Montag, 30. November 2009

Minarette und der Verhältnisblödsinn

Volksabstimmungen in der Schweiz erleben bei deren Durchführung die immer gleichen Phänomene: zuerst geht kaum einer hin und danach poltern die Leute, sie schämten sich für das Resultat. Vergleicht man den "Fall Minarette" mit dem "Fall Finn" stellt man bedrohliche Gemeinsamkeiten fest: Emotionale Spitzen des Protests verrücken den Blick auf die Realität.

Natürlich hat sich auch nach der Volksabstimmung über das Verbot zum Bau von Minaretten in der Schweiz eine ansehnliche Gruppe gebildet, die sich (einmal mehr) schämt in diesem Land zu leben. Über 48'000 Mitglieder zählt zum Beispiel die entsprechende Facebook-Gruppe, die sich aufgrund des Abstimmungsresultates zusammengerauft hat und entweder in der nächsten paar Monaten die Schweiz verlässt oder sich in den Schweizer Alpen verschanzt und einen eigenen Kanton gründet.

Wie schon beim verletzten Bären "Finn" im Bärengraben zu Bern, scheinen die Menschen aber den Bezug zur Realität völlig verloren zu haben. Morddrohungen gegen die Familie des Behinderten soll es gegeben haben und die Mehrheit der Statements verlangen vom eingreifenden Polizisten, er hätte doch lieber auf den Menschen geschossen, als auf den Bären. Als normal denkender Mensch fühlt man sich genötigt solche Bittsteller daran zu erinnern, dass Finn kein Kuschelbär ist, sondern ein wildes Tier und jeder von uns schon einmal eine Dummheit begangen hat, für die er nicht erschossen werden möchte. Schon mal einen Igel überfahren? Autofahrer sofort erschiessen?

Der Bezug zu den sich schämenden Schweizer gründet im Umstand, dass es am vergangenen Wochenende nur gerade um ein relativ simples Verbot gegangen ist. Nicht um die Verleumdung des Glaubens, nicht um die sofortige Ausweisung und auch nicht um Diskriminierung eines Volkes - auch wenn diese Schlagwörter in den vergangenen Wochen ermüdend oft strapaziert wurden. Gerade die Schweiz zeichnet sich gegenüber sämtlichen Ländern dieser Welt darin aus, die Integration überdurchschnittlich zu fördern. Kein Gesetz wird erlassen, ohne die Bedürfnisse sämtlicher Randgruppen nicht mindestens erörtert zu haben, kein Bau wird bewilligt, ohne dass den Gegnern eine Vielzahl an Instrumenten geboten wird um sich dagegen zu wehren.

Aber auch im gewöhnlichen Alltag wird selten aufgrund eines Namens oder der möglichen Herkunft diskriminiert. Kirchen, Schulen, Ämter, Staatstellen. Alle bemühen sich und werden in den meisten Fällen sogar gesetzliche verpflichtet ihren Teil beizutragen, um die Akzeptanz untereinander zu fördern. Das Merkblatt für den Antrag zur Krankenkassenverbilligung beispielsweise gibt es in meiner Gemeinde in 20 Sprachen, darunter albanisch, portugiesisch und indisch. Und selbst wenn man den Aufwand aus unserem Betrachtungswinkel noch als gering betrachtet, so bietet kein anderer Staat eine vergleichbare Hilfe, welche die Akzeptanz fremder Völker und deren Gewohnheiten fördert. Umgekehrt - auch das sollte man beachten - darf man als Christ in keinem einzigen muslimischen Land dieser Welt ein Kreuz aufs Dach stellen, nirgendwo bietet man deutschsprachige Formulare an, geschweige denn, würde die Nichtanpassung an irgend eine örtliche Gewohnheit tolleriert.

Ist es unter dieser Betrachtungsweise so vermessen, die Angst die ein solches Ungleichgewicht einher bringt, in einem Ja zum Verbot von Minaretten auszudrücken? Ich sehe keinen Grund, mich für das Urteil des Volkes schämen zu müssen, ich finde das völligen Verhältnisblödsinn. Es mag auf ethischer, menschlicher oder völkerrechtlicher Basis in diesem Fall ungerecht erscheinen, aber es ist erstens ein Entscheid der Mehrheit, zweitens in Anbetracht der sonstigen "Verhältnisse" unangebracht jetzt den Beleidigten zu spielen. Und drittens ist das Anstimmungsresultat Ausdruck von Ängsten, die es in ihren Grundzügen nicht zu kritisieren gilt, sondern durch tägliche Arbeit zu relativieren - bis die Volksmeinung sich allenfalls "korrigiert".

