Dienstag, 25. August 2009

Gute Menschen

Man will es nicht für möglich halten, doch es gibt offenbar noch Menschen, die Dinge verschenken. Nein, nicht die Krankenkassen, die mit Prämienvergünstigungen locken, obwohl sie eigentlich Prämienschock meinen. Auch nicht der FC Aarau, der seinen Gegnern Punkte und Tore gleich im Multipack verschenkt.
Nein, ich meine die herzensguten Menschen. Typen die einfach mal so ihr neues Auto verschenken. Aus welchem Grund auch immer, tut das derzeit einer auf Piazza.ch. Seit gestern findet sich dort ein VW Golf V Diesel gratis abzugeben.

Wer da wohl dahinter steckt? Vielleicht einer der Kandidatinnen und Kandidaten um den Prix Courage des Beobachters? Da findet sich zum Beispiel Calista Gabriela Fischer, die als selbstlose Gläubigerin nach dem Börsencrash eine Selbsthilfegruppe für geschädigte CS-Millionäre gegründet hat. Tatsächlich, das braucht Mut: Zuzugeben CS-Kunde zu sein und in aller Öffentlichkeit der CS Geld aus der Tasche zu ziehen, die sie dem Kleinanleger und Steuerzahler nie mehr zurückgeben wird.

Besser gemacht hat es da schon Marisa Pralong, die ihren Minimallohn-Job bei Manor auf's Spiel setzte, weil sie im Sommer weniger, dafür in der Weihnachtszeit mehr und vor allem am Sonntag hätte arbeiten sollen. Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 2008 (auch wenn der Beobachter stur behauptet, es geschah alles an Weihnachten 2009), weit vor (oder nach?) der Rezession, also in einer Zeit, in der man dem Arbeitgeber noch problemlos ans Bein pinkeln konnte. Verdient einen Preis. Definitiv.

Ich bin mir nicht sicher, ob solch halbherzige Ernennungen, die wahren Heldentaten anderer nicht sogar abwerten. Dabei hat man mit Bettina Ecklin und der Ursulinennonne Marie-Rose Genoud zwei mutige Damen in der Auswahl, die gegen die Willkür des Amtschimmels bis vor Bundesgericht angetreten sind. Oder Zoran Vasic, Nathalie Mack und Damiano Saitta, die allesamt Menschen davor gerettet haben getötet zu werden. Gerade Letzterer (und mein persönlicher Favorit) gehört zu einer Gruppe Menschen, die in den Medien oft als uninteressiert und gewaltbereit dargestellt wird. Der junge Mann aber hat ein kleines Mädchen aus der Aare gerettet, weil er wachsam und hilfsbereit war. Er stellt für mich eine Art Hoffnungsträger dar. Hoffnung darüber, dass es mit unserer Jugend doch nicht so schlecht bestellt ist, wie die Medien immer berichten. Und Hoffnung auch, dass sensationsgeile Journalisten auch mal das Gute in jungen Menschen erkennen.

Chapeau, junger Mann!

Montag, 24. August 2009

Guten Morgen liebe Sorgen

Endlich ist er vorbei, der mediale Sommer. Die Zeitungen sind nicht mehr dünner als das regionale Pfarrblatt, das Schweizer Frabfernsehen sendet wieder regelmässig Kassensturz, Rundschau und Giacobbo/Müller, und der Pöstler kommt wieder zur gewohnten Zeit, so gegen 15 Uhr. Obwohl längst auf dunkelgrauen Kanälen genossen: Die neuen Staffeln Dr. House, "24" und Dexter, sowie der Rest der 5. Desperate Housewifes-Staffel stehen an und spätestens in einem Monat schneit es hier und Weihnachten steht vor der Tür.

Das Jahr ist also quasi gelaufen.

Nichtsdestotrotz ist auch die Goggiblog-Sommerpause vorbei und es werden nun wieder etwas regelmässiger Artikel und Kommentare erscheinen. Bundesrat Merz wäre grad eine günstige Zielscheibe, oder: warum kleine Firmen nichts von der Finanzkriese spüren. Oder der FC Aarau, der ab kommendem Wochenende zur grossen aufholjagd ansetzt. Ausserdem ist es mal wieder an der Zeit nachzusehen, wer sonst noch die Sommerpause überlebt hat, oder ob sich den 95 Prozent Blogleichen noch ein paar weitere Prozente gesellt haben und ich hier praktisch ins Nichts schreibe, weil ich der letzte Mohiblogger bin.

