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Donnerstag, 26. Juli 2007

Wir sind alle gedopt!

Nun haben sie es also doch noch geschafft: Trotz treuherzigsten Beteuerungen, an diesem Tour de France ganz ganz sicher sauber zu fahren, hat es inzwischen drei Fahrer erwischt. Namhafte Fahrer. Solche die gekommen sind um gelegentlich etwas zu gewinnenen und deshalb damit rechnen mussten, auf Drogenkonsum untersucht zu werden.
Dieser Umstand legt die Vermutung nahe, dass es sich bei Radsportler um ziemliche Idioten handelt. Wie konnte sich ein Winokurow über seinen wundersamen Etappensieg überhaupt noch freuen, wo er doch genau gewusst hat, man würde ihn erwischen. Wie kann ein Rasmussen so dumm sein, trotz Verdächtigungen von allen Seiten als einziger den Anti-Doping-Fahrerstreik zu brechen und die Etappe dann auch noch zu gewinnen? Heute wurde er von seinem Team freiwillig aus dem Tour genommen. Dass es mit Moreni einen vergleichsweise kleinen Fisch erwischt hat lässt weiter erahnen, dass es auch einige Wasserträger gibt, die mit irgendeinem Gift unterwegs sind.

Weil Plan A (Säuberung des Sports) nicht funktioniert, muss jetzt halt Plan B greifen: Legalisierung des Dopings

Es ist und bleibt halt geil, wie sich die menschlichen Maschinen über die Pyrenäen schleppen. Rosa Brille anziehen und weitergucken. Ohne Chemie geht nichts mehr, da muss mir mindestens jeder Recht geben, der raucht, Bier trinkt, Kopfweh hat, Depressionen, zu dickes Blut, Reisefieber, Migräne oder Durchfall hat. In der Schweiz sind derzeit 6'394 Humanarzneimittel zugelassen, davon sind 1/6 rezeptfrei erhältlich. Im letzten Jahr wurden 187,6 Millionen Packungen Medikamente verkauft, das macht 24 Packungen pro Einwohner. Ein Tor, wer da anderen Dopingmissbrauch unterstellt! Wir sind nähmlich alle gedopt.

Gleichzeitig mit dieser Veröffentlichung fanden in Frankreich Razien bei allen DopingProfi-Teams statt, mit anschliessender Pressekonferenz. Was dabei raus kam entzieht sich meiner Kenntnis. Gesagt hat nur einer was - Rasmussen:
"Stimmt, ich wurde von den frustrierten Zuschauern ausgepfiffen. Nachdem das gestern mit Vino passiert ist, lassen sie es an mir raus, jetzt wo er nicht mehr da ist. Das einzig Positive, was ich im Fall Winokurow sehe ist, dass das Kontroll-System greift. Ich möchte anfügen, dass ich seit Tourbeginn 14 negative Kontrollen überstanden habe. Jetzt will ich das Maillot Jeaune nach Paris fahren" - Sechs Stunden später nahm Radobank den Tourleader aus dem Rennen.

Zuletzt noch ein Blick in die Presse von heute Morgen Donnerstag, 26. Juli. Nur noch im Land von "Dottor Epo" Michele Ferrari - wen wunderts - glaubt an den sauberen Sport:

Frankreich, Le Figaro: Rasmussen lässt zu viele Fragen unbeantwortet. Der Träger des Gelben Trikots hat versucht, sich zu rechtfertigen. Ohne zu überzeugen.

Le Parisien: Die 1903 geschaffene Tour de France hat einen der härtesten Schläge ihrer Geschichte einstecken müssen. Der Winokurow-Skandal verwundet die Tour. Und außerdem ist der Träger des Gelben Trikots ein Lügner!

L´Équipe: Das Chaos.

Spanien, El País: Der Radsport befindet sich angesichts immer neuer Doping-Enthüllungen seit 15 Monaten ohnehin schon im Todeskampf. Nun hat er sich seinem endgültigen Grab einen Schritt weiter genähert.

El Mundo: Es ist genau das, was der Rundfahrt noch fehlte, um sich endgültig einem Desaster zu nähern.