Im Falle der Anti-Minarett-Initiative setzt man bei den Verlierern offenbar nicht auf Aufklärung, sondern auf Diskriminierung der Gewinner. Wie die Morddrohungen gegen die Familie des Bärenopfers, sind Drohungen wie sie teilweise in der Facebook-Schämgruppe der Minarett-Befürworter zu lesen sind, der falsche Weg. Vielmehr sollte man sich schämen, wie man mit einer Niederlage umgeht.

Interessant zu lesen:
Min Arett und din Arett
Toleranz oder echte Akzeptanz?
Von Türmen und Brücken
Bildquelle: Hochparterre Schweiz

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr gut geschrieben. Ich habe JA gestimmt und ich verstehe die Logik der Nein-Sager nicht: Sie fordern Toleranz gegenüber Minaretten und sprechen sie den Gegner aber ab.

Thomas hutter hat gesagt…

Sehr guter Beitrag - vielen Dank. Ich bin für Integration, für Toleranz und Respekt, verstehe aber auch, wie es zu diesem Ergebnis gekommen ist und stehe hinter dem demokratischen Entscheid.

Scheisstyp hat gesagt…

Was heist da gut geschrieben dreckiger Faschistischer Scheisstyp Geh doch zu Hitler

Samira Marti hat gesagt…

vergleiche ruhig die Empörung gegenüber der Verletzung der Menschenrechte mit Morddrohungen einiger Leute an die Familie des Behinderten, der in den Bärengraben sprang... aber kehre danach selbst wieder in die Normalität zurück.

Eidinger, Jens hat gesagt…

Sehr geehrter Goggi :)

Danke für Ihre offenen Worte, die hoffentlich helfen werden in die "Normalität" zurückzukehren..
In dieser Abstimmung hat der "Gastgeber" eigentlich nur deutlich zum Ausdruck gebracht was er nicht mag.. nicht mehr aber auch nicht weniger.
Und ich finde dies am Ehrlichsten, anfänglich klarzulegen was in der "Beziehung" geht und was nicht! Dies sollte eigentlich ein Beispiel sein dem man folgt und es nicht verurteilen.. Ich kann keinen unter den "Glaubensbrüdern" ausmachen der gezwungen wird hier Gast zu sein. Jetzt hat der Gastgeber demokratisch "nein danke" gesagt und basta.. dass der Schweiz der schwarze Peter zugeschoben wird liegt leider nur daran, dass die Nachbarn in Deutschland, Österreich etc., gar nicht gefragt wurden in Hinblick auf die Minarette.. nimmt mich Wunder wie die Entscheidung da ausfallen würde..
Tja und hier in der Schweiz wurde das Volk gefragt und es hat entschieden.
Mit freundlichen Grüssen
Jens Eidinger

Dany Bürge hat gesagt…

Hallo Goggi,
super geschrieben, ganz grosses Kompliment! Für alle "schlechten" Verlierer setzte ich hier einen Link. Damit Ihr mal nachlesen könnt, wie es uns Christen auf dieser Welt so ergeht . . . .

http://www.opendoors-de.org/index.php/de/weltverfolgungsindex_2008.html

. . . und wir regen uns so auf, über Bauten, welche in unseren Breitengraden nichts, aber auch gar nichts verlohren haben.

Fikrije Rama hat gesagt…

JA DANN WÜRE ICH DIR GERNE ZU SEHEN, WENNS HEISST, NUR NOCH KATHOLIKEN IN DER SCHWEIZ UND KEINE PROTESTANTEN, WAS WAR VOR EINIGEN JAHREN LOS IN DER SCHWEIZ, DA DURFTEN DOCH KATHOLIKEN UND PROTESTANTEN NICHT HEIRATEN! UND SEID WANN IST DAS SO?! DIE SCHWEIZ IST SEIN KURZEM EIN SOUVERÄNES LAND, VOR 20 JAHREN SAH DAS ANDERS AU, UND VOR ALLEM, ANSTATT SCHRITTE VORWÄRTS ZU GEHEN, GEHT DAS VOLK SCHRITTE RÜCKWÄRTS, WIR MÖCHTEN EUCH AUFRÜTTELN UND DIE SVP DEN RÜCKEN ZEIGEN, NICHTS ANDERES.. !!!