Aber jetzt ganz ehrlich: Mir ist diese Normalo-Zeit viel lieber als diese Auffahrts-Brüggli hier, verlängerte Osterwochenenden da. Feiertage, die ständig von irgendwelchen Ferien- und damit Ausnahmezeiten begleitet werden. Übrigens, in 4 Wochen sind schon wieder Schulferien. Ein paar Tage Wallis? Nee, geht nicht, ist ja noch Match. Und Generalversammlung. Und Elternabend. Und wenn die Rechnungen bezahlt wären, bliebe eh nichts mehr übrig.

Wie sang es Jürgen von der Lippe: "Guten Morgen, liebe Sorgen, seit ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen, ja dann ist ja alles klar. (dummdidumm)" - Ganz ohne Sorgen, wär's doch echt langweilig, oder?

Dienstag, 18. August 2009

Die Schlagzeilen des Tages

Medienguru Rupert Murdoc will die Angebote aus seinem Konzern künftig nur noch beschränkt kostenlos anbieten und will für alles was über die Schlagzeile und den Anreisser hinausgeht Geld kassieren. «Wir haben vor, für die Nutzung aller unserer Nachrichtenseiten im Internet in Zukunft Geld zu verlangen», sagt er. Ähnlich funktionieren hierzulande schon die Gratiszeitung. Man erhält die Schlagzeilen des Tagen, ein paar allgemeine Informationen - Tiefgrund oder Fortsetzung gibts nur beim Kauf der Bezahlversion der Zeitung.

Bei der Durchsicht der heutigen Schlagzeilen des Tages die mir täglich in die Mailbox flattern frage ich mich aber, wozu ich eine Zeitung bezahlen soll. Mehr noch: warum soll ich die Meldung hinter der Schlagzeile überhaupt lesen? Die gemütliche Lektüre hat nämlich zwei Dinge ergeben. Im Artikel stand genau das, was der Titel schon verpetzte und nach dem Lesen des Artikels wusste ich nicht viel mehr, als vor dem Lesen des Artikels. Hier die Schlagzeilen:

Hybridfahrzeuge dominieren ADAC-Ökoranking

Telefónica O2 öffnet Mobilfunknetz für VoIP-Dienste

Handel mit geklauten Spiele-Accounts blüht

Sex-Applikation als Phishing-Köder auf Facebook

WLAN-Herzschrittmacher hält Arzt auf dem Laufenden

Gamer neigen zu Depressionen und Fettleibigkeit

Journalismus im Internet - Ende der Gratis-Kultur?

Russen sollen deutsche Atomkraftwerke abwracken

Mindestlöhne: Call Center in der Zwickmühle

Mensch erwärmt Erde schon seit Jahrtausenden

Eltern schützen Kinderaugen zu wenig vor Sonne

Wer will da noch weiterlesen? Bis auf ein paar Details über die Marke des besten Hybridfahrzeuges oder dem genauen Wortlaut der Empfehlung des entsprechenden Bundesamtes, bringt man wiklich nichts Neues in Erfahrung. Es wäre wirklich schön, wenn die teuren Monopolzeitungen sich wieder vermehrt auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren würden, statt nur Agenturmeldungen umzuschreiben. Um für Quaität zu bezahlen, müsste auch Qualität geliefert werden. Vielleicht probiere ich es nochmal mit einem Abo, aber ey - das genau gleiche kommt auch gratis per Mail, jeden Tag.

Freitag, 14. August 2009

Betrug bei ricardo.ch?

Ricardo.ch startet einen gross angelegten Wettbewerb und verärgert nun alle involvierten Personen: Weil sich das Volk nicht so verhalten hat, wie man sich das erhofft hatte, legt man bei ricardo schlicht den Rückwärtsgang ein, ändert Teilnahmebedingungen, verkleinert Gewinnchancen und prellt damit alle Beteiligten. Wird womöglich auch bei der Gewinnzuteilung gemogelt?