Marca: Winokurow versetzt dem Radsport den Todesstoß.

England, Daily Telegraph: Winokurows Astana-Team zog sich umgehend von der Tour zurück und schürte damit weitere Spekulationen, dass auch andere aus der Mannschaft unter Verdacht stehen.

Russland, Kommersant: Bei der Tour de France hat das Doping gesiegt.

Italien, La Gazzetta dello Sport: Es ist eine gute Nachricht. Es ist keine Beerdigung. Der Radsport hat die Waffen, um Doping bekämpfen zu können. Der Radsport kann diese epochale Krise überwinden.

Il Tirreno: 2007 ist das Horrorjahr des Radsports.

Schweiz, Neue Zürcher Zeitung: Im Gegensatz zur Tour 2006 läuft die Tour 2007 nie Gefahr, dem Irrglauben der Sauberkeit zu unterliegen. (...) Es riecht sehr, sehr streng. Die Tour-Verantwortlichen indes wollen mit zugehaltener Nase ans Ziel nach Paris gelangen.

Tages-Anzeiger: Um den Toursieg kämpfen zwei Außerirdische mit getrübter Vergangenheit, die allein schon wegen der Leichtigkeit, mit der sie allen davonfahren, unter Dopingverdacht stehen.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Auf Nimmerwiedersehen, Herr Winokurow

Zwar kein Epo, aber halt Blut eines anderen: Alexander Winokurow, so schnell wie von Geisterhand über die Königsetappe geschoben wurde, fällt er nun vom Sockel, auf dem er nie gestanden hat. Und alle schütteln einhellig den Kopf, man habe es ja kommen sehen und eben so alle geben sich zu tiefst erschüttert. Toni National Rominger möchte man am liebsten wieder nicht erwähnen, aber er wird halt doch zum fünften Mal als Manager eines gedopten Fahrers gelistet. Bleibt nur die Frage: Wer managt eigentlich Rassmussen?Aber jetzt mal ehrlich: Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn ich nicht mindestens einmal an diesem Tor das Gefühl von Entsetzen und Wut im Bauch hätte haben dürfen. Ich verdächtige mich und uns alle, dass wir Formel 1-Rennen sowieso nur wegen den geilen Crashes schauen, immer in der Hoffnung den Hamilton drehe es mindestens vier Mal in der Luft.

Was wäre Leichtathletik, wenn nicht gelegentlich ein Speerwerfer auf den Weitspringer zielen würde? Interessieren an einem Fussballspiel eher Burkis rote Tschutt-Schuhe oder Varelas rote Karte? Boxen verlöre seinen Reiz auf der Stelle, wenn es nur noch Siege nach Punkten gäbe.
Es wird deshalb immer schwieriger, für sich die passende Sportart zu finden. Wenn der Sport dopingfrei, gewaltlos und ohne die Möglichkeit des Mogelns vonstatten gehen soll, bleibt eigentlich nur noch Billard. Hierzu kann ich von meiner Karriere im White Ball Billard Swiss Mixed Team berichten. Dabei habe ich mit der Elitespielerin Eva Maria Schmid an den Schweizer Journalisten-Meisterschaften in Magglingen vergangenen Winter, den Titel im gemischten Doppel gegen die französische Auswahl verteidigt habe, deren Namen mir jetzt aber entgangen sind.

Wer also zerstörtem High-Tech Velofahren lieber gesittetes Billardspielen vorzieht, kann unsere kleine schweizer Journalistenvertretung gern mit einer saftigen Spende unterstützen. Kontonummer auf Anfrage. Der nächste Meisterschaftstermin steht allerdings noch aus: Eva musste zum Dopingtest und weil da wo sie wohnt im Sommer der Sessellift nicht im Betrieb ist, konnte sie jetzt mehrere Wochen nicht zur Dopingkontrolle antreten.

Mist. Also doch lieber Velofahrenschauen.