Marc Müller hat gesagt…

Vielmehr sollte man sich schämen, wie man mit einer Niederlage umgeht.

Anonym hat gesagt…

Man hat die Leute gefragt und die Leute haben geantwortet. Das nennt man Demokratie.

Joanne hat gesagt…

Wirklich super Artikel! Respekt! Bin über Facebppk auf Ihre Seite gesteoosen. Werde SIe von nun an sicher öfter besuchen! Weiter so!

Dani hat gesagt…

Kompliment, sehr guter Artikel. Die Presse soll sich ein Stück abschneiden davon

Michael Steiner hat gesagt…

Es ging eben nicht nur um den Bau von Minaretten, wie das im Text steht. Die Schweizer haben mit diesem Ja ein klares Zeichen gesetzt gegen den Islam, gegen Toleranz und gegen den Religionsfrieden. Mit diesem Ja respektieren wir Schweizer unsere eigene Verfassung nicht.
Der Bau der Minarette spielte bei der Abstimmung eigentlich gar keine Rolle, sie werden, falls eine Klage nach Strassburg gelangt, sowieso wieder erlaubt werden. Das wissen auch die Initianten ganz genau. Ihnen giengs um etwas ganz anderes...

Anonym hat gesagt…

In facebook schreibt jemand es seien keine Kirchen verboten ausser in einem Land. Stimmt das?

Michael Steiner hat gesagt…

Ausserdem, im Königsreich Arabien darf man wirklich keine Kirchen bauen, auch nicht ein Kreuz irgendwo aufhängen. Doch müssen wir uns wirklich mit einer Monarchie vergleichen?
In anderen Islamisch geprägten Ländern wie z.B. der Türkei oder Albanien gibt es viele Kirchen.

Goggi hat gesagt…

@ Herr Steiner.
Das stimmt so natürlich nicht ganz. Man darf dem Schweizer Volk schon genug Auffassungsvermögen zugestehen. Die haben die Frage verstanden und haben darauf eine Antwort gegeben.

@ dem letzten anonymen: soviel ich weiss stimmt das. Kreuze auf den Dächern und Kruzifixe an den Wänden sind jedoch in den meisten muslimischen Ländern (vielleicht weiss das jemand genauer) verboten. Und Kirchentürme mit Minaretten vergleichen zeugt meines Erachtens von reinem Unwissen.

@alle: Danke für Eure Beiträge!

Wir haben JA gestimmt hat gesagt…

Grüss aus Kanton Jura-Welchland,

Hier haben die Leute JA abgestimmt aber sind keine Raziesten wie schreiben die Presse.

Die Jurassiens sind nur frustriert werden dass man ihre christlische Kultur (katholisch) nie in den Medien respektrieren wird. Immer bläude Witz, aber darüber redet man nie von razismus, nie nie nie es ist fast normal gewesen immer die Katholiken zu frustrieren und der TSR ist sehr qualifieziert dafür.

Und jetzt geht mit ein JA gegen Minareten und sing plötzlich 3/4 der Schweizer raziesten ? Ne dass kann nicht nur blöt und so kurz.

Hier im Jura haben die Leute Nasevoll von diesem einsieschtige Standard: Muslims mussen respektieren aber Katholiken ständig mokieren.

Jetzt läuft bei uns diese telefonton über tausend Hands from Jungs

Im Namen meiner Jurassischen Volk !

Jura People - Proud of our YES!

tin hat gesagt…

Es ging den Leuten ganz offenbar um viel viel mehr, als nur gerade diesen Minaretten. Da wurde emotional alles in das JA reingepackt - bis hin zum Stinkfinger für unsere Politiker, Parlamentarier und Bundesräte. Nur so kann ich mir die grosse Mehrheit überhaupt erklären.

Ruhi Öztürk hat gesagt…

du landest immernoch auf der falschen seite...geh schlafen du provokanter gnocchi oder conoci wie auch immer!

