Mittwoch, 29. April 2009

Meister Verlag: Vorsicht Falle!

Der Meister Verlag aus Zürich liefert ein Beispiel, wie Mahnungen nicht immer rechtens sein müssen, auch wenn sie klingen, als ob.

Trotz mehrerer Mahnungen hätte ich noch immer nicht bezahlt, schrieb mir heute der Meister Verlag. Und man werde mir ein Inkassobüro vorbei schicken, wenn ich die inzwischen auf 81 Franken angestiegene Rechnung nicht endlich zahle. Was ich genau zu bezahlen hätte, will ich vom Kundenberater wissen, den ich nach einer Wartezeit zu hören bekomme, die sich durchaus mit jeder bei der Cablecom vergleichen lässt.
Es sei die "Freude am Backen", welche ich bestellt hätte, wird mir erzählt. Und ob ich denn nicht zufrieden sei, wollte man von mir wissen. Das war ich schon vor einem Monat nicht und schon damals habe ich dem Kundendienst mitgeteilt, man wolle mir doch bitte keine Backrezepte mehr schicken und gefälligst auch keine Rechnungen.

Und das kam so

Der Meister Verlag hat mich vor drei Monaten telefonisch bebauchpinselt, welch treuer Kunde ich doch sei (?) und diese Treue (??) wolle man unbedingt belohnen. Ich fand das schön und liess mir das "völlig kostenlose Messerset für die Küche" schenken und ich liess mir auch noch einmal ausdrücklich versichern, dass dieses Geschenk gratis ist, keinerlei Nachfolgelieferungen auslöse und von mir weder eine Rücksendung oder Abmeldung verlange. "Ganz klar" behauptete der Mann vom Meister Verlag, der mir nun schwupps neben dem Messerset auch gleich noch einen ebenso kostenlosen Ordner mit den ersten Backvorschlägen geliefert hat. Der Haken: Im Begleitbrief steht etwas ganz anderes als im Telefongespräch vereinbart wurde: Wenn ich keine weiteren Lieferungen wolle, müsse ich das dem Meister Verlag mitteilen und die Backvorschläge zurücksenden. Ansonsten würde ich weiteren Lieferungen zustimmen.

Stimmt das? Muss ich in diesem Fall wirklich aktiv werden, wenn ich die Lieferung stoppen will? Ein Blick in die Onlinehilfe von Konsumentenschutzorganisationen gibt Auskunft: Nein. Eine telefonische "Bestellung" ist zwar rechtsgültig, doch gelten die im Gespräch gemachten Abmachungen. Und diese lauten in meinem Fall "Gratis Geschenk, keine weiteren Lieferungen, keine Verpflichtung". Wenn der Meister Verlag das Angebot ausweiten will, beispielsweise, dass der Erhalt des Geschenks zusätzliche Lieferungen auslöst die bezahlt werden müssen, muss dies beim Telefongespräch ausdrücklich erwähnt werden. Weil der Verkäufer das nicht getan hat, ergeht aus der Lieferung tatsächlich keinerlei Verbindlichkeit.

Es reicht also nicht, dass der Kunde eigentlich vermuten könnte, wie das "System Meister-Verlag" funktioniert. Es braucht genaue Abmachungen. Ich hätte jetzt die Möglichkeit, den Brief der Inkassofirma abzuwarten und es sogar auf eine Betreibung ankommen zu lassen. Durch Erheben des Rechtsvorschlages kommt der Meister Verlag unter Beweiszwang - er müsste also darlegen können, dass der Kunde der Lieferung von Backrezeptkarten ausdrücklich zugestimmt hat. Das wird der Meister Verlag aber nicht können, auch wenn - oder gerade weil - die Telefongespräche immer aufgezeichnet werden. Ob aus Vergesslichkeit oder mit Absicht: der Verkäufer vom Tele-Marketing wollte mir nur ein "Geschenk für meine Treue" schicken, von weiteren Lieferungen war nicht die Rede.

Nun bin ich ein recht umgänglicher Mensch, schickte alle ungewollten Lieferung auf eigene Kosten zurück und rufe den Meister Verlag wie schon nach der ersten Mahnung, auch nach der Drohung mit Inkassobüro, an und verlange im freundlichen Ton, Lieferungen und Rechnungsstellung bitte sofort zu stoppen. Mal schauen. Der Mann (dessen Namen man wie immer in solchen Fällen, aufgrund atmosphärischer Störungen in der Leitung kaum verstehen konnte) notierte sich mein "Anliegen" und vermerke gleichzeitig meinen "Wunsch", keine Tele-Marketing Anrufe mehr zu erhalten. Übrigens auch eine recht eigenwillige Auslegung der Dinge, denn obwohl es durchaus meinem Wunsch entspricht keine Anrufe mehr zu bekommen, habe ich das so nicht ausdrücklich verlangt.