Dienstag, 10. Juli 2007

Fernsehen nach Mitternacht


Fernsehen nach Mitternacht - Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. Wir sind uns vom TV ja schon einiges gewöhnt, besonders was die ständige Unterbrechung der Werbung mit diesen blöden Serien angeht. Ein wahrer Segen sind da diese Dauer-Rätsel-Sendung, mit der sich 9live eine goldige Nase verdient hat und inzwischen von allen anderen Sendern der Nachts kopiert wird. Und wie! Da lachen je nach Sender und vorgerückter Stunde leichbekleidete Damen durch die Röhre und stellen uns mit kniffligen Rätseln auf die Probe. Nähmlich die Probe, ob wir dem Griff zum Telefonhörer widerstehen können.

Natürlich lässt sich für die anspruchsvolle Präsentation dieser Rätsel nur schwer, geeignetes Personal finden. Mindestens einen tollen Haarschnitt, besser noch Riesentitten scheinen Anrufer eher zu motivieren, ihrer Pflicht nachzukommen. Bis drei Franken pro Anruf blättern die schliesslich hin um elf Feldpakete oder vier Törchen an der Wand zu kriegen.

Nun lässt sich kommerzell taugliches Outfit nicht ohne weiteres mit einem Minimum an Intelligenz vereinen. Oder wenigstens mit einer nicht sooo aufdringlichen Stimme. Oder wenigstens mit ein bisschen weniger Gefuchtel mit den Händen. Oder wenigstens ohne dieses elende Geschrei immer, das sei jetzt aber die letzte Chance. -Höhö, wer's glaubt.

Zurück zur Intelligenz, denn trotz aller Kritik muss ich eingestehen, Gefuchtel lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf den IQ zu. Also zappen wir durch und widmen wir uns Pro Sieben.

Ich setze mich hin. Nein, ich lege mich hin. Ich bin nicht müde, nein. Vielmehr ist mir schwindlig. Nein, schlecht. Vielleicht sollte ich mal aufs Klo.

Da scheinen sich doch tatsächlich Outfit, Gefuchtel, aufdringliches Geschrei und fehlende Intelligenz in meinem Bildschirm verzweifelt zu vereinen. In harmonischem Abgleich von Bild und und Dummheit schlägt das Girlie punkto Niveau alles bisher dagewesene. Sie hat zwar kein Rätsel zum lösen (sie wollte zwar, war dann aber nicht in der Lage sich die Lösung zu merken), vielmehr erzählt sie uns von hübschen Männern und hübschen Damen die alle garantiert noch Singles sind... das heisst nein, das ist auch ziemlich übertrieben. Sie stottert viel mehr und wenn sie mal nicht einen falschen Namen vorliest, korrigiert sie sich mehrfach im Alter und verdreht schon mal die anspruchsvolle Zahlenkombination 70500, die Telefonnummer, wohin man die drei Franken Gebühren schicken soll. Äh nein, anrufen muss. Äh nein ein SMS schicken muss.

Ich will mich nicht über bemitleidenswerte Menschen lustig machen. Die Dame hat einen Job wofür sie die Voraussetzung "geilsein" mitbringen musste und da hat sie schon mal mehr als viele andere. Aber es ist eine bodenlose Frechheit, dass Pro7 mir eine solche Tusse ins Wohnzimmer stellt und sei es nur beim Vorbeizappen. Jetzt ist mir schlecht. Und weil mir monsieur fischer auch noch verraten hat, dass Pro7 in der Schweiz Verbraucherinformation aus dem Teleshopping-Studio an Stelle der Simpsons sendet, verlasse ich das Klo eine Woche lang nicht mehr. Und ab sofot verlange ich, dass ich beim Zappen fünf Sender vor Pro7 (also bei Sendeplatz 17, weil Pro7 habe ich auf der 21) eine Warnung eingeblendet wird: "Achtung Sie verlassen jetzt die zivilisierte Fernsehzone"

Zivilisierte Sendungen gibt es übrigens sogar in der Nacht. Zum Beispiel am Dienstag, 01:25 Uhr, sf2: MONK. 02:00 Uhr, ZDF: "neues" - Social Communities im Internet. Im Zweifelsfall fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.