Ziad El Sayed hat gesagt…

"das volk hat geantwortet"... man kann einen (so mal frei hinein interpretiert...) apfel-bauer auch fragen wie man kirschen pflanzt, er wird auch antworten... know what I mean?? ich meine, dass ein grossteil der "stimmabgebenden" einfach nicht die tragweite der initiative komplett verstanden haben. der symbolische charakter der resultats und die ... Mehr anzeigenevtl. verallgemeinerung "mehr minarette in der schweiz" ist gleich "mehr muslime, mehr fremdes, mehr unnormales, nicht sofort zu verstehendes" macht dem einfachen bürger schlicht und einfach angst... ich denke aber angst vor fremden steht im krassen widerspruch zu einer weltoffenen, freundlichen schweiz. die schweiz begibt sich nun wie es meiner meinung nach aussieht auf das gleiche niveau von muslimischen staaten in welchen ebenso alles "nicht-konventionelle" verboten und verbannt wird. egal ob christlich, muslimisch, u.v.a., verbote und ausgrenzungen, basierend auf "wahlkampf = angstmache", birgen nichts positives in sich und lösen keine sog. probleme sondern sind fruchtbare erde für die realitätsfremden ideen von fundamentalisten und radikalen "vordenker".

Goggi hat gesagt…

Danke Ziad, volle Zustimmung. Man kann zudem noch sagen, dass es die PFLICHT der Medien wäre, nicht selber zu politisieren, indem gewisse Statement mehr gepuscht werden als andere, sondern eine nüchterne Berichterstattung gefördert wird. Aber davon, dass die Menschen überhaupt korrekt über ein Ereigniss oder eine Abstimmungsvorlage informiert werden, davon sind wir weit entfernt :-(

tin hat gesagt…

Ja klar ist die Information über Abstimmungsvorlagen schon längst ein Ding der grossen Kassen. Und unsere Medien sind längst nicht mehr so unabhängig, wie sie sich geben. Den Qualitätsjournalismus gibt es auch praktisch nicht mehr - Kampagnenjournalismus ist heute angesagt, Schnellschüsse, plakative Darstellung, personenbezogene Stories. Differenzierte Darstellung eines Problems gilt als langweilig, gilt als Wischi-Waschi und das liest auch niemand mehr - Populismus ist heute gefragt.

Kain Minarett hat gesagt…

Du sagst es ja schon selbst: "kein Bau wird bewilligt, ohne dass den Gegnern eine Vielzahl an Instrumenten geboten wird um sich dagegen zu wehren.". Wozu dann die Initiative, wozu eine Änderung der Bundesverfassung? Es ist doch jedem freigestellt, wie er als freier Schweizer mit dem Resultat dieser Abstimmung umgeht. Der eine freut sich und der andere schämt sich fremd, beiden sollte es doch in unserer Demokratie, in einem freien Land wie der Schweiz, möglich sein dies auch Kund zu tun (so wie du es ja hier auf dieser Seite auch machen kannst). Klar sind Drohungen völlig fehl am Platz, sind wohl aber mehr ein Produkt von Internetanonymität und kurzzeitigen Emotionen als eine ernst gemeinte und durchdachte Haltung.

Anonym hat gesagt…

Hier geht's nicht ums Schämen, hier geht's um die Menschenrechte! Eure Schweizer Neutralität in allen Ehren, aber da hört's doch echt auf!
Dieses Abstimmungsergebnis zeugt einfach von aus purer Unwissenheit und Ignoranz resultierender Angst innerhalb der Bevölkerung... Lesen statt permanentem Fernsehen hilft!

Tamid hat gesagt…

das Problem ist, das Zeitungen diese Emotionen nutzen um neuen Hass zu sähen. Bewusst oder unbewusst!!!!

Christine Brand hat gesagt…

Vor auem de letschti absatz sötte mir üs aui zHärze nä: "Im Falle der Anti-Minarett-Initiative setzt man bei den Verlierern offenbar nicht auf Aufklärung, sondern auf Diskriminierung der Gewinner. Wie die Morddrohungen gegen die Familie des Bärenopfers, sind Drohungen wie sie teilweise in der Facebook-Schämgruppe der Minarett-Befürworter zu lesen sind, der falsche Weg. Vielmehr sollte man sich schämen, wie man mit einer Niederlage umgeht."

Eddie hat gesagt…

auch nicht um Diskriminierung eines Volkes
Andersbehandlung einer Glaubensrichtung mit Verletzung von Völkerrecht, auch wenn es "nur" um Minarette geht = Diskriminierung

Kein Gesetz wird erlassen, ohne die Bedürfnisse sämtlicher Randgruppen nicht mindestens erörtert zu haben
Was eine Stärke der Demokratie ist, ist also doch gut, oder?

darf man als Christ in keinem einzigen muslimischen Land dieser Welt ein Kreuz aufs Dach stellen
Das ist nun wirklich kein Argument.

