Mittwoch, 24. September 2008

Kindergarten SVP

Obwohl das Rüstungsprogramm der Schweizer Armee in meinem Sinne abgelehnt wurde, ist die Vorgehennsweise der Nationalräte, insbesondere der SVP angehörend, schlicht ein Skandal. Die Parteimitglieder vereinigten sich mit der Linken zu einer "unheiligen Allianz" und schickten das von Bundesrat Samuel Schmid vorgeschlagene Rüstungsprogramm zurück in den Ständerat.

Kurios, denn die SVP findet ein paar Kampfjets und die allerneuste Generation von Waffengewalt in unserem gänzlich unbedrohten Land nämlich dringend nötig: Alle vorgängigen Anträge der SP, darunter jener, die Modernisierung der Luftwaffe um mindestens ein Jahr zu verschieben, wurden von der SVP klar abgelehnt. Mit dem Nein zum ganzen Paket nehmen es die Politiker in Bern in Kauf, den immer wieder strapazierten Volkswillen zu ignorieren, und stattdessen ihre politische Macht dafür zu missbrauchen, den unbeliebten Bundesrat Schmid zu verjagen. Dieser würde nämlich - so Politexperten - nach Ablehnung des Programms gezwungen sein, zurückzutreten. Oder anders ausgedrückt: Die SVP provoziert durch ihr Handeln Kosten zu Lasten des Steuerzahles und wird das Paket erst dann annehmen, wenn Schmid weg ist.

Damit steht fest: Die Schweizerische Volkspartei missbraucht unter dem Deckmäntelchen des Volkswillens ihre politische Macht, auch wenn sie vordergründig behauptet, das Rüstungsprogramm habe hier und da Schwächen. Es geht ihr einzig und allein darum, den beim Volk beliebten Bundesrat Schmid zu stürzen. Und das hat mit Volksvertretung nichts mehr zu tun, sondern ist reiner Kindergarten.

Sonntag, 21. September 2008

Des Lebens magere Ausbeute

Wann wird die Wahrung von Interessen zum bösen Kampf der Emotionen? Ab wann ist dem Urteil der Parteien nicht mehr zu trauen? Können Gefühle und sachliche Argumente unter einen Hut gebracht werden? Ist die Verlockung nicht gross, das eine mit dem anderen zu verwechseln?

Der Umgang mit Menschen, war immer einer meiner besonderen Eigenschaften. Ich habe erlebt, wie die funkelnden Augen einer Pensionärin die gleiche Freude ausstrahlen, wie die eines Babys und ich war immer in der Lage, Situationen richtig einzuschätzen und die passenden Worte zu finden. Die Wiese bliebt so nicht länger grün, sondern heimatlich, der Himmel bedeutet nicht Wetter, sondern Lebenslust und die fröhlich duftende Luft, Aufbruch zu Neuem!

Doch wie Donnergrollen legt sich so oft der Mantel der Unbarmherzigkeit über das, was unser Leben ist. Nichts, was Wärme darstellt, Heimat, Liebe, Existenz, scheint mehr im richtigen Licht. Wo andere mit ihrem Verlangen nach Mehr sich durch mein munter gezeichnetes Bild der Schönheit fressen, ist bald kein Aufhalten mehr. Gierig stürzen sie sich wie Geier über die Beute, die nur sein wollte, lebendig und farbig.

Alles nur ein Konstrukt der Fantasie? Sowohl, als auch? Sind wir nur da um zu sein? Um mit dem Mächtigen zu Dealen, nicht der Erste zu sein, der gehen muss? Ist das der Höhepunkt aller Erwartungen?

Würde das Böse auf der Stelle verschwinden - die Welt würde untergehen. Ein wunderschönes Wochenende ist vorbei - mit anschliessendem Vortrag des Teufels persönlich, gekleidet mit dem Mantel der Unbarmherzigkeit, runzlig und verbittert. Aber ohne den, wüssten wir das Schöne gar nicht zu schätzen.

38 Jahre Goggiblog


Jetzt ist es definitiv: Ich bin ein alter Sack. Und übrigens auch monsieur fischer und Frau Kafka. Wir drei haben nämlich schon vor über 38 Jahren gebloggt, genauer: einander verlinkt, wie ein Blick auf die internationale Meldestelle "Technorati" beweist. Seit Wochen finde ich dort keine "blog reactions" mehr also wollte ich wissen, ob das bei anderen Blogs auch so ist. Reaktionen fand ich dann bei monsieur fischer's Listing und auch gleich mit der Grund, warum ich bei Technorati sozusagen nicht mehr existiere: Meine letzte Verlinkung zu Fischer's Blog ist nämlich 14'143 Tage her, oder genau am 1. Januar 1970. Auch Frau Kafka ist schon ein alter Hase, wie das Bild rechts eindeutig beweist!