Der Tipp, für alle die ein Anruf vom Meister Verlag bekommen: Genau hinhören wie das Angebot lautet. Im Zweifelsfall nachfragen und auf jeden Fall darauf bestehen, dass man nur Lieferungen erhält, die weder eine Zahlung, noch eine Rücksendung und auch keine Abbestellung verlangen - Ausser natürlich, man will das. Folgt dennoch eine Rechnung und anschliessende Mahnungen: Nicht zahlen! Drohungen von Inkassobüros dienen mitunter der Einschüchterung. Ein Anruf beim Meister Verlag würde ich dennoch empfehlen, allenfalls schreibt man dem Verlag einen eingeschriebenen Brief mit allen Angaben. Sachverhalt darlegen und Standpunkt klar machen. Vorsicht: Stimmt man einer Lieferung zu, die man bei Nichtinteresse zurückschicken soll, entsteht auch telefonisch ein rechtsgültiger Kaufvertrag. In diesem Fall hat der Verlag Anspruch auf Zahlung oder Rücksendung.

Kommentare:

Kessi hat gesagt…

Tz... es ist doch überall die gleiche Masche, angeblich hat man was abgeschlossen, was man gar nicht abgeschlossen hat... wieviele ältere Leute sind hier schon darauf reingefallen und wissen sich nicht zu wehren, sondern werden zusätzlich noch eingeschüchtert und verunsichert. Ich habe selbst Callcenter-Erfahrungen gesammelt und weiss, wie man da vorgeht. Eigentlich gehört diese Art des Marketings komplett verboten. Es gibt tausend andere Möglichkeiten seriös Werbung zu machen. Wenn bei mir jemand anruft und etwas verkaufen will, dann ist das Gespräch sehr schnell beendet, egal um welche Firma es sich dabei handelt.

Aber solltest Du jetzt in Deinem Fall doch das eine oder andere Kuchenrezept ausprobieren, dann komme ich gerne als Testperson bei Dir vorbei, hihi.... :-)) - muntsch...

sam hat gesagt…

saubande

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Auf solche Abzocke nicht hereinfallen, ebenso wenig auf scheinbar gemachte Internetgeschäfte durch "anklicken".

Da wird nur abgemahnt, aber nie eingetrieben. Ich spreche aus Erfahrung!

Andy hat gesagt…

War da ein kleines schwarzes Schaf unterwegs um Kunden zu ködern.
Staune das du so lange freundlich bleibst! Ich wäre schon lange ausgetickt :-)

Nordlicht hat gesagt…

Keine Angst, Du wirst ganz sicher nicht betrieben! Die versuchen nur alle diese Leute über den Tisch zu ziehen die Angst haben betrieben zu werden... Wahrscheinlich ist diese Firma bereits steinreich und ein Fall für die Hölle!

Annemarie Schwab hat gesagt…

Ich gehe immer davon aus, dass man von keiner Firma etwas gratis kriegt, denn wovon sollten sie sonst leben. 100% wollen genau das Gegenteil, nämlich etwas von uns... oder wie Konstantin Wecker einst sang: "sie wollen nur Dein Bestes, aber sie kriegen es nicht!"
Schönes Wochenende

Anonym hat gesagt…

Karorio23 - Halle-Neustadt, 24.05.2011
Bin langzeit-arbeitslos u dachte mir, Post von Meister Verlag - Wild World zu bekommen, ist ja mal auch eine willkommene Abwechslung. Kurz nach der 3. Paeckchen-Sendung meldete ich mich tel.
bei den "Meisters" ab u Jene waren damit zu frieden. Alles klar, so dachte ich, die Probe
erhalten, weitere Sendungen storniert u tritra-trallalla. - - - D E N K S T E ! ! !
Von einem Tel-Anruf will Keiner was wissen. Ich habe mich niemals abgemeldet. So heisst es. Die Sendungen wurden eingestellt. Und man verlangt
nun die Bezahlung der ersten 3 Probe-Sendungen + der 2 weiteren Sendungen. - - - Schweinerei !!!
Ich schrieb per E-Mail den Widerspruch u drohte mit der Anzeige bei der Kripo zu Halle-Neustadt.
Ich bekomme aber stets weitere Mahnungen, ohne auf meine Schreiben, geschweige auf meinen Wi- derspruch, einzugehen!!!
Ich zahle auf gar keinen Fall ! ! !
Das ist so sicher wie das "Amen" in der Kirch!!!
"Saliomio!"