dem neuen Angefordere der Geschlechtsneutralitätsschaft gerecht würde. Wie Ihr alle sicher bemerkt hab, ist in diesem Artikel bisher alles unleserlich, dafür aber unsexistisch, weil geschlechtsneutral geschrieben.

DER Blogger, DER Leser und DER Mensch fällt als Anrede aus der bisher zu männlich-sexistischen Schreibweise genauso weg, wie DIE Leserschaft oder DIE Mehrheit. Geht es nach dem Willen der Stadt Bern, muss alles spezifisch Männliche oder Weibliche aus dem Vokabular der Amtsschriften verschwinden. Es besteht kein Anspruch auf Umkehr-Recht nach Jahrtausenden von männlich dominierter Schreibe! So heisst es zum Beispiel nicht mehr

nicht "Fussgängerstreifen", sondern "Zebrastreifen"
nicht "der Elternteil", sondern "das Elter"
nicht "die Mannschaft", sondern "das Team"
nicht "die Pfanne"sondern "das Kochgeschirr"
nicht "Berner Sport Club Young Boys", sondern "Berner Sport Team Young People"
nicht "Kundenberatung", sondern "Kundschaftsberatung"
nicht "Arztpraxis", sondern "Praxis für Allgemeinmedizin"

So revolutionär die neue Regelung zu sein scheint, so inkonsequent ist sie. "Praxis für Allgemeinmedizin" ist doch sicher gleich doppelt weiblich. Ganz richtig müsste es heissen: "Haus für Gesundheitswesen". Und dass ein Wort, das bisher aus dem männlichen Wort "Kunde" und dem weiblichen Wort "Beratung" ins rein weibliche "Kundschaftsberatung" umgebaut wird, lässt nur den Schluss zu, dass es sich beim Amtsschimmel (sorry: Amts-Gesindel) in Bern um Idioten handelt. Tschuldigung: Um "Personal mit beschränktem Auffassungsverstäntnis", wie es geschlechtsneutral wohl heissen wird. Diese dringend nötigen Neuerungen wurden natürlich noch vor der eher nicht so diskriminierenden Lohnungleichheit beschlossen... wahrlich ein Meilenstein der Menschheit - pardon: ein Zwischenziel des Volkes.

Berner Zebras sind gelb

Selbstredend, dass sich Widerstand regt gegen die neue Regelung. So haben eine Handvoll Tiger heute Morgen eine Petition lanciert, die gegen die Diskriminierung ihrer Spezies vorgehen wollen. Sie finden Zebrastreifen nämlich diskriminierend. Auch der Interessenverband für Strassenübergänge möchten zur gleichberechtigten Integration der Strasse lieber ein "Strassenüberquerungsmittel" sehen. Gleichzeitig hat der Schweizerische Blindenbund eine Anfrage deponiert, ob auf Zebrastreifen denn auch Blindenhunde erlaubt seien und wie vorzugehen sei, wenn ein wehrloser einzelner Streifen mal von einem wilden Tier gerissen werde, oder sich von der Herde entfernt und quasi wilde Übergänge markiert. Dies wiederum hat den Tierschutzverband auf den Plan gerufen, der beim Begehen eines Zebrastreifens einen symbolischen Angriff auf die Würde des Tieres sieht. Weiter wird auch von der Künstlerinnen- und Künstlervereinigung Bern (neu: DAS Berner Kunstgehäufnis) verlangt, dass Zebrastreifen einer Umgestaltung in Farb und Form unterzogen werden, schliesslich seien in der Natur Zebrastreifen weder gerade, noch gelb. Zu Letzterem hat sich die Berner Amtsschimmelstelle bereits geäussert. Man habe im Bärengraben die Bären Finn und Björk bereits umbemalt und ihnen ein gestreiftes, geschlechtsneutrales blau-rot verpasst. Allerdings sehen Gegner dieser Farben den FC Basel im Bären vertreten und auch die Zerbastreifen-Aktivisten sehen sich auf den Plan gerufen - ein Teufelskreis! Die beiden jungen Bären folgen jedenfalls etwas später, wobei deren Namen (Urs und Berna) vorsorglich aus den Geschichtsbüchern durch ein Neutrales "Dings" und "Bums" ersetzt würden, hiess es aus Bern.

So liebe Berner. Ich freue mich schon mal auf den Auftritt in der Fussball Champions League des BSC Young Boys (neu: Berner Sport Team Young People) - ein Glück wird die Amtssprache bei Euch nicht auch noch eingedeutscht, sonst hiesse das jetzt "Berner Ertüchtigungs Vereinsgebilde Junges Volk" - voll originell!

Kommentare:

sam hat gesagt…

haha zu geil

Chris hat gesagt…

Ich glaube so eine Aktion kostet mehr als 10'000 Franken (Stand irgendwo)

Ich meine: Nur der Alk um auf so einen Idee zu kommen kostet massiv mehr.

Harald Jenk hat gesagt…

Man sollte den Einfluss der Sprache auf das Denken nicht unterschätzen. Früher schrieb man zum Beispiel in den Zeitungen auch von einem Verkehrsunglück und nicht von einem Verkehrsnfall. Da es dann zu viele solche Unglücke gab, wurde diese zu Unfälle verharmlost, während man bei Schiene und Luftfahrt immer noch von Verkehrsunglücken schreibt. Auch die Atomlobby hat versucht das Image der Atomkraftwerke durch Umbenennung in Kernkraftwerke zu verbessern. Ich finde es deshalb richtig, dass Ämter bei der Wortwahl auf möglichst geschlechtsneutrale Formulierungen achten.

dan hat gesagt…

Das Ganze ist hirnrissig!

Es ist ja bekannt, dass der Stapi dem Ethanol nicht abgeneigt ist, aber das es gleich so schlimm kommt...

nie hat gesagt…

Hopp YP!

Roli Marti via facebook hat gesagt…

In deinem Blog steht auf den ersten zwei Zeilen schon mehr Sinnvolles als auf dem ganzen 24-seitigen (nicht wie vielerorts vermeldet 12) Elaborat dieser unterbeschäftigten Beamten-Emanze. Die sollte sich ihre Büstenhalterin ablegen, DAS Habit anziehen und Nonnin werden.

Andy hat gesagt…

Also unser neuer Sportklub gefällt mir gut:-)