Hoppla, ein Fehler: Bezeichnend für den Auftritt
von ricardo.ch bei Facebook
Es hätte eine grosse Sache werden sollen, die Globeshopper Challenge von ricardo.ch. Zum 10-jährigen Jubiläum wollte man Facebook-User dafür gewinnen, sich mit einem originellen Beitrag für eine Reise nach Bangkok, Rio oder Los Angeles zu empfehlen. Aus den fünf besten Bewerbungen pro Destination sollten die Facebook-Nutzer schliesslich die Gewinner wählen. Auch der Goggiblog beteiligte sich an der Kampagne, indem zwei bezahlte Blogbeiträge und ein Banner erschienen waren.

Doch jetzt verärgert ricardo.ch sowohl die Blogger, die an der Aktion als Werbepartner aufgetreten sind, als auch die Teilnehmer des Wettbewerbs: Obwohl der Teilnahmeschluss auf den 9. August festgelegt wurde, konnte man sich noch während zweier Tage weiter um die Reisen in ferne Länder bewerben. Pikant: Die Beiträge, die es nun in den Final geschafft haben, stammen offenbar mindestens teilweise aus der Zeit nach dem offiziellen Ende der Bewerbungsfrist. Bei der Medienstelle von ricardo.ch ist lapidar zu erfahren, man sei enttäuscht gewesen über die schwache Qualität der Bewerbungen und habe deshalb kurzfristig entschieden die Bewerbungsfrist ein bisschen zu verschieben.

Damit nicht genug. Weil auch die Verlängerung als Massnahme nicht dazu geführt hat, dass sich das Volk mehr Mühe gibt, wurden 9 der 15 Finalplätze kurzerhand gestrichen. Nur noch zwei Beiträge stehen pro Destination zur Auswahl. Die Teilnahmebedingungen sahen ursprünglich je fünf Beiträge vor, aus denen die Facebook-Gemeinde ihre Favoriten hätte erküren sollen. Hierzu erneut die Medienstelle vom Schweizer Auktionshaus: "Zu schlechte Qualität"- "kurzfristig entschieden".

Auf diese Weise werden natürlich nicht nur die Teilnehmer an der Globeshopper Challenge vergrault, sondern auch die Blogger, die sich mit ihren Webauftritten für die Aktion stark gemacht hatten. Teilnahmebedingungen in zwei so wesentlichen Punkten wie Einsendeschluss und Finalchancen zu Ungunsten der Teilnehmer zu revidieren ist nicht nur unschön, sondern meines Erachtens schon fast illegal. Wurden etwa sogar Bewerbungen von eigenen Mitarbeitern nachgeschoben? Man nimmt es ja offensichtlich nicht so genau mit den Teilnahmebedingungen...

Keine frankophone Finalisten

Ich als Werber und jene, denen ich die Teilnahme nahegelegt hatte, müssen sich an der Nase herum geführt vorkommen. In der entsprechenden Facebook-Gruppe äussert man sich denn auch enttäuscht. Vor allem frankophone Teilnehmer wundern sich, warum es kein einziger Beitrag in französischer Sprache ins Final geschafft hat. Von Betrug ist die Rede und vor allem von grosser Enttäuschung. Ebenfalls kurios ist, dass der witzige Beitrag von Blogging Tom, in den Augen der ricardo-Jury ein Desaster gewesen sein muss. Die beiden Beiträge, die an seiner Stelle zum Final-Handkuss gekommen sind, finde ich persönlich grottenschlecht und ich werde mich davor hüten, am Voting teilzunehmen.

Fazit: Ändern der Teilnahmebedingungen zu Ungunsten der User - Beiträge im Final, die erst nach der Bewerbungsfrist eingereicht wurden - und der hartnäckige Verdacht, Beiträge seien unlauter ins Final geschleust worden. An die Jungs von ricardo: Nur weil ein gutgemeintes Projekt komplett in die Hose geht, ist es doch nicht nötig, sich mit solchen Aktionen auch noch den Ruf zu verbocken. Alles in Allem ein mehr als fahler Geschmack der zurück bleibt und ich werde jeden Franken den ich mit dieser Kampagne verdient habe, für einen guten Zweck ausgeben - Aber wohl eher nicht im Namen von ricardo.ch...