Samstag, 7. Juli 2007

Le Tour from London

Wie es sich für eine Frankreichrundfahrt gehört, findet der Prolog zum 94. Tour de France in England statt und das, obwohl es dort Bombenanschläge gibt, wie bei uns Schlechtwetterprognosen. In 20 weiteren Etapen radeln die Velofahrer in Begleitung ihrer Ärzte im Gegenurzeigersinn durch Frankreich und erreichen 3369,9 Kilometer und 22 Spritzen später den Arc de Triomphe, wo ein vorläufiger Sieger erkoren wird.
Verzeiht mir meine Sprüche, ich kann nicht anders. Dieser Sport erfreut sich immernoch einer ungebrochenen Beliebtheit, obwohl den geständigen Fahrer erst zehn Jahre nach ihren grössten Triumpfen einfällt, dass da mal eine Spritze war und ein Arzt, aber wirklich gewusst hätten sie nichts davon. Ein Glück will der Radsportverband die Verjährungsfrist von (zufälligerweise, wer hätte das gedacht) 10 Jahren erst in nächster Zeit aufheben um künftig auch Langzeitdoper mit verspäteten Reueanfällen bestrafen zu können.
Immerhin versprechen die Fahrer und die Veranstalter und die Sponsoren jetzt nicht nur hoch und heilig sauber zu sein, sie gründen gar Interessenverbände, unterzeichnen Sauberkeitsgarantien, lancieren Anti-Doping-Werbekampagnien und der Zuschauer fällt darauf herein. Wahrscheinlich gilt auch hier der Grundsatz, sich unterhalten zu wollen und sich nicht etwa auch bei der Freizeitbeschäftigung "Tour de France-Schauen" - der auch ich zugegebenermassen jahrelang verfallen war - mit Problemen rumschlagen zu wollen.
Sol lasst uns freuen auf die spektakulären Kämpfe auf der Alpe d'Huez und fragen wir uns nicht, ob die da überhaupt noch rauf kämen ohne Kopfwehtabletten. Einstimmen kann man sich auf der Homepage des Tours, wo es auch ein flashanimierter Etapenplan gibt, ergänzt mit Details über Kilometerzahl, Verpflegungsständen und Apotheken. Und selbstverständlich befasst sich auch die Bloggerwelt mit dem Thema: 1, 2, 3, 4, 5

Die folgenden Updates werden Ihnen präsentiert von:

Update vom 19:00 Uhr: erzeit führen die Russen Gusev Karpets vor dem Italiener Quinziato. Fahrer aus Ländern, in denen die ärztliche Versorgung ja nicht so gut ist...

Update von 19:07 Uhr: Die industrialisierten Länder preschen vor: Klöden (DE) vor Hincapie (USA) und Wiggins (GBR), Fabian Cancellara (CSC) 7 Sekunden Vorsprung auf alle, schon bei der ersten Zwischenzeit.

Update von 19:17 Uhr: Cancellara gewinn den Prolog (Novartis) mit mindestens 13 Sekunden Vorsprung vor der gesamten Konkurrenz...

Montag, 2. Juli 2007

Onyekachi Okonkwo


Da will man doch stets behaupten, der FC Aarau sei ein Provinzklub und gelegentlich belächelt man ihn, wenn mal wieder ein Spieler spielt, ohne dass er die dazu nötige Bewilligung hat.
Dass auch seriös geführte Firmen wie der FC Zürich gelegentlich ins Fettnäpfchen trampen beweist die Meldung auf nzz-online: "Der FC Zürich hat den nigerianischen Mittelfeldspieler Onyekachi Okonkwo (25) von den Orlando Pirates aus Johannesburg verpflichtet. Ob er je für den Schweizer Meister antreten wird, ist indes unklar: In Köln unterschrieb "Tico" gemäss deutschen Quellen ebenfalls -- und zwar bereits am 26. Juni."
Natürlich werden wir in Zukunft die Spielerliste der Zürcher immer genau studieren, damit der FC Aarau dank den vielen Forfaitsiegen Meister wird, oder zumindest nicht absteigt. Die Frage bleibt jedenfalls, wer bei dieser Geschichte der Dümmere ist: Der FCZ, der nicht prüfet mit wem er sich ewig bindet, oder der Spieler, dessen Kurzzeitgedächtnis nicht bis hin zur letzten Unterschrift reicht...
Zürichs Sportchef Fredy Bickel meint dazu: "Für uns gibt es aber keinen Grund, an den Aussagen von Okonkwo zu zweifeln.". Und auch auf der Homepage der Kölner ist zu lesen, dass "Tico" ganz ganz ganz sicher bei ihnen spielen wird...
Wetten, der Schweizer Meister würde das Seilziehen gegen den Bundesliga-Absteiger verliert? Denn im Vergleich zum 1. FC Köln, ist der FCZ nur ein Provinzklub. Zürichs Glück ist, dass die Kölner inzwischen von der Verpflichtung des Stürmers "abstand nehmen"...