Na dann: Wer kommt zu meinem 80. nächste Woche? Es gibt Bananen-Brei und Pudding.

Freitag, 19. September 2008

Good Bye Slug?

Rücktritt vom Rücktritt. Wo soll das denn hin führen?

Gerüchteweise hiess es in der Vergangenheit immer wieder, Benny Rüegg, der Admin von slug.ch wolle die Seite verkaufen, oder einfach schliessen. Gestern nun war Schluss mit Lustig, auf der Startseite fanden sich verabschiedende Worte - die aber nur temporäre Gültigkeit zu haben schienen.
Jedenfalls macht es den ursprünglichen Text dieses Beitrages sowas von überflüssig ;-)


Donnerstag, 18. September 2008

Rauchzeichen des Tages

Mit 89 zu 88 Stimmen hält der Nationalrat an seiner Position fest, Raucherrestaurants und -bars zuzulassen. Bundesrat Couchepin und die Mehrheit des Ständerats wollten zuvor das Rauchen in Restaurants verbieten.

Was ich nicht ganz verstehe: Warum lässt man Beizen nicht öffentlich anschreiben: "Wir sind eine Raucher-Beiz" oder "Raucher Nein Danke". Dann wird man schon sehen, wo mehr Leute hingehen. Oder ist das Parlament neuerdings dafür zuständig, die Bevölkerung vom Gruppenzwang zu befreien?

Dazu fällt mir folgende kleine Anektode ein, passiert vor ein paar Tagen im Migros-Restaurant Wynencenter Buchs: Ein Mann, umzingelt von sechs Damen, referiert darüber, dass man heutzutage hingehen kann wo man wolle: Da wo am lautesten geredet und gelacht werde, seien immer diese stinkenden Raucher. Das sagte er mit einer dermassen grossen Überzeugung, dass die Damen alle kleinbei gaben - Oder ich sie einfach nicht verstanden habe. Die Gruppe sass nämlich vier Tische weiter hinten und gehört hat man nur den Nichtraucher...

Super Angebot - Sofort zugreifen!

Das Sonderangebot des Tages kommt heute von "Thurgau Travel" in Weinfelden. Den Einzelkajütezuschlag auf der "Orient Pandaw", im Schiff quer durch Vietnam und Kambotscha gibts beim Thurgauer Reisebüro zum unschlagbaren Preis von nur 990 Franken statt 990 Franken. Da muss man einfach zugreifen!

Was mich an solchen Pauschal-Reisen noch viel mehr ärgert: Der Kunde wird irgendwie an der Nase rum geführt. Eine Woche Gran Canaria kostet für Kurzentschlossene hier und da 799 Franken. Ein Preis der bei manchem hochnebel-frustrierten Mittelländler Ferienträume weckt. Im Kleingedruckten dann aber die böse Überraschung:

Reiseversicherung: 79.-
Flughafentaxe 35.- pro Flug
Kerosinzuschlag 39.-
Auftragsgebühr 35.-

Und schon kostet die Reise über eintausend Franken, oder satte 28% mehr als der verlockende Preis, der mit grossen Ziffern quer über dem Sandstrand klebt.
Ist das nicht eine Art Beschiss? Das wäre ja, als müsste man an der Migros-Kasse einen In-Der-Schlange-Stehen-Zuschlag bezahlen und eine Taxe für den erhöhten Stromverbrauch gekühlter Esswaren berappen.

Ganz so abwägig ist das aber gar nicht. Die Schweizerischen Bundesbahnen wollten ein schnell wieder eingetsmpftes Projekt der Deutschen Bahn aufgreifen, wonach eine Taxe zu verlangen ist, wenn die ihre Fahrkarte nicht am Automaten, sondern am Bahnschalter gekauft wird*. Was natürlich dumm gewesen wäre, weil man an den Billiet-Schaltern alles andere als beraten wird: Wenn man sich als Kunde nicht selber schlau macht, fällt dem Beamten hinter der Glaswand nämlich nicht ein, dass für Kinder eine Tageskarte die günstigste Art ist zu reisen ist... Allerdings fällt das dem Ticket-Automaten ja auch nicht ein, womit der Spruch "Der Kluge fährt im Zuge" eine ganz neue Bedeutung gewinnt und eigentlich der Bahnreisende - als der Klügste in der Kette - eine Belohnung für seine Selbstberatung kassieren sollte.

Bleibt zu hoffen, dass die Zeit kommt, in der man verreisen kann und den Preis zu sehen bekommt, den man tatsächlich zahlen muss. Wie in der Migros.

*danke bianca und Peter Schneider für den Hinweis in den Kommentaren, ich habe die Passage angepasst.

