Donnerstag, 26. Februar 2009

Rassismus bei Aldi?

Ich bin dem Einkaufen im Aldi ja nicht abgeneigt. In meiner persönlichen Budgetplanung gewinnt gezwundenermassen der billigste Einkaufswagen, da nimmt man rudimentär eigerichtete Verkaufsläden und eine unpersönliche Atmosphäre halt einfach in Kauf.

Nur, was sich an der Kasse bei Aldi abspielt ist schon irgendwie merkwürdig: Ich komme also an die Kasse, nur die eine ist offen und dahinter stehen höchstens zwei Kunden, mit halbvollen Wagen an. Eine Angestellte hetzt an mir vorbei und ruft mir zu, sie mache sofort auf. Auch wenn nicht in Eile, stehen wir nun plötzlich zuvorderst in der Reihe und legen die Ware zügig auf das laufende Band - im Wissen, dass es bei Aldi an dieser szelle immer etwas schneller gehen muss. Aber das hier übertrifft alles: Noch nicht einmal ferig ausgeladen will die Verkäuferin, dass wir den Wagen auf die Markierung stellen. Hörig wie wir sind, erledigen wir das und öffnen gleichteitig die leeren Taschen um das Gekaufte schon mal zu verpacken.

"Nicht einpacken, bitte legen Sie alles zuerst in den Wagen" sagt die Frau an der Kasse.

Zugegeben, ich habe diese Worte einfach ignoriert, weil sie mir bekannt sind. Ausserdem stand hinter uns niemand an, der Laden war ohnehin eher leer und nur die Frau an der Kass war versucht den Weltrekord zu brechen, möglichst viele Artikel innerhalb einer Sekunde durch das Lesegerät zu ziehen. So sortierte ich weiter das Gemüse hier, die Tiefkühlsachen da rein.

"Ich sagte: NICHT einpacken, bitte legen Sie ALLES ZUERST in den Wagen" wiederholte sich die Frau, diesesmal etwas energischer, aber immernoch unfreundlich.

"Warum die Hektik?" fragte ich. Die Dame liess sich nicht zu einer Antwort hinreissen. "Steht ja niemand an", versuchte ich nachzuhacken - wieder keine Antwort. Der Turm mit billigen Spargeln, Tiefkühlkost und österreichischem Bier wurde immer höher und wackliger.

"Sie sollen die Ware in den Wagen legen und da hinten einpacken" präzisierte sich die Frau an der Kasse, abermals mit grosser Entschlossenheit.

"Gopferteckel" war wohl Wort, das ich als erstes verwendete. Diesem liess ich ein "Goht's no?" folgen und schob den ganzen Plunder mit einem Rutsch in den Wagen. "Besser so?" fragte ich, jetzt doch auch etwas gestresst. Der Frau war's unangenehm und ich sah in ihren Augen, die mich an dieser Stelle das erste Mal anschauten, dass sie nach Worte suchte. "Ich weiss dass ihr Schweizer die Sachen nicht gern zweimal in die Hände nehmt". Ich Sammelte gedanklich schon Unterschriften für eine Rassismusklage gegen die Frau an der Kasse, als diese mit deutlich leiserer Stimme beifügte, sie folge ja nur den Anweisungen. Und mir fiel gerade noch rechtzeitig auf, dass ich hier mit der falschen Bediensteten schimpfen würde.

Und deshalb geht meine offizielle Reklamation an die Adresse der Aldi Suisse: Was fällt dem Adi eigentlich ein, seine Kunden auf diese Weise aus dem Laden zu werfen? Warum ist diese unglaubliche Hektik an der Kasse nötig? Zu gerne würde ich die Liste der "Anweisungen" an das Personal mal sehen - kann mir die mal jemand zuspielen? Steht da tatsächlich drauf, welche Macken wir Schweiter hätten? Was für Zusatände sind das denn?

Hinter der Methode steht ein Konzept

Die "Aldi-Kasse" ist in Deutschland schon länger ein Thema. Spielgel.de schreibt dazu, es handle sich um die schnellste im Lande. Die Kassenbänder seien extrem lang und es gebe kein Nachlaufband, Auslaufzone oder Schütte und damit werde das Kundenverhalten beim Aus- und Einpacken optimiert. Freilich wird auch Kritik laut, denn dieses System führe zu einer Stresssituation beim Verbraucher“, wie an verschiedenen Stellen zusammengefasst wird. Der Kölner Stadtanzeiger“ realtiviert aber und schreibt in einer Ausgabe aus dem Jahr 2007, der Kunde gehe eben mit einer anderen Erwartungshaltung zum Discounter als etwa in den Supermarkt. Und lässt sich den Stress also gefallen.

Wie eingangs erwähnt: Man nimmt es also einfach in Kauf. Mal schauen, ob's bei Lidl besser sein wird...

Bilder: spiegel.de / handelsmarke.org

Kommentare:

Jelena hat gesagt…

Also es gibt mehrere Gründe wieso ich bei Aldi NICHT mehr einkaufe!
1. wenn du mal nen Verkäufer auf der Fläche erwischt und ihn etwas fragst, kam immer eine sehr unnette Antwort und der Verkäufer vermittelte mir immer, dass er ja sooooo im Stress ist
2. auch die Kassiererin stehts unfreundlich war und mich mit ihrer Gestik unter Druck stellte, ich solle doch gefälligst schneller einpacken (das sagte ihr Mimikn ebenfalls)
3. ich mittlerweile auch bei Rewe einkaufen kann, bei den Preisen. Dieser Stand ist vor von 2 Jahren; vielleicht hat sich auch etwas geändert
4. ich ständig schlechte Ware gekauft hatte, der man es nicht ansehen konnte (Vielleicht mein persönlicher Schicksal)

Das nur mal ein kleiner Auszug!
Ich muss zugeben, dass ich seit 9 Jahren eine zufriedene Lidl-Kundin bin und bleibe. Basta!
Dort habe ich zumindest nicht so viel zu mekern, wie bei den Aldi-Brüdern.

Ich verstehe deine Wut/Enttäuschung, auch über den Satz über die Schweizer, den hätte sie sich ruhig sparen oder verdrücken können!

Goggi, dir nen schönen Abend!

Ecki hat gesagt…

Also die war schon recht unfreundlich oder? Ansonsten nutze ich Aldi schon ganz gerne. Auch wenn man da nicht alles bekommt.

Sonja hat gesagt…

Also nach meiner Erfahrung in Deutschland ist das bei Lidl ganz genauso. Wie sollte es auch anders sein, schließlich ist der ganze ladenaufbau ja nahezu identisch, nur dass die Kassiererinnen meist nicht ganz so schnell sind, was mich eigentlich wundert. Scheinen die Unterdrückungen doch irgendwie nicht zu ziehen. Dieses Leitsystem auf dem Boden ist mir aber völlig. Werde mal die Augen offenhalten, ob das jetzt Standard wird.

Insi hat gesagt…

Darf man eigentlich all die Rechtschreibefehler behalten oder müssen die für 6 Rappen pro Wort gekauft werden?