Samstag, 30. Juni 2007

Idioten, 1. Teil


Die Entdeckung des Idioten

Meine Suche nach dem vermeintlich grössten Idioten, wenigstens dieser Umgebung, artete zur Suche im Heuhaufen aus. Nicht dass sich die Spezies, wie eine Nadel, darin allzu gut tarnen würde, nein, es ist viel mehr so, dass man vor lauter Idioten die Idioten gar nicht mehr findet. Im übertragenen Sinne könnte man von einer Suche nach der Nadel im Nadelhaufen sprechen. „Wir leben in einer Demokratie. Das ist lateinisch und bedeutet: Jeder Idiot darf mitreden“ diese Aussage – vermutlich eines Idioten – weist schon ziemlich deutlich auf die verbreitete Erscheinung der Halbschlauen hin. Tatsächlich begegnen uns täglich so viele Idioten, dass wir sie gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Im Gegenteil: Wir akzeptieren ihr Dasein wie Hundescheisse auf dem Trottoir, oder nasenbohrenden Rotzbälgern gegenüber im Tram. Was ja nicht so schlimm wäre, wenn dem Jungen Mann nicht grad die Cocktail-Sauce aus dem Kebab getropft wäre, die er mit dem gleichen Finger aufwischt, der eben noch in der Nase steckte und diesen dann abschleckt. Und die Restmenge auf dem Tramhocker verstreicht er erst noch mit dem Hosenboden, was vermutlich vor ihm auch schon andere auf diesem Hocker gemacht haben, mit weitaus unappetitlicheren Rückständen, wie ich befürchte.

Woher kommen aber diese Armleuchter? Wo liegt ihr Ursprung?

Die Vermutung liegt nahe, dass es Idioten schon seit Menschengedenken gibt. Tatsächlich befassen sich Wissenschaftler schon seit vielen hundert Jahren mit dem weit verbreiteten Phänomen. In den 1920er Jahren wurde einem Mensch mit einem IQ unter 30 Idiotismus diagnostiziert. Wer an Grimm-Märchen glaubt, muss davon ausgehen, dass selbst Adam und Eva Idioten gewesen sein müssen, anders lässt sich das Weiterbestehen der Verhütungsverbotfanatiker nicht erklären. Die Anhänger der einen Glaubensrichtung allerdings als Deppen abzustempeln ist auch verfehlt, schliesslich haben sie es bisher zum Beispiel vermieden, in Hochhäuser zu fliegen, was ja auch ziemlich idiotisch ist.

Kultur, Auftreten und Werdegang


Vertrauen wir also der These, Idioten seien eine Erfindung der griechischen Mythologie und betrachten wir das Idiotentum mal aus unserer zeitlichen Perspektive: Bitte erhebe dich jetzt und schau dich um. Laut neusten Erhebungen vom Bundesamt für Statistik, ist heute mindestens jeder zweite Mitbürger im Erwachsenenalter ein Idiot (siehe Grafik). Davon ausgehend, der Leser dieses Blogs betrachte sich selber nicht als Idioten, müsste die erste Person in Ihrem Blickfeld eigentlich eine Flachbirne sein. Vielleicht irritiert diese Vorstellung, seit Jahren mit einem oder mehreren Idioten zusammen gearbeitet zu haben. Noch schlimmer, wenn der PC zu Hause steht und man mit der einzigen Person im Raum auch noch verheiratet ist. Und was, wenn sonst niemand da ist? Ist man dann selber der Depp? Oder ein halber Idiot? Geht das überhaupt? Die KOSA-Initiative konnten wir ja auch nicht nur halb ablehnen. Geht da Recht vor Vernunft? Ist man im Zweifelsfalle immer das Arschloch?