Es mag auf ethischer, menschlicher oder völkerrechtlicher Basis in diesem Fall ungerecht erscheinen Ähm, das reicht doch aber?!

Ausdruck von Ängsten, die es in ihren Grundzügen nicht zu kritisieren gilt, sondern durch tägliche Arbeit zu relativieren
Diese Ängste sind bewusst geschürt worden. Dies führt dazu, dass Dörfer im grössten Chrachen, deren Bewohner wohl noch nie eine Burka von Nahem gesehen haben, Ja-Anteile von 90% hatten.

Diskriminierung der Gewinner
Versuche ich nicht zu tun. Und pass auf mit Verallgemeinerungen. Das ist nämlich doch eines der Hauptprobleme dieses Diskurses, dass man alles in einen Topf schmeisst. Mach ich manchmal auch, ist aber doof.

Lieber Goggi, versteh mich nicht falsch. Ich sehe deine redliche Absicht und schätze dein Blog- Engagement. Ich glaube aber, dass es nicht so einfach ist, wie du schreibst.
Die mittleren 27 Prozent haben sich meiner Meinung nach zu einem "Zeichen" hinreissen lassen, welches am falschen Ort platziert wurde.
Es war ein Versuch, die Demokratie mit anti-aufklärerischen und eigentlich anti-demokratischen Mitteln zu schützen. Der geht aber auf die Länge hinten raus.

Marco Streller hat gesagt…

Glockentürme; Glocken machen Lärm und übermitteln nur die Botschaft die man hinein interpretiert. Der Inhalt des Muezzinrufs ist eindeutig und lässt keinen Interpretations-Spielraum. DAS IST DER UNTERSCHIED und gut so ;)

Goggi hat gesagt…

@Eddi (wis schade, dass da keine E-Mail steht, so kann ich nur vermuten wer hinter dem Kommentar steckt und der heistt nicht Eddi)

Zwei Dinge: Doch, Keine Kreuze auf den Kirchendächer in muslimischen Staaten ist ein Argument. Viele meinen immer noch dass der Vergleichsturm zum Islam das Minarett sein soll.

Und: Doch, man sollte es so einfach wie nur möglich erklären, weil die meisten Menschen hören nach dem vierten Satz auf zu lesen und bilden sich ihre Meinung aufgrund von Schlagzeilen.

Someone hat gesagt…

Es ist bedauernswert, dass das klare "JA" vom Schweizer Volk von den Gegnern nicht zur Kenntnis genommen und akzeptiert wird! Wir leben hier in einer freien Demokratie und ich glaube es ist an der Zeit, dass wir uns Schweizer nicht für jeden Entscheid rechtfertigen und entschuldigen müssen….(wie es heute unsere Bundesräte gemacht haben!!) Wir tolerieren und leben hier eine kulturelle Vielfalt, wie sie kaum in einem anderen Land vorzufinden ist. Der muslimische Glauben wird dadurch nicht beeinträchtigt, einzig die Minarette dürfen in der Zukunft nicht mehr gebaut werden. Also verstehe ich die ganze Aufruhr nicht. Ist ein Glauben wirklich von einem Bau resp. von einem Gebetsturm abhängig??? Geht es bei diesem brisanten Thema nicht um etwas ganz anderes???

fabrice01 hat gesagt…

Zum Teil hast du Ja recht.

Aber das eine solche Abstimmung überhaupt erlaubt worden ist. Das verletzt Menschen

Wenn du diesen Vergleich machst, steht aber der Bär für die Schweizer. Welche sich im vollen recht verteidigen, aber trotzdem unrecht tuen. Ein grosser Fehler. Aber wenn es nicht in diesem Stil weitergeht, ist es halb so schlimm. Es wurden lediglich diese Türme und die Gebetsrufe verboten.