Montag, 15. September 2008

Fussball-Diktatur Schweiz

Bundesrat Samuel Schmid soll eine Menge Prominenz an einen Runden Tisch gerufen haben, die über mehr Sicherheit in Sportstadien beraten sollten. Raus gekommen ist ein Papier, das heute teilweise im "Tagesanzeiger" veröffentlicht wurde. Fazit aus der Sicht eines gewöhnlichen Fussball-Fans: Da sassen lauter Hohlköpfe am Tisch!

Unglaubliches ist der Zürcher Tageszeitung zu entnehmen: Wenn es nach den "Experten" geht, sollen künftig alle Stadionbesucher einen Fan-Pass mit Bild und persönlichen Daten auf sich tragen. Dieser soll den reinen Leumund des Besitzers beweisen. Wer nicht freiwillig einen Pass löst, zahlt mehr für Getränke und was noch schlimmer ist: er wird zum Vornherein als potentieller Gewalttäter abgestempelt - egal ob dieser einfach keine Lust hat, seine Daten an jeder Ecke preis zu geben, oder ob er einfach ein Besucher ist, der zum ersten Mal ins Stadion geht. Die Fans sollen ausserdem weiträumig per Video erfasst werden.
"Die Zuschauer werden vor, während und nach Spielen von biometrischen Systemen erfasst und die so gewonnenen Bilder mit den Informationen in der Hooligandatenbank und Videoaufzeichnungen verglichen."
Tagesanzeiger
Als äusserst befremdend hält dieses Vorhaben Marcel Studer, der Datenschutzbeauftragte der Stadt Zürich. Auch Hanspeter Thür, der auf eidgenössischer Ebene für die Datensicherheit zuständig ist, wird in seinem Bericht kaum vor Begeisterung strotzen. Dieser erscheine aber erst in einer Woche, so der "Tagesanzeiger" weiter, und Thür wollte sich zu diesem Fall noch nicht äussern. Um so mehr dürfte noch mancher die Stirn runzeln, weil die fehleranfälligen Daten nicht nur unter den kantonalen Polizeiorganen ausgetauscht würden, sondern die Bilder und Namen auch Vereinen und privaten Sicherheitsorganen zur Verfügung stehen.

Fehlerhaft deshalb, weil ein Versuch im Berner Eishockey-Stadion zeigte, dass die Fehlerquote bei der elektronischen Erkennung von Gesichtern sehr hoch war. Was aber noch viel nachdenklicher stimmt: Die Hauptbetroffenen der vorsorglichen Datensammlung, nämlich die Vereine, Stadionbesitzer und wenigstens die Vorsteher von Fan-Projekten hörten auf Anfrage des "Tagesanzeigers" das erste Mal von solch haarsträubenden Massnahmen. Dass die diese von "staatlichen und privaten Stellen und Organisationen" beschlossen wurden bedeutet aber noch lange nicht, dass diese was taugen. Wahrscheinlicher ist, dass die Mehrheit deren Mitglieder noch nie in einem Sportstadion einer Mannschaft nachgeeifert hat.

Sollten sich die diktatorischen Massnahmen durchsetzen, müssen wir künftig damit rechnen, an einem Fussballspiel auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden. Wer alkoholisiert ist, oder ohne im Besitz eines Fan-Passes zu sein, den Schiri lauthals als Arschloch betitelt wird abgeführt, fotografiert, des Stadions verwiesen und in einer Randale-Datenbank festgehalten.

Immer wieder ist man bemüht zu sagen, dass die Chaoten nur einen Bruchteil der Fans in einem Stadion ausmachen. Bis auf wenige Ausnahmen, findet die Randale denn auch ausserhalb des Stadions statt. Die geplanten Massnahmen stehen in keinem Verhältnis zu dem, was man in einem Stadion machen will: Seiner Mannschaft nacheifern, feiern, johlen, auch mal "Scheiss-Luzern" rufen. Doch auch Letzteres führt in Zukunft zur Verhaftung, denn Fans werden nicht mehr durch Sektoren getrennt, sondern sollen in einem freundschaftlichen Miteinander durchmischt werden...

Noch einmal zu meinem Fazit: Lauter Hohlköpfe, die unser Sportminister da zusammengetrommelt hat. Hintergrund dieser Hetzkampagne gegen Fans ist einzig und allein, dass aus den Publikumsmagneten Fussball und Eishockey, Veranstaltungen fürs dicke Portemonnaie gemacht werden, bei denen man geordnet und emotionslos nebeneinander hockt und als höchstes der Gefühle zwischendurch klatschen darf. Die Fan-Kultur, das Ambiente und die Stimmung werden schlicht aus dem Stadion vertrieben . Und nur das kann die Absicht solcher Massnahmen sein. Fehlt nur noch Thomas Gottschalk, der durch den Abend führt...

Weitere Links: 3 sehr lesenswerte Artikel beim fcz-watchblog