Dafür spricht, dass man schon um 4 Uhr morgens mit dem Idioten konfrontiert wird, der dem einzigen Abonnenten der Süddeutschen Zeitung in der Schweiz, diese mit Tempo 60 rückwärts durch die Einbahnstrasse plochend zustellt und dabei das ganze Quartier weckt. Kaum eingeschlafen, knallt auch schon der Frühzusteller der NZZ die Briefkastentürchen zu, so als Hinweis, dass bis zum idiotischen Gequake des Weckers nur noch eine halbe Stunde bleibt. Eine weitere halbe Stunde nach dem Aufstehen: Die erneute Konfrontation mit dem Frühzusteller, der ausgerechnet in dem eigenen Kasten keine Zeitung eingeworfen hat und dem Pöstler, der einem gerade die Post vom Nachbarn in die Finger drückt.
Nun sind sie endgültig alle wach, die Idioten. Jene, die vor der Ampel auf ein Nochgrünerwerden warten, und auch die, die als erste ins Kafi trampen und dir die einzige NZZ, sowie beide Tages Anzeiger wegschnappen, für den Kollegen, der in einer halben Stunde dann auch noch kommt. Vielleicht. Der Kellner erweist sich ebenfalls als Schmalhirn, weil er trotz anderslautender mündlicher Vereinbarung auch heute ein Capuccino statt eine Schale bringen wird. Der Bürokollege hat aus Versehen alle Computer im Geschäft zum Absturz gebracht, während dem die Putzfrau die Sicherheitsausdrucke bereits am Vortag dem Schredder zugeführt hat. Die Kaffimaschine ist zwar immerhin nicht kaputt, aber ein Scherzkeks hat gestern seinen Kaugummi in den Münzschlitz gesteckt, wahrscheinlich im Vorfeld des entstandenen Chaos’, anlässlich der Studentenparty die hier stattgefunden haben muss. Oder der Notschlachtung einer BSE-Kuh - man sieht da keinen Unterschied.

Aus meiner offiziellen Doktorarbeit "Idioten" - Fortsetzung folgt.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein


Aarau. Eigentlich mein Nachbardorf, aber von hier aus gesehen, die Metropole der Gegend, pulsierendes Zentrum und Stadt meines Herzens. Oder so ähnlich. Diese Laudatio habe ich für Stupidedia geschrieben, die Entyklopädie ohne Sinn.

Aarau liegt in der Schweiz und gehört nicht, wie lange angenommen, zum Kanton Aargau, sondern zu Russland und ist ein, zwischen Sondermülldeponie Kölliken, Einkaufszentrum Wynencenter und Kehrichtverbrennungsanlage Buchs eingepferchter Restbestand an Einfamilienhäuschen, mit rund 15'000 Insassen, deren Hauptbeschäftigung darin liegt, ihr gesamtes Kapital entweder dem Wynencenter - oder in Form von Abfallprodukten aus dem Wynencenter - der Kehrichtverbrennungsanlage zuzuführen.

Die Stadt kämpft mit einer Zuwanderungsquote von 0%, was auf das abendliche Fluten des Stadbachs zurück zu führen ist, der idiotischerweise angelegt wurde, statt dass man sich endlich eine goldene Kette um die Gemäuer des Dorfes legen liess. Die Hauptstadt des Rüeblikantons verfügt neben einem Bahnhof auch über eine dazugehörige Bahnhofstrasse, an der neben einer Formel 1-Strecke auch ein Friedhof angelegt wurde, sowie ein Brillengeschäft, wobei die Kurzsichtigkeit beim Näherkommen im Verhältnis zur Weitsicht stark zunimmt.