Monsieur Fischer hat gesagt…

*ironie ein*im film "operation kingdom" (fr. SF2) sind minarette zusehen: verbieten! ebenso alle weihnachtsguetsli in halbmond-form. und wenn wir schon dabei sind: gurkensalat mit dill, wände mit tapete und öffentliches lachen nach 20 uhr... verbieten! was die 4 bestehenden minarette angeht, der nächste 1. august kommt ja bestimmt und es gibt bestimmt stramme eidgenossen die gerne mit einem richtigen (rechte?) und grossen feuer feiern! ach ja, 1. august... verbieten, ist ein machtsymbol eines (ehemals) neutralen landes! *ironie aus*

payo hat gesagt…

ich habe letztens einen interessanten bericht gelesen von einem imam in der schweiz. ihm ging es gar nicht mehr um die minarette, sie hätten mit anderen problemen zu kämpfen. z.b. auffassung des islams in der schweizer gesellschaft oder auch das die jugendlichen eher unteressiert sind an religion. für mich persönlich macht das resultat keinen unterschied, aber was ich sehr schade finde ist, dass die initiative sehr oberflächlich und "neben dem thema" diskutiert wurde. es ging gar nicht um minarette, sondern um durchsetzung von sharia-gesetzen(wer bitte versteht diese überhaupt richtig, als das er diese betiteln kann als potentielle gefahr?).

Goggi hat gesagt…

@fabrice01: Ich stimme Deiner Aussage zu, dennoch will ich etwas korrigieren: Die Gebetsrufe wurden nicht verboten, sondern nur die Minarette von denen die Rufe möglich gewesen wären. Die Gebetsrufe wurden demnach im Zuge des Verbots "nur" verhindert.

Ich schreibe das, weil genau solche "Details" dazu führen, dass ein Anliegen völlig falsch interpretiert wird. Mir fallen dazu die Meldungen über die Schweinegrippetoten ein: 4 Menschen seien in der Schweiz daran gestorben und das Volk rennt nun zum Arzt sich impfen zu lassen. Tatsache - aber eben die kleinere Schlagzeile - ist, dass die vier Menschen zuvor an Diabetes, Lungenentzündung, Immunschwäche, Leberversagen und Herzfehlern gelitten haben.

Meinungen mögen im Vorfeld der Abstimmung durch die Rechte in die Irre geführt worden sein, die Linke tut es erst nach den Wahlen, indem zum Beispiel von Rassendiskriminierung die Rede ist. Auch so ein Datail: Es geht wennschon um eine Glaubensdiskriminierung, der Islam ist keine Rasse.

In diesem Sinne stimme ich auch payo zu, denn mit den Minaretten wird ein "Problem" in den Vordergrund gestellt, dabei hat man ganz andere Dinge die einem Sorgen bereiten. Da hilft womöglich nur noch monsieur fischers Ironie!

Dani hat gesagt…

Was mich noch wunder nimmt, wieviele Eingebürgerte, muslimischer Abstammung wohl zur Urne gegangen sind. Schade, lässt sich das nicht beweisen, aber ich könnte wetten, viele waren es nicht.

Simon hat gesagt…

"Aber auch im gewöhnlichen Alltag wird selten aufgrund eines Namens oder der möglichen Herkunft diskriminiert" Selten? Auwachen bitte...

http://www.zukunftstattherkunft.ch/facts/facts_und_studien_zum_thema_de.html
http://www.lehrlingsselektion.de/documents/synthesis7.pdf

Goggi hat gesagt…

@ Simon

Ich bin seit 40 Jahren Secondo in diesem Land, ich bekomme selber mit, wie viel anders man "nur" wegen des Namens behandelt wird. Aber "es" hat sich gebessert.

Simon hat gesagt…

Ps.

1. Die Menschenrechte wurden soeben auf dem Altar der Demokratie geopfert, herzliche Gratulation euch allen. Zudem hat man gleichzeitig unsere eigene Verfassung ins Klo gespült, was für eine Meisterleistung.
2. Die Mehrheit hat also immer Recht und muss respektiert werden? Warum denn nur hat man die Nazis an ihrem Tun gehindert? Das war doch eine Frechheit, oder nicht?
3. Die Schweiz hat vor drei Tagen mit der nun verfassungsmässig festgehaltenen Diskriminierung islamischer Gläubiger ihr Recht verwirkt, auch nur die kleinste Kritik an anderen Staaten zu äussern, die ebenso auf die Menschenrechte pfeiffen.
4. Die Muslime sollen ihre Religion also weiterhin ungestört ausüben können in unserem Land? Ja klar, mit der eben begonnenen sukzessiven Beschneidung ihrer Gebetsstätten und religiösen Symbole können sie froh sein, wenn wir ihnen in 5 Jahren nicht den Gebetsteppich unter dem hintern wegziehen und sie den von Ulrich Schlüer ins Schweizerdeutsche übersetzte Koran lesen müssen.
5. Das Minarett ist nur ein politisches und kein religiöses Symbol? Wer entscheidet denn das? SchlüerBlocherFehr und alle strammen Schweizer? Die Minarett- und Islamgegner sind doch bloss zu faul, sich auch nur das kleinste Wissen über diese Religion anzueignen, nein, falsch, was sie wollen ist eine Monokultur und dann muss man sich ja gar nicht damit abgeben sondern kann bei der nächsten erfolgreichen SVP-Initiative alle Andersdenkenden und Andersgläubigen in einen Zug laden und wegfahren. Bevor man jemanden derart ausgrenzt, sollte man sich vielleicht vorher angemessen informieren, wieso man es tut, und nicht aus dem Bauch heraus solch schwerwiegende Beschlüsse fassen.
6. Der Islam ist also gegen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Gut kann mir einer von den Minarett-Gegnern auch gleich sagen, wann und wo in diesem Land der nächste katholische Gottesdienst von einer Priesterin gehalten wird und wer der letzte weibliche Papst war.
Und und und...

