Dienstag, 21. Oktober 2008

STOP PIRACY-DAY: Jetzt alles gratis runterladen!

Am 25. Oktober findet der STOP PIRACY DAY statt, der zum Ziel hat, die böse, böse Piraterie auf dem Mafiaplatz Schweiz zu zerschlagen. Neben pharmazeutischen Produkten, soll hauptsächlich die Musikindustrie gerettet werden. Sprich: das Herunterladen urheberrechtlich geschützter Inhalte soll eingedämmt werden. Diese Massnahme wurde nötig, nachdem in Tauschbörsen und Netzwerken täglich 68 Milliarden Dateien illegal gesaugt werden und die Musikindustrie kurz davor steht, Madonna eine Notunterkunft unter einer Brücke anzubieten.

Überspitzt formuliert? Dabei mache ich nichts anderes, als die Leute von STOP PITACY nachzuäffen. Da steht nämlich: "Sind Filme und Musik auf Tauschbörsen illegal?". Beantwortet wird die Frage nicht direkt, sondern mit einer Erklärung die dem Nutzer zu glauben gibt, er mache sich strafbar:
"Wer urheberrechtlich geschützte Werke aus dem Internet verwenden oder geschützte Werke heraufladen will, muss beim Urheber bzw. Rechteinhaber eine entsprechende Erlaubnis einholen. Kommerziell ausgewertete Film- und Musiktitel sind mit grosser Sicherheit illegal auf Tauschbörsen gestellt worden."
Dabei ist die richtige Antwort: Nein.

Das Herunterladen von Musik und Filmen ist in der Schweiz weder falsch, noch strafbar. Man darf diese kopieren und sie sogar im persönlichen Umfeld verteilen. Auch von einer gekauften CD und DVD darf man sich eine Sicherungskopie erstellen und sie zum Beispiel im Familienkreis verteilen. Erst wer diese Kopien weiteren Kreisen zugänglich macht, zum Beispiel dadurch, dass eine heruntergeladene Detei in einem freigegebenen Ordenr liegt, wird zum Verbrecher. Soweit die rechtliche Lage. Dass sich die Künstler hintergangen fühlen und an ihrer Kunst etwas verdienen wollen, macht das Herunterladen vielmehr zu einer ethischen Frage. Doch bevor wir uns ein schlechtes Gewissen eintrichtern lassen, sollte man sich vor Augen führen, dass den meisten Musikern sowieso kaum etwas aus dem Erlös von CD-Verkäufen zusteht. Von einer CD die 20 Franken kostet bekommt der Künstler einen 2-Fränkler, der Rest geht an das Plattenlable, welches Infrastruktur, Studios, Promoting, teure Sportwagen usw. besorgt.
Das muss auch bezahlt sein, klar. Aber deshalb die Botschaft zu vermitteln, der Künstler gehe zu Grunde und dem Nutzer zu suggerieren, Downloaden sei illegal ist ja schon mal recht daneben.

Dass die Leute viel lieber Musik von Tauschbörsen saugen, als einem Multi Geld in den Allerwertesten zu stopfen, hat nämlich weniger mit Piraterie zu tun, als vielmehr mit der Tatsache, dass eine CD einen Preis von 20 Franken und mehr nicht gerechtfertigt. Eine aktuelle DVD kostet das Doppelte und wer sich eine Blue-Ray-Disc erlauben kann bezahlt schon mal 60 Franken.

Aber wofür eigentlich? Man bekommt eine Scheibe, mit etwas Glück ein kleines Booklet dazu. Die Datenträher lassen sich auf PC's oft gar nicht abspielen, oder eine Kopiersperre verhindert das Übertragen auf einen mp3-Player. Texte sucht man im Booklet vergebens und die Bilder geben auch nichts besonderes her. Ich soll also Geld ausgeben für etwas, was ich auch am Radio höre? Die Industrie hat es verpasst, der CD neues Leben einzuhauchen und mit einem Mehwert zu versehen, der den Kauf für die Fans unverzichtbar macht. Man verschwendet viel lieber Zeit und Geld damit, mit Strafanzeigen und Prozessen die Kunden einzuschüchtern, von denen man auch noch erwartet, dass sie für ein Madonna-Konzert 140 Franken ausgeben.

Dass ein gutes Projekt durchaus auch kommerziell ein Erfolg sein kann, zeigt das Beispiel "WALL-E". Der neuste Pixar-Film läuft noch in den Kinos, aber ich bin bereits stolzer Besitzer einer DVD. Heruntergeladen und gebrannt in weniger als zwei Stunden. Kosten: 4 Franken für Rohling mit Urheberrechtsabgabe, Strom und Internetanschluss. Macht mich das zum Mafiaboss? Nein. Denn wir gingen zuvor zu Viert ins Kino (total 56 Franken), haben aus Jux ein paar Wall-E-Paninibildchen gekauft (10 Franken), mein Sohnemann hat einen sprechenden Wall-E zum Aktionspreis aus dem Toys'R'Us erstanden (Fr. 59,95) und wenn dann die richtige DVD raus kommt, legen wir uns die Special Edition mit viel Bonusmaterial zu (Fr. 49.90).

So gesehen, findet am PIRACY-DAY (was Musik und Filme angeht) ein grosser Rückschritt statt. Statt das Herunterladen von Musikstücken als Gratis-Werbung zu betrachten die den Kauf des gesamten Kunstwerks schmackhaft macht, wird dem Kunden gedroht und ihm ein schlechtes Gewissen gemacht. Überrissene Konzert-Preise und billig produzierte Datenträger steuern das Ihrige bei.

Mich persönlich regt dieser Tag nur dazu an, weiterhin nach günstiger Musik ausschau zu halten. Wenn sie etwas taugt bin ich sofort bereit ein Konzert zu besuchen, oder die interaktive Super-DVD zu besorgen. Sofern vorhanden. Weiss jemand grad, wo man die neue CD von Kaiser Chefs saugen kann?

Kommentare:

Tom hat gesagt…

Lieber Goggi,

dies ist für mich wieder mal einer der Beiträge die mir zeigen dass es richtig und wichtig ist sich den Goggi Blog zu abonnieren, hier wird nicht nur nachgeäfft sondern hier wird gedacht...
Dankeschön...

Was mir schon des öfteren passiert ist FRÜHER, ist dass ich mir CD's gekauft habe die nachher lediglich im Regal verstaubten, aber dort wenigstens aufgrund des quietschbunten Covers gut aussahen, wenn man sich ausser dem einten Lied welches im Radio vorwärts und rückwärts gedudelt wurde schon nichts anhören konnte...

Ich habe das Prinzip schon vor Jahren umgedreht...

Mein letztes Beispiel ist die grandiose neue CD von Thomas D... welche ich mir erst gezogen und dann gekauft habe... ich finde es richtig und wichtig die Künstler so gut es geht zu unterstützen...

Bei uns ist ein weiteres Beispiel der liebe Nemo ;-)
Am Ende hatten beide Kinder sogar Nemo Hausfinkli ;-)

En schöne Gruess

Tom

Tom hat gesagt…

ahmja.. evtl könntest du noch ein paar Details zur Kriminalisierung von Normalbürgern in deinen Artikel einpflegen...

Für Diebstahl gibt es:
Für Körperverletzung:
Mord:
Totschlag:
Vergewaltigung:
Kinderschändung:
Internet Piraterie:

Ich bin mir ziemlich sicher dass eines der grössten Kapitalverbrechen die Piraterie sein wird...

Zumindest in gewissen Ländern...