Donnerstag, 13. August 2009

Bilder vom Sternenhagel

Die folgenden Bilder können alle angeklickt werden um sie gross zu betrachten
Das sind übrigens nur die schönsten Bilder von etwa 100 Versuchen, so eine Schnuppe zu erwischen ;-)

alle Bilder (c) Goggiblog

Die Belichtungszeit für dieses Bild beträgt 3 Sekunden, in denen tatsächlich eine Sternschnuppe verglühte (der unspektakuläre Strich in der rechten Bildhälfte). Weiter zu sehen auf dem Bild: Müslen im Vordergrund, der blaue Schimmer stammt von der Alsthom in Birr. Der rötliche Schimmer über dem ganzen Bild, ist nichts anderes als Lichtverschmutzung und stammt mehrheitlich von den Strassenbeleuchtungen.


Auf diesem Schwarz-Weiss-Bild ist rechts neben dem Baum die Milchstrasse zu erkennen. Tatsächlinch prangen am Himmel viel mehr Sterne, als wir mit blossem auge zu erkennen vermögen. Die Belichtungszeit für dieses Bild lag bei 78 Sekunden. Bei genauerer Betrachtung (Klick aufs Bild) ist ein weisser Strich über der Milchstrasse zu erkennen. Auch das ist eine Schnuppe - ein Flugzeug hätte während der Belichtungszeit das ganze Bild durchflogen, ausserdem wären zwei striche nebeneinander zu erkennen.


Der Blick über unsere Siedlung mit aufsteigendem Mond. Dieser ist auch der Grund, warum man nach 2 Uhr morgens keine Fotos mit langer Belichtungszeit möglich waren: es wurde viel zu hell.


Sternschnuppen ganz anderer Art aber nicht weniger schöne, gab es zwei Wochen zuvor, beim Wunderkerzenverbrennen am Nationalfeiertag

Mittwoch, 12. August 2009

Sound zur Bananenrepublik

Mad Manoush
Banana Republic

Live am Openair Gampel, am 16. August 2009


Polizeichefs sind auch nur Menschen


Die Ausrede des Übeltäters ist genau so üblich wie billig: Es sei ein "grosser Fehler" gewesen, sagte Mathias P. Müller, seines Zeichens Freund und Helfer. Der späten Einsicht zuvor, ging ein wohl recht lukratives Geschäft, bei dem der Polizist sich den Umgang mit anderen Übeltätern damit erleichterte, indem er seine Helfersfreunde mit Drogen und sich selbst, mit Zaster eindeckte.

Bevor wir nun aber alle entsetzt den Mahn- oder sonst einen Finger in die Höhe strecken, womöglich begleitet durch ein Ich-Habs-Ja-Schon-Immer-Gewusst, kehre man doch erst mal vor der eigenen Dealertüre. Wie oft ertränken wir Kummer in einem Glas Bier, Wein oder Schnapps! Kam es nicht schon einige Male vor, dass Stress nur durch den übermässigen Konsum von Schokolade abgebaut wurde? Zigaretten? Päckchenweise? Wie sieht es mit überbordender Spielsucht aus, stundenlanges Fernsehen, dem blöden Nachbarn trotz Wolkenbruch nicht sagen, dass er das Dachfenster offen hat; der Zicke an der Kasse die 20er-Note nicht zurückgeben, die sie zu viel raus gegeben hat; oder sonstige Handlungen, die zwar nicht so gesetzeswidrig sind, aber doch zu einer Scheidungsrate von 50% führen?

Na, noch immer nicht ertappt? Dann los, Glashaus und so - man werfe den ersten Stein!

Wir sind alle nur Menschen und uns selber am nächsten. Lesen wir vom dealenden Polizeichef, oder vom rasenden Temposünder, oder vom Downloader der 2 Millionen Busse zahlen muss, sagen wir uns doch zurecht: Zum Glück hat es mich nicht erwischt. Und wenn doch, würden wir üblich und billig, aber ebenfalls zurecht von einem "grossen Fehler" sprechen und uns eingestehen müssen, dass jeder seine ganz persönliche Türe hat, vor der er nicht so recht gekehrt hat.

Meine persönliche Gesetzeswidrigkeit werde ich heute los: Mein Auto, das seit 8'000 Kilometer ohne Service und Abgastest auf einem nichtbezahlten Parkplatz rumsteht, wird nach Kroatien exportiert.