Simon hat gesagt…

Ach ja:

7. Weil andere Staaten fremde Religionen und Ethnien diskriminieren, heisst das noch lange nicht, dass wir es in der Schweiz ebenso haben sollen. Wenn die Minarett-Initiativler sich mit diesem Argument solche Länder zur Referenz nehmen, dann gute Nacht, dann können wir ja bald Andersgläubige im Zürisee versenken, Andersdenkende foltern und einsperren oder überhaupt allen nicht-Ur-Schweizern irgend ein Körperteil abhacken. Ich bin aber nicht in Saudiarabien geboren, ich bin Schweizer! Und in meinem Land soll niemand so behandelt werden, wie in Ländern, in denen es keine oder nur beschränkte Menschrechte gibt! Aber ich seh schon, 57% von euch sind da ganz anderer Meinung...

Anonym hat gesagt…

In facebook schreibt jemand es seien keine Kirchen verboten ausser in einem Land. Stimmt das?

Als Antwort daruaf habe ich einen interassanten Web-Link gefunden, der mir passend dazu scheint:

http://www.islaminstitut.de/Nachrichtenanzeige.55+M550fdaaf262.0.html
Leider schon Weg aber zum Glück gibts ja noch Google:

Fatwa zu der Frage, ob muslimische Machthaber den Bau von Kirchen ermöglichen dürfen

Rechtsgutachten-Nr.: 5106
Von dem Rechtsgutachter Scheich Saleh bin Fauzan bin Abdullah al-Fauzan
(Institut für Islamfragen, dh, 05.11.2009)

Frage: "Wie wird [aus islamischer Sicht] ein Mensch beurteilt, der Christen ermöglicht, Kirchen in Ländern der Muslime zu bauen oder Schulen zu eröffnen, in denen [christlich] missioniert wird?"

Antwort: "Dies ist [aus islamischer Sicht] nicht erlaubt. Muslime dürfen Christen weder den Bau von Kirchen noch die Renovierung dieser Kirchen ermöglichen, falls sie baufällig geworden sind. Falls jedoch Muslime ein Land einnehmen, in dem sich bereits Kirchen befinden, müssen sie diese [Kirchen stehen] lassen, bis sie baufällig werden und verschwunden sind. Sie dürfen nicht erneut aufgebaut werden.

Muslime dürfen nicht den Ungläubigen den Bau von neuen Kirchen im Lande des Islam erlauben, insbesondere auf der Arabischen Halbinsel. Allahs Prophet sagte: 'Es dürfen auf der Arabischen Halbinsel nicht zwei Religionen zusammen existieren'. Kirchen dürfen auf der Arabischen Halbinsel nicht neben Moscheen errichtet werden.

Dies heißt jedoch nicht, dass ein Ungläubiger die Arabische Halbinsel nicht betreten darf, wenn er dies als Gastarbeiter oder Geschäftsmann tut. Ein Ungläubiger darf die Arabische Halbinsel betreten, wenn er sich dort nur vorübergehen aufhält. D.h., er darf dort keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen. Ebenfalls darf er kein Eigentum [keine Eigentumswohnung] besitzen."

