Das Drama mit fünf Toten, im für Rafting untauglichen Gummiboot wirft einige Fragen auf. Eine die zum Beispiel Blogger besonders interessieren muss: Wie gläsern wollen wir sein?
| | Google weiss alles: Hier wohnt Yves M. | |
Der Chef der Offiziersgesellschaft Hans Schatzmann blockt ab, wenn es um Yves M. geht: "Keine voreiligen Schlüsse". Man kenne nicht alle Details, eine Untersuchung sei im Gange, es gelte die Unschuldsvermutung. Die üblichen Floskeln also. Diese Mauer des Schweigens verleitet sämtliche Nicht- und Boulevard-Reporter dazu, im Internet zu stöbern, wer der Kommandant und einzige Überlebende des Unglücks so ist. Man findet Spuren zu Links und Bildern, die wiederum von Freunden des Yves M. zu löschen versucht werden. Der Ehre wegen, oder um die Unschuldsvermutung aufrecht zu halten. Wer weiss das schon.
Doch hier offenbart sich die dunkle Seite des Internets. Was früher zu Klicks und Bekanntheit der "Swiss Army Group" (SAG) beigetragen hatte, wirft heute allefalls noch ein schlechtes Licht auf deren Tun. Googles Cache-Funktion sei dank, bleiben alle gelöschten Seiten weiter auffindbar. Man findet schnell heraus, wofür der M in "Yves M." steht, Gründer und Präsident der Gruppe war, die sich sportliches Tun und geselliges Beisammensein auf die Brust geschrieben hat. M. ist ein passionierter Läufer und schafft laut "Datasport" 10 Meilen in 1 Stunde 30, den Pfingstlauf in Wohlen über 8,2 Km in rund 40 Minuten. Was für den viertletzten Platz reichte - Mitmachen scheint wichtiger als zu Gewinnen. Als Gruppe nahm die SAG an 2- und 4-Tagesmärschen teil , beteiligte sich an Übungen der französischen Luftwaffe und macht an Orientierungsläufen mit. Ausserdem bemühte man sich um gute Zusammenarbeit mit ähnlichen Organisationen. Das alles steht im Internet, zum Beispiel auch im Bericht von "Dorf-Blitz online", der zwar offline ist - aber eben - dank Google unvergessen bleibt.
Trotz, oder gerade wegen dieser Löscherei vermutet eine Mehrzahl von Journalisten, hier werde etwas verschleiert. Sie interpretiert gar Illegales Treiben in die Tätigkeiten der Gruppe und vermutet hinter jeder trotzdem entdeckten Meldung, der Mann habe mindestens bösartig die Vorbereitung des Grauens vorangetrieben. Entsprechend werden spektakuläre Funde aufgebauscht und die Passion eines jungen Mannes wird zum Boomerang des eigenen Daseins.
Dabei darf man nicht vergessen: Die verstorbenen jungen Männer, waren fast alle Mitglieder der Swiss Army Group und niemand hat sie gezwungen, in die Kander zu steigen. Trotzdem werden sie zu ahnungslosen Opfern gemacht und Yves M. zum bösen "Militärfreak" der Armee (
20minuten) , der "den Blick zur Realität verloren" habe (
Blick). Die Medien schafften es auch, dem Normalkonsumenten weiss zu machen, Yves hätte eine Art Beratungsfirma für Sicherheit aufgebaut - dabei handelt es sich um eine EDV- und Unternehmensberatung.
Dies ist kein Plädoyer für einen "Schuldigen". Im richtigen Leben wäre Yves M. sicher kein Kumpel von mir. Dieser Kampfsport und Militär-Unsinn geht mir gewaltig auf den Geist und es fiele mir leicht, von ihm das Bild zu machen, das mir die Medien von ihm vorzeichnen. Es geht aber nicht in Ordnung, dass eine solche Abneigung, obwohl sie wahrscheinlich die Mehrzahl der Menschen teilt, dazu führt, dass aus einem Menschen ein Unhold gemacht wird. Und dies nur aufgrund von Schnippseln, die man im Internet findet und ein paar gesuchten Äusserungen von zurechtgeschriebenen Zeugenaussagen. Schaut man nämlich nüchterner hin, hat Yves M. nur sein Hobby gepflegt und dabei ist ein Unfall passiert. Ein dummer Unfall, aber eben "nur" ein Unfall. Kein Vorsatz, keine bösen Hintergedanken, keine schlechten Manieren.
Jeder der nun wettert über den bösen Soldaten, sollte sich zudem Gedanken darüber machen, was das Internet so alles über die eigene Person weiss. Was in Google mal erschienen ist, lässt sich nicht mehr entfernen. Und eine Teilnahme an einer Online-Poker-Schule könnte schon bald als Ursache herhalten, warum gerade diese Person 100'000 Franken bei irgendeinem Projekt in den Sand gesetzt hat. Fotos aus der Fan-Meile oder dem Besäufnis am Klassentreffen könnten schon bald kompromittierend sein, wenn jemand im angetrunkenen Zustand einen verheerenden Verkehrsunfall baut - Unabsicht hin oder her.
Man sollte also vorsichtig sein, bevor man andere an den Pranger stellt. Ich google immer mal wieder nach meinem Namen. Auch nach meiner Kreditkartennummer und E-Mail-Adresse suche ich und manchmal will man gar nicht glauben, wo Google seine Nase so überall drin hat. Eigentlich müsste da stehen: Internet kann Ihre Gesundheit gefährden. Im Fall Yves M. steht sogar viel mehr auf dem Spiel.