Sehenswürdigkeiten

Aushängeschild der Stadt ist der Curling- und Bocciaverein Aarau, der in seinem letzten Heimspiel gegen die Veteranen von Unterägeri-Hochyybrig-Lätten zwar verloren hat, aber sich über einen bisher nie da gewesenen Aufmarsch von 7 Zuschauern erfreuen durfte. Zahlen, von denen der benachbarte Fussballverein FC Aarau nur träumen kann. Dort werden Heimspiele zwar gelegentlich gewonnen, aber nur unter Einsatz von illegal importierten Nachwuchsspielern, womit sich Forfait-Niederlagen an gewöhnliche Niederlagen reihten und eigentlich gar nicht erwähnenswert wären, wäre da nicht der Spieler Petar Aleksandrov gewesen, der im Jahre 1993 des Platzes verwiesen wurde, weil er mit einer Gestik und den Worten "Du Brille kaufen" den Schiedsrichter aufforderte die Bahnhofstrasse zu besuchen, was unabdingbar Werbung für das Brillengeschäft war und damit schliesst sich der Kreis wieder.

Das Pöbel

Aarau hat aber auch seine guten Seiten: Neben der ersten Nationalen Kifferstube (KIFF), trifft sich Alt und Jung in der örtlichen City-Mall, wo der Versuch einer Unfrage zum Thema "Was ist Deine Lieblingsbeschäftigung" daran scheiterte, dass die einzig genannte Antwort "rumhängen" war. Die Stadtverwaltung reagierte sofort und rief das Projekt "Basel" ins Leben, das sich nach dem Vorbild der Süddeutschen Grossstadt richtet, wo inzwischen immerhin 40% der Einwohner einen festen Wohnsitz unter einer der zahlreichen Brücken hat. Um dem künftigen Bedarf an Brücken gerecht zu werden, wird in Naher Zukunft der gesamte Anstoss an die Aare mit einer riesigen Brücke überbaut. Nur bei der Namensgebung ist man sich noch unschlüssig. Dem Vorschlag der Linken und Hypergrüninteraktiven "Schalfen im Stroh", steht die Idee der bürgerlichen Offensivkonservativen gegenüber, die das Bauvorhaben mit dem Sondermüll-Abbauprojekt Kölliken verbinden wollen und schlicht "St. Jakob", oder alternativ "Hardturm" nennen möchten.

Montag, 25. Juni 2007

Telefon statt Seggs


In einer heute veröffentlichten Umfrage haben über ein Drittel der befragten Engländer angegeben, eher auf Sex verzichten zu wollen, als auf ihr Handy. Sogar Schokolade und Alkohol stehen in der Beliebtheitsskala hinter dem Handy an.
Diese schockierende Meldung wirft natürlich die Frage auf, wie es in unserem Lande mit den Dingen steht, die mehr oder weniger wichtig als das Handy sind. Ich habe deshalb während der Mittagspause eine Umfrage gestartet und mal bei allen sieben Nachbarn an der Haustür geläutet und gefragt, wie wichtig ihnen ihr Handy ist.

Schon E.T. hatte mehr Telefon als Sex, aber der gehört schon ein weilchen nicht mehr zu meinen Nachbarn. Die häufigsten Antworten der gebliebenen Nachbarn auf die Frage


Ist Ihnen ihr Handy mehr Wert als alles andere?


"Fr. 0,15/SMS" (14,2%)
"kommen sie später wieder, wir sind am simseln" (14,2%)
"Schatz dreh mal das Händy leiser, ich verstehe hier nichts" (14,2%)
"Kann ich per SMS voten?" (14,2%)
"Bleiben sie dran, da steht einer vor der Türe" (14,2%)
"kann ich auch mit Postkarte antworten?" (14,2%)
"Kläff kläff kläff kläff kläff" (Tür ging nicht auf) (14,2%)

Leider ergibt dieses Resultat kein klares Bild darüber, ob meinen Nachbarn telefonieren wichtiger ist als sonstwas. Der kläffende Hund war der einzige, der mir eine vernünftige Antwort geben konnte: Es gibt tatsächlich nichts, REINGARNICHTS das wichtiger wäre als Sex. sonstwas. telefonieren. bellen.