Quelle: www.alfawzan.ws/AlFawzan/FatawaSearch/tabid/70/Default.aspx?PageID=5106

Ultimativpaul hat gesagt…

Wie man ja so schön gesehen hat, gilt dies für irgendwelche Arabischen Monarchien, die auch eigene Regierungskritiker in den Knast stecken. Aber gut, da steinigt man auch Schwule. Na dann machen wirs jetzt wie beim Minarett, wir steinigen sie nur ein bisschen. Oder stecken sie halt nur in den Knast. Dann dürfen sie ja immernoch schwul sein, ihre Sexuelle Selbstbestimmung ist dann gewahrt.
Was ich damit, zugegeben etwas provokant, sagen will: Eine Demokratie wie die Schweiz kann sich doch nicht tatsächlich mit Monarchistischen oder Theokratischen Herrschaftsstrukturen aka Diktaturen vergleichen.
Und radikale Extremisten, die man ja sowas von verachet, als Beispiele uind Referenzen für das eigene Vorgehen zu nutzen.... Lassenwir das.
Die ganze Kampagne zielte doch von Anfang an darauf ab, irgendwelche bedeutungsschwangeren Inhalte wie Burka, Scharia, Atomstreit, Antiwestliche Proteste in das Minarett hineinzuinterpretieren. Und dann die Menschen darüber abstimmen zu lassen.
Eigentlich wäre es Aufgabe der Kirchen gewesen, darüber aufzuklären und eine Kampagne zu fahren, schließlich hat sich sogar der Papst gegen das Minarettverbot ausgesprochen.
Es fand einfach keine ausreichend große Gegenkampagne gefahren,der öffentliche Raum wurde mit den bekannten (und mit vollkommen anderen Inhalten überfrachteten) Plakaten überflutet.

Übrigens gibt es in der Türkei, Syrien, Albanien, Indonesien, Marokko, Mauretanien, Mauretanien, Bahrain, Nigeria, Marokko, Tunesien, Malediven, Jemen und in vielen Ländern mehr stehen - oh Wunder - Kirchen. Mit Türmen. Was ist denn da los?

sara hat gesagt…

mal was ganz blödes... wen die muslime es schaffen den vatikan zu überzeugen das im vatikanstaat eine moschee mit minarett gebaut werden kann ... dan wird es auch dem schweizervolk nichtmehr schwerfallen dem minarettbau zuzustimmen...
unsere kultur ist christlich... lasst es doch auch so sein...
ich hab die erfahrung gemacht wenn ich in ein land gehe das ich mich dort anpassen muss auch in religionsfragen... und nicht umgekehrt.... oder muss ich auch 70 sprachen lernen damit sich alle hier heimisch fühlen????

@goggi.. super geschrieben

Anonym hat gesagt…

@Ultimativ: Kirchentürme bei den Christen ist nicht das Gleiche wie Minarette im Islam. Die Türme in den Ländern die Du aufzählst haben alle kein Kreuz drauf und wohl auch keine Glocken drin und sind in vielen Fällen nur ein symbolischer Bau, weit weg von einem "echten Turm"

Ultimativpaul hat gesagt…

@sara
Ja, das ist was ganz blödes. Wenn sie also in ein muslimisches Land fahren, werden sie also Muslimin. Genau.
@Anonym
Was sie da behaupten ist schlichtweg falsch. Wobei Unwahrheiten und Lügen symptomatisch für die ganze Kampagne sind. Es sei ihnen verziehen, auf die SVP-Propaganda hereingefallen zu sein.
Hier sehen sie zwei Kirchen, die erste in Jakarta:
http://lh3.ggpht.com/_zlM9MkE7VzI/SHSbkrOU58I/AAAAAAAAAQ4/EC5Z9etRV20/DSC02464.jpg
Die zweite in Istanbul:
http://www.istanbulvisions.com/images/church.jpg

Beide Mit Kreuz. Und in Istanbul, wo es mehr als 700 Kirchen gibt, hört man bald ununterbochen irgendwo eine Kirche läuten. Vielleicht sollten sie mal dort hinfahren. Reisen erweitert den Horizont.

Und wenn ich genau schaue, ist an der örtlichen Dorfkirche auch kein Kreuz zu sehen. Und im so kulturfremden Raum wie Ostdeutschland ist Glockenläuten nur Sonntagmorgens erlaubt.
Und auf dem Minarett in Wangen bei Olten sehen wir auch jeden Tag einen Muezzin. Das ist ja auch gar nicht symbolisch... Lassen wir das.

Goggi hat gesagt…

Mir gefällt es, wie und was Ultiativpaul schreibt. Danke für Deine